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Postcard to Daddy – Dokumentation

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Postcard to Daddy – Dokumentation

postcard72 150x211 Postcard to Daddy   DokumentationMichael Stock wurde als kleiner Junge im Alter zwischen acht und ca. sechzehn Jahren von seinem eigenen Vater mehrfach sexuell missbraucht. Weder die Mutter noch die beiden älteren Geschwister Michaels hatten davon etwas mitbekommen. Erst nach einer weiteren fast zehnjährigen Zeit des Schweigens konfrontierte er die restliche Familie mit der Wahrheit. Der Kontakt zum Vater ist daraufhin bei fast allen gänzlich abgebrochen. Michael erkannte allerdings, dass er, um endlich Frieden mit sich selbst schließen zu können, mit seinem Vater nach all den Jahren noch einmal versuchen musste, über die damaligen Vorkommnisse zu sprechen. Über Jahre hinweg trug sich der Filmemacher Michael Stock („Prinz in Hölleland“) mit dem Gedanken, seine Geschichte zu fiktionalisieren. Nachdem dies wiederholt scheiterte, entschloss er sich zu einer Art Videotagebuch, in dem er mit seiner Mutter und seinen Geschwistern über die Vergangenheit sprechen würde, um diesen Film anschließend seinem Vater zugänglich zu machen – als Ausgangspunkt für ein persönliches, im besten Falle reinigendes Gespräch zwischen Opfer und Täter. „Postcard to Daddy“ ist dieses bewegende Dokument eines über Jahre andauernden Falles des Kindesmissbrauchs in der eigenen Familie, und der Film schildert, wie dadurch das Leben aller Beteiligten nachhaltig aus der Bahn geworfen wurde.

Michael Stocks Herangehensweise ist überaus nüchtern und zielgerichtet. Seine Vertrautheit mit den Familienmitgliedern und die zunächst nicht geplante öffentliche Auswertung des Materials führen dazu, dass man unverfälschte und ehrliche Einblicke in die Struktur seiner Familie erhält. Diesem „Monster“ von Vater werden dabei immer wieder durchaus auch positive Eigenschaften zugeschrieben, sogar von Michael Stock selbst. Als Zuschauer begreift man, dass diese Ereignisse ein Kind nicht nur traumatisieren, sondern selbst in die Täterrolle drängen können, aus der sie mitunter keinen Ausweg mehr sehen. Wenn am Ende des Films schließlich sogar der vergewaltigende Vater vor der Kamera zu Wort kommt, erhält Stocks sehr persönliche Dokumentation noch eine zusätzliche, selten gesehene Komponente – die Ansichten des Täters. So unbefriedigend und uneinsichtig sie in diesem Moment auch sein mögen, stellen sie zumindest in Michael Stocks konkretem Fall die Ausgangsbasis dafür dar, dass er endlich für sich Frieden mit seiner Vergangenheit schließen kann. Die Allgemeingültigkeit des Gezeigten ist aber genauso wenig von der Hand zu weisen und macht „Postcard to Daddy“ zu einem sehenswerten und auch hinsichtlich seiner filmischen Umsetzung bemerkenswerten Film.

Auf der DVD fehlt leider jegliches Bonusmaterial, was angesichts der wichtigen Thematik doch etwas schade ist. Einzig ein kurzer erläuternder Text des Regisseurs findet sich auf der Rückseite des DVD-Covers – dieser erschien vorab im SISSY-Magazin. Neben dem Trailer zum Film bietet die DVD noch wahlweise englische oder griechische (warum auch immer) Untertitel, deutsche sind ebenfalls nicht vorhanden.

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