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Zwei DVD-Editionen mit preisgekrönten Dokumentarfilmen

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Zwei DVD-Editionen mit preisgekrönten Dokumentarfilmen

Dokumentarfilme führen unter den Filmgenres oft ein Schattendasein. Die meisten Kinos zeigen wegen der besseren Gewinnaussichten fast nur die üblichen Blockbuster aus Hollywood oder die neueste deutsche Komödie, und im Fernsehen werden Dokumentarfilme – wenn überhaupt – meist zu später Stunde auf Kultursendern gezeigt. Auch die großen DVD-Anbieter behandeln Dokumentationen leider meist stiefmütterlich. Dankenswerterweise hatten jetzt zwei große deutsche Verlage (KulturSPIEGEL und Süddeutsche Zeitung) den Mut, drei Serien mit preisgekrönten Dokumentarfilmen aus Vergangenheit und Gegenwart herauszubringen. Sie bieten eine breite Themenpalette und zeigen, wie spannend und zeitlos Dokumentarfilme sein können. Auch sie erzählen wie Spielfilme Geschichten, berühren jedoch durch ihren Wahrheitsgehalt mehr als fiktionale Filme. Sachkundige Kulturredakteure schrieben in den Hüllentexten wichtige Erläuterungen zu Inhalt, Entstehung und Rezeption der Filme.

Die Reihe der Süddeutschen Zeitung enthält je drei Filme zu den Themen Politik/Wirtschaft und Natur. Im bisher finanziell erfolgreichsten Dokumentarfilm „Roger & Me“ stellt der populäre Michael Moore auf seine bekannte realsatirische Art die unsozialen Praktiken des Autoriesen General Motors vor und ist dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Roger B. Smith ziemlich vergeblich für ein Interview auf den Fersen. Die Verelendung einer ganzen amerikanischen Stadt durch die Verlagerung eines GM-Werkes in ein Billiglohnland könnte aktueller nicht sein, wenn auch damals vor etwa 20 Jahren das Wort Globalisierung noch weitgehend unbekannt war. Auch in dem für sensible Gemüter eher ungeeigneten Film „Taxi to the Dark Side“ kommt die größte Demokratie der Welt nicht gerade gut weg. Er zeigt die Pervertierung der amerikanischen Ideale, indem er die brutale Behandlung bis zur Tötung eines unschuldigen afghanischen Taxifahrers durch amerikanische Soldaten vorführt. Seit der Steinzeit hat sich anscheinend in den Urinstinkten der Menschen nichts geändert, wenn sie ungehindert Macht auf Wehrlose ausüben und ihrem Frust freien Lauf geben können. Umso schlimmer ist dabei, dass es sich nicht um eine Hollywood-Fiktion mit einem bekannten Actionhelden handelt. Am Beispiel Bill Clintons zeigt der dritte Film „The War Room“ einen professionellen amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf bis ins letzte Detail. Im krassen Gegensatz zu diesen Filmen aus Politik und Wirtschaftsleben mit ihren harten Realitäten bieten die Naturfilme atemberaubend schöne Bilder zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Der legendäre Taucher Jacques Cousteau hat zusammen mit dem Regisseur Louis Malle mit „Die schweigende Welt“ den Grundstein seines Erfolges mit Tiefseefilmen gelegt. Sein Landsmann Jacques Perrin lässt den Zuschauer durch den Einsatz kamerabestückter ferngesteuerter Kleinflugzeuge mitten in den Schwärmen von Zugvögeln um die halbe Welt mitfliegen und Bernhard Grzimek und sein Sohn Michael haben mit dem Oscar-gekrönten Film „Serengeti darf nicht sterben“ die afrikanische Savanne mit Ihrer Fauna fesselnd dokumentiert und als eine der ersten emphatisch eine Lanze für den Naturschutz gebrochen.

Die Redaktion des größten deutschen Kulturmagazins KulturSPIEGEL hat eine Dokumentarfilmreihe mit zehn Beiträgen aus neuerer Zeit zusammengestellt. Die Themenpalette ist hier nicht so genau definiert wie bei den SZ-Serien, meist werden jedoch eher unerfreuliche Erscheinungen unserer Zeit mehr oder weniger drastisch vor Augen geführt. Es sind somit keine Filme zum Zurücklehnen und Entspannen, sondern zum Mitdenken und zur Selbstreflexion. Die meisten Filme dieser Reihe behandeln Themen aus der Wirtschaft, denn hier ist die Aussicht auf Skandale offenbar unbegrenzt. „Losers and Winners“ dokumentiert den Abbau einer Kokerei in Deutschland und deren Wiederaufbau durch chinesische Arbeiter in ihrer Heimat. Wie bei GM verlieren auch hier viele Arbeiter ihren Job. „Der große Ausverkauf“ nimmt sich des Themas der weltweiten Privatisierungswelle (Strom- und Wasserversorgung, Nahverkehr, Krankenhäuser) an. Auch hier soll das Gewinnwachstum auf eine inhumane Weise gesteigert werden. Raubtierkapitalismus auf amerikanische Art zeigt „American Dream“, indem die Konflikte zwischen Unternehmensleitung und Gewerkschaften wegen sozialer Kürzungen in einem großen Nahrungsmittelkonzern dargestellt werden. Die persönliche Gier und Bereicherungssucht von Managern gibt es nicht erst seit der Investmentbanker-Pleite: „Enron“ von 2005 ist ein packender realer Börsenkrimi bei einem amerikanischen Energieriesen, durch dessen Insolvenz 20.000 Mitarbeiter ihren Job verloren. Das Thema Nord-Süd-Konflikt behandelt kaum ein Film besser als „Darwins Alptraum“. Er zeigt auf einprägsame Weise die Ausbeutung der armen Länder in Afrika, durch die reichen Industrieländer. Weil deren Konsumenten gerne den Nilbarsch essen, wurde er in großen Mengen im ostafrikanischen Viktoriasee angesiedelt. Als Raubfisch rottete er jedoch den gesamten See aus und es verschwanden 400 Fischarten. Die Nahrungsgrundlage für die einheimische Bevölkerung verschwand. Außerdem gibt es eine weitere schreckliche Wahrheit. Riesige Frachtflugzeuge transportieren die Nilbarsche gen Norden und Waffen aus den Industrieländern nach Afrika. Somit kommt zu der ökologischen noch eine humanitäre Katastrophe. Viele Betroffene kommen zu Wort, die alle in den Skandal verwickelt sind: einheimische Fischer, Agenten der Weltbank, heimatlose Straßenkinder, afrikanische Minister, EU-Kommissare, tansanische Prostituierte und russische Piloten. Dazu gibt es wenig Kommentierung, der Zuschauer soll sich seine eigene Meinung bilden. Drei weitere Filme zeigen eher persönliche Schicksale ihrer Protagonisten. „Chrigu“ erzählt die Geschichte eines jungen Filmemachers, dessen Leben sich nach der Diagnose Krebs schlagartig ändert. In „Die Hochstapler“ erzählen vier Verurteile freimütig über ihre Taten, die sie hinter Gitter brachten und der Film „Die Spielwütigen“ beobachtet über sieben Jahre die Entwicklung von vier Berliner Schauspielstudenten, empfohlen je nach Sichtweise zur Nachahmung oder Abschreckung. Spannender als mancher Thriller ist der Film „Man on Wire“ von 2008. Bereits 1974 erregte das World Trade Center in New York weltweites Aufsehen, als dort ein waghalsiger Franzose zwischen den beiden Türmen in 500 Metern Höhe ohne Netz und Sicherheitsleine bis zur seiner Verhaftung einen Drahtseiltanz vollführte. Neben diesen eher ernsten und nachdenklich stimmenden Filmen gibt es auch noch einen in der Sammlung im satirischen Stil à la Michael Moore. In „Where in the World is Osama Bin Laden?“ ist Morgan Spurlock, der schon durch seinen Film über die gesundheitlichen Auswirkungen des Fast Food im Selbstversuch Aufsehen erregte, in einem realen Action-Thriller dem zur Zeit meistgesuchten Terroristen der Welt auf der Spur.

Je nach Geschmack kann man die beiden Serien komplett erwerben, was eine deutliche Preisersparnis bringt, oder aber man sucht sich nur die Filme aus, die einen interessieren. Glücklicherweise machen sich die beiden Serien keine Konkurrenz, sondern sie ergänzen sich in der Filmauswahl ideal.

Süddeutsche Zeitung Cinemathek Dokumentarfilm: Politik und Zeitgeschichte / Klassiker des Naturfilms; Preis pro Serie (3 DVDs) 29,90 Euro, beide Serien (6 DVDs) 59,80 Euro, Einzelfilme 12,90 Euro; Bestellung bei www.sz-shop.de, versandkostenfrei ab 30 Euro

KulturSPIEGEL Arthaus Dokumentarfilm: Gesamtedition (10 DVDs), Laufzeit ca. 947 Minuten; Gesamtpreis 89 Euro, Einzelpreis 9,99 Euro; Bestellung bei http://shop.spiegel.de, versandkostenfrei ab 20 Euro

Außerdem sind die DVDs über ihre ISBN-Nummern auch in jeder Buchhandlung erhältlich.

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