Zarte Parasiten auf DVD
2004 schlossen Christian Becker und Oliver Schwabe ihr Studium an der Kunsthochschule für Medien in Köln mit ihrem Debütfilm „Egoshooter“ ab. Mit einem einnehmenden Tom Schilling in der Hauptrolle erzählten sie darin von der Perspektivlosigkeit der Jugend unserer Zeit. Einen ähnlichen Ansatz wählten sie auch für ihren zweiten Spielfilm „Zarte Parasiten“, den sie abermals in Co-Regie inszenierten. Im Mittelpunkt des Films steht ein junges Paar, das einen ungewöhnlichen „Beruf“ ausübt. Jakob (Robert Stadlober) und Manu (Maja Schöne) verdienen ihr Geld damit, älteren Menschen zu geben, was diese brauchen: Zuneigung, Interesse und Wärme. Manu sorgt sich derzeit um eine bettlägerige alte Dame, leistet ihr Gesellschaft und versorgt deren Haushalt. Jakob ist bei seinen Recherchen auf Martin (Sylvester Groth) und Claudia (Corinna Kirchhoff) gestoßen, ein Ehepaar, das seinen Sohn verloren hat. Jakob zeigt insbesondere Interesse an Martin, in dem er einen Ersatzvater sieht und der seinerseits in Jakob den Sohn wieder entdeckt, den er auf so schmerzvolle Weise verloren hat. Dass Jakobs Interesse an seiner neuen Familie über den eigentlichen „Job“ hinausgeht, verursacht Probleme mit seiner Freundin Manu, die auch sonst zunehmend mit Komplikationen zu Recht kommen muss.
Becker und Schwabe haben aus einer bizarren Idee einen Spielfilm gezimmert, der nicht immer so rund funktioniert, wie das auf dem Papier vielleicht angedacht war. Jakob und Manu hausen in einem Versteck im Wald, das nicht weiter aufzufallen scheint; nur gelegentlich übernachten sie auch bei den Menschen, für die sie arbeiten. Wie diese Dienste im einzelnen aussehen, erfährt man als Zuschauer fast ausschließlich über die beiden aktuellen Projekte der beiden Protagonisten, lediglich ein erzürnter Discobesucher, der offensichtlich sexuelle Erwartungen an das Paar hatte, tritt noch aktiv in der Filmhandlung in Erscheinung. Schon allein daran lässt sich erkennen, wie konstruiert das Drehbuch ist, denn das Dilemma, dessen sich Jakob im Verlauf der Handlung ausgesetzt sieht, dürfte ein nur allzu bekannter Nebeneffekt bei den Jobs des Paares sein. Auch muss man so manche zusammengestückelte Wendung in der Dramaturgie hinnehmen, damit der im Drehbuch angedachte Verlauf funktioniert. Kann man hinsichtlich dieser Künstlichkeit der Ereignisse ein Auge zudrücken, schaffen es die beiden Filmemacher, nicht zuletzt auch dank der tatkräftigen Unterstützung durch ein überzeugendes Ensemble, den Zuschauer mit ihrem konstruierten Lebensentwurf durchaus in ihren Bann zu ziehen und eine zum Nachdenken anregende Geschichte zu präsentieren.
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