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Spannende „Deutsche TV-Thriller“ und „Politthriller“ in DVD-Editionen der SZ

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Spannende „Deutsche TV-Thriller“ und „Politthriller“ in DVD-Editionen der SZ

Zu den beliebtesten Filmgenres unter Kinogängern und Fernsehzuschauern zählen die Thriller. Unter dieser vagen Genrebezeichnung wird eine große Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten verstanden, die eine spannende Geschichte aus der subjektiven Sicht des Protagonisten zeigt, mit dem man mitfühlen kann. Der Zuschauer ist dadurch mit seinen Informationen meist auf dem aktuellen Stand, wogegen die Verfolger, Kontrahenten oder Polizisten meist erst mit einer Zeitverzögerung erfahren, was sich gerade ereignet hat. Fast immer zieht sich im Thriller der Spannungsbogen über den ganzen Film bis zur Aufklärung am Ende hin. Bis zum Ende um sein Leben bangend wird der Held oft bemitleidet, auch wenn er nicht immer auf der Seite des Gesetzes gestanden hat. In den wirklich guten Thrillern steht die Psychologisierung der Charaktere und Situationen über der bloßen Zurschaustellung von Spezialeffekten und roher Gewalt. Besonders diesen Aspekt hat die Filmredaktion der Süddeutschen Zeitung (SZ) bedacht, als sie in ihrer beliebten „Cinemathek“ zwei Editionen mit Thrillern herausgebracht hat: „Deutsche TV-Thriller“ und „Politthriller“.

Die ausgewählten deutschen Thriller sind nicht zu vergleichen mit den Hollywood-Blockbustern, die oft mit einem Staraufgebot, wenig Handlung und zahlreichen Effekten aus der digitalen Trickkiste besonders hohe Zuschauereinnahmen einspielen sollen. Die 15 Filme der Serie wurden vom Studio Hamburg im Auftrag deutscher Fernsehsender produziert. Dass sie fast alle nicht im Kino liefen, hat nichts mit ihrer Qualität zu tun, sondern zeigt im Gegenteil, wie hoch die Qualität der deutschen Fernsehfilme ist, und das unabhängig hochklassiger Krimiserien wie „Tatort“ oder „Der Kommissar“. Die Edition enthält Sternstunden des deutschen Fernsehens aus den Jahren 1989 bis 2008, die leider kaum wiederholt werden und dadurch die DVD-Edition umso wertvoller machen. Unter den Regisseuren sind viele auch vom Kino bekannte Namen: Dominik Graf („Die Katze“), Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“), Christian Petzold („Die innere Sicherheit“) oder Matthias Glasner („Der freie Wille“), die besten deutschen Schauspieler von Adorf bis Zapatka bürgen für die hohe Qualität.

Thriller-Spezialist Dominik Graf ist gleich zweimal vertreten. „Der Skorpion“ zeigt Heiner Lauterbach als Drogenfahnder, dessen Frau einem Anschlag der Drogenmafia zum Opfer fällt und dessen Sohn selbst in deren Sumpf abrutscht. In „Eine Stadt wird erpresst“ geht es um Vergangenheitsbewältigung in einem Braunkohlerevier im Leipziger Umland, wo es der Fahnder Kalinke, manchen noch bekannt aus Zeiten des DDR-Fernsehens, mit einer verschworenen Dorfgemeinschaft zu tun hat. Von Matti Geschonneck, dem Sohn des DEFA-Schauspielers Erwin Geschonneck, sind ebenfalls zwei Filme enthalten. „Duell in der Nacht“ zeigt nahezu in Echtzeit die Ermittlungen von Jürgen Vogel als Kommissar bei der Frankfurter Mordkommission, der von seinem Chef genötigt wird, einen Täter zu liefern, obwohl dessen Schuld noch nicht erwiesen ist. Natürlich darf in Frankfurt die Beziehung zur korrupten Geld- und Bankenwelt nicht fehlen. „Mord am Meer“ blickt zurück in die Zeiten der RAF und der DDR. Dort untergetauchte Terroristen, die bekannten Stasi-Bespitzelungen im Familienkreis und der Opportunismus nach der Vereinigung sind die Hauptthemen dieser Geschichte. Mehrere DVDs enthalten aufwändig inszenierte Zweiteiler mit über drei Stunden Länge. „Operation Rubikon“ (Regie: Thomas Berger) ist ein Politkrimi im Dunstkreis des BKA mit seinen verdeckten Ermittlern. „Die Kaltenbach-Papiere“ von Rainer Erler zeigt Ulrich Tukur als Reporter auf der Spur des zwielichtigen Waffenschiebers Kaltenbach (Mario Adorf) mit einem finalen Shootout in Marokko. Adolf Winkelmann, der zuletzt mit „Contergan“ für Aufsehen sorgte, bringt uns die Methoden der Russenmafia näher, wenn sich Sissi Perlinger als Frau eines verschwundenen deutschen Kunsthändlers zusammen mit einem russischen Kommissar aufmacht, den Fall in einer wahren Odyssee zu klären. In „Der Leibwächter“ demonstriert Winkelmann die Methoden der Drogenmafia. Franz Xaver Kroetz soll verdeckt als Leibwächter eines kurdischen „Geschäftsmannes“ dessen Methoden aufdecken. In der Türkei erlebt er viele Abenteuer und kann wie durch ein Wunder einen Mordanschlag überleben. In „Die fremde Frau“ von Matthias Glasner zeigt Corinna Harfouch wieder einmal ihr Talent, eine geheimnisumwitterte und verführerische Schönheit zu spielen. Ihr Opfer ist dieses Mal Ulrich Tukur als reicher Juwelier. Anspielungen auf Hitchcocks Klassiker „Vertigo“ sind hier nicht zu übersehen. Eine ebenso undurchschaubare Rolle bietet Nina Hoss in „Toter Mann“ von Christian Petzold, die den Mord an ihrer Schwester vor 14 Jahren rächen will, nachdem der Mörder aus dem Gefängnis entlassen ist. Peter Keglevic erregte Aufsehen mit der Verfilmung der Entführung Richard Oetkers. Ebenfalls um eine Entführung geht es in seinem Harz-Krimi „Das Geheimnis im Wald“. Ein früher wegen Vergewaltigung und Tötung einer Schülerin zu Unrecht verurteilter Lehrer wird verdächtig, eine verschwundene Schülerin entführt zu haben. Der aktuelle Oskar-Preisträger Christoph Waltz zeigt hier sein ganzes Können als schwieriger und undurchschaubarer Verdächtiger, der alle auf eine große Geduldsprobe stellt, schließlich aber seine Unschuld beweisen kann. In „Der Sandmann“ von Nico Hofmann spielt Goetz George einen angeblichen Serienmörder mit allen psychologischen Zwischentönen. Auf einer wahren Geschichte basiert Stephan Wagners „Der Stich des Skorpions“. Ein politischer Gefangener der DDR (Jörg Schüttauf) wird vom Westen frei gekauft und will sich als Fluchthelfer am verhassten System rächen. Doch die Stasi ist ihm auf Schritt und Tritt noch immer auf den Fersen. Anleihen an Henning Mankell gibt es in „Der demokratische Terrorist“ des schwedischen Regisseurs Pelle Berglund. Ein schwedischer Undercover-Agent (Stellan Skarsgård) wird in eine Hamburger Terroristengruppe eingeschleust und ist nicht nur bei einem Bankraub beteiligt. Hier gibt es wirklich Action und Brutalität wie in kaum einem anderen Film der Serie. Das genaue Gegenteil liefert Oliver Hirschbiegel mit „Das Urteil“. Es ist ein Zweipersonen-Theaterstück wie „Warten auf Godot“ mit den überragenden Darstellern Matthias Habich und Klaus Löwitsch. Ein jüdischer Kronzeuge soll in einem Mordprozess in Hamburg aussagen. Bei einem Zwischenstopp wird er unter einem Vorwand aufgehalten und von einem Journalisten befragt, der die Aussagen des Zeugen in seinem Sinne korrigieren will. Besonders die beiden letzten Filme zeigen die große Bandbreite des Genres „Thriller“. Einige davon könnte man in die Unterkategorie „Politthriller“ stellen, die sowohl fiktiv als auch nahe an der Realität spielen können. Wer sich dafür besonders interessiert, dem sei noch die SZ-Cinemathek „Politthriller“ mit 12 internationalen Kinoproduktionen aus den Jahren 1946 bis 2006 empfohlen. Der größte Meister des Thrillers, Alfred Hitchcock, ist vertreten mit „Notorius“ mit Ingrid Bergman als Tochter eins Nazi-Spions und Cary Grant als CIA-Agent. „Der Fall Serrano“ von Georges Lautner zeigt Korruption und Verbrechen bei französischen Politikern. In „Syriana“ deckt George Clooney als ehemaliger CIA-Agent die dunklen Machenschaften der Geheimdienste, Regierungen und großen Ölkonzerne beim Kampf ums Öl auf. Um eine zeitlose ältere Geschichte geht es in der Verfilmung „Richard III“ nach William Shakespeare. Richard Loncraine vertauscht allerdings Schwerter gegen Gewehre und verlegt die Handlung vom 15. Jahrhundert in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts, was der Geschichte noch mehr Glaubwürdigkeit verleiht. Zwei Filme führen in die korrupte und gefährliche Welt der mittel- und südamerikanischen Regime. In „Vermisst“ verschwindet ein amerikanischer Autor während eines Militärputsches in Chile, und wird anschließend von seinem Vater und seiner Frau vergeblich gesucht, weil sie von US-Botschaft und Behörden absichtlich auf die falschen Fährten gelenkt werden. „Der Schneider von Panama“ soll für einen britischen Agenten (Ex-James-Bond Pierce Brosnan) Informationen aus höchsten Kreisen beschaffen. „Die Akte“ nach dem Bestseller von John Grisham liefert zwei Stunden Hochspannung mit Julia Roberts als Jurastudentin, die sich durch eine Mordtheorie in Lebensgefahr bringt. „Der Manchurian Kandidat“ von 2004 zeigt die Verwicklung der USA in den Golfkrieg ähnlich kritisch wie Michael Moores Dokumentarfilm „Fahrenheit 9/11“. In Claude Chabrols „Geheime Staatsaffären“ glänzt Isabelle Huppert als Richterin in einem Fall der Veruntreuung und Zweckentfremdung von Staatsgeldern und die Machenschaften mächtiger Konzernbosse. „Der Schakal“ von Fred Zinnemann zeigt einen englischen Auftragskiller bei seiner minutiösen Planung zur Ermordung des französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle. Er ist den Geheimdiensten und der Polizei bis kurz vor Schluss immer einen Schritt voraus, aber schließlich verliert er doch das Spiel. In „Arlington Road“ verdächtigt ein verrückt erscheinender Geschichtsprofessor seinen Nachbarn als Terroristen und „Silkwood“ mit einer großartigen Meryl Streep thematisiert die Strahlenbelastung von Kernkraftwerken mit ihren Folgen besonders für die Mitarbeiter.

Die beiden Serien bieten eine exemplarische Auswahl über das spannende Genre des Thrillers bzw. Politthrillers. Dabei zahlt sich der Vorteil der DVD gegenüber Kino oder TV aus, denn viele Filme haben eine so verstrickte Handlung, dass es sich lohnt, sie mehrmals anzusehen. Die von erfahrenen SZ-Kinoredakteuren geschriebenen Begleittexte liefern ausführliche Informationen zur Entstehung und Rezeption der Filme und zu den Regisseuren. Die Auflösung der Fälle wird jedoch nicht verraten, um die Spannung zu erhalten. Beide Serien gibt es komplett mit Preisvorteil oder auch als Einzelfilme. Besonders bei den deutschen TV-Thrillern lohnt sich die Gesamtausgabe, denn es sind fast alles DVD-Premieren. Zu beziehen sind die DVDs über www.sz-shop.de oder im Fachhandel.

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