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Zwei neue „Tatort“-Boxen bei Icestorm Entertainment – 20 Klassiker aus den 1980er Jahren und die ersten 30 Folgen aus Münster

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Zwei neue „Tatort“-Boxen bei Icestorm Entertainment – 20 Klassiker aus den 1980er Jahren und die ersten 30 Folgen aus Münster

Tatort 80er JahreRechtzeitig zur 1000. Folge der beliebtesten deutschen Fernsehkrimireihe „Tatort“ begann das Berliner Medienunternehmen Icestorm Entertainment mit der DVD-Veröffentlichung einiger frühen Folgen. Es war ein Neubeginn, nachdem Disney nach einem vielversprechenden Start vor einigen Jahren sein „Tatort“-DVD-Projekt jäh abgebrochen hatte. Icestorm, auf Nischenprodukte wie Film- und Fernsehklassiker aus der DDR und anderen Ostblockstaaten spezialisiert, hatte bereits Erfahrung mit sämtlichen DFF-Folgen des „Polizeiruf 110“, die in Zusammenarbeit mit Studio Hamburg chronologisch erschienen. Mit dem „Tatort“, der von vielen Regionalsendern und in drei Staaten produziert wird, ist das wegen der vielen Anbieter und Lizenzen etwas komplizierter. Man entschied sich dafür, zunächst einmal die beliebtesten Klassiker in Jahrzehnte-Ausgaben herauszubringen. Parallel dazu erscheinen Boxen mit nahezu allen Fällen von beliebten Ermittlern wie Trimmel oder Schimanski. So geht das Medienunternehmen kein großes finanzielles Risiko ein, kann die Marktlage abschätzen und dann vielleicht einmal eines Tages auch Lücken mit weniger beliebten, aber deshalb nicht schlechteren Fällen füllen. Das wäre ein besonderes Anliegen der Sammler und echten Fans, denen die komplette Entwicklung der Krimireihe als Spiegelbild der bundesdeutschen Gesellschaft über die Jahrzehnte wichtiger ist als immer wieder dieselben wenigen Klassiker und ständig wiederholte neuere Folgen präsentiert zu bekommen. Wer die gern sehen möchte, hat davon ein kleines Angebot bei Icestorm, wo erstmals auf zwei Blu-ray Discs acht ausgewählte Folgen aus der Zeit von 2013 bis 2016 in HD-Qualität vereint sind.

Auch mit der dritten größeren Veröffentlichungswelle bleibt Icestorm dieser Marketing-Strategie treu. Kurz hintereinander erscheinen eine Box mit 20 Klassikern aus den 1980er Jahren und eine Box mit dem nach Zuschauerzahlen beliebtesten aktuellen Ermittlerteam aus Münster. Unter dem Titel „Thiel und Boerne ermitteln“ sind die ersten 30 Folgen von 2002 bis 2016 enthalten. Damit kommen sie bei weitem nicht an die WDR-Rekordhalter Ballauf und Schenk aus Köln heran, die seit 1997 schon über 70 Folgen auf eher konventionelle Art gemeinsam bestritten haben. Aber an Originalität und Wortwitz sind die Münster-Folgen, besonders in ihrer Anfangszeit, kaum zu übertreffen. Zweimal im Jahr ermitteln Kommissar und St.-Pauli-Fan Frank Thiel (Axel Pahl) mit seinem Vermieter und Wohnungsnachbarn, dem Gerichtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers), oft auf heitere bis satirische Art in der traditionsreichen westfälischen Universitätsstadt. Die Fälle in gehobenen Akademikerkreisen, Burschenschaften sowie auf Gestüten oder bei Blaublütern im Münsterland kommen mit ihrer treffsicheren Ironie in allen Gesellschaftsschichten bestens an und sorgen nach wie vor für höchste Einschaltquoten von meist über 10 Millionen. Dazu tragen auch die weiteren Darsteller bei, die zum festen Ensemble zählen: die kleinwüchsige Silke Haller (ChrisTine Urspruch), von ihrem opernliebenden Chef Boerne wenig schmeichelhaft „Alberich“ genannt, Thiels ehrgeizige Assistentin Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter), sein Vater Herbert Thiel (Claus Dieter Clausnitzer), der sich als Taxifahrer mehr schlecht als recht über Wasser halten kann, und die gestrenge Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechtild Großmann) mit ihrer verrauchten Bariton-Stimme. Während sich Boerne und Klemm der oberen Gesellschaftsschicht zugehörig fühlen, sieht sich Thiel eher als Vertreter des „kleinen Mannes“ mit geradlinigem gesunden Menschenverstand statt akademischer Bildung. Sein Hauptfortbewegungsmittel ist wie in Münster üblich das Fahrrad. Für weitere Wegstrecken lässt er sich in Boernes Nobelkarosse oder im alten Taxi seines Vaters chauffieren.

Die Sammler und Fans freuen sich natürlich über jede neue Veröffentlichung ihrer Fernsehlieblinge, auch wenn es bei den Neuveröffentlichungen immer wieder Redundanzen gibt. Das lässt sich leider nicht vermeiden. Denn die Labels möchten auch auf ihren wirtschaftlichen Nutzen achten und kein größeres Risiko eingehen, indem sie auch Fälle bringen, die sehr weit hinten in der Rangliste der Publikumsgunst stehen. Will man jedoch irgendwann einmal Vollständigkeit erreichen, sollten auch diese Folgen, gleich ob experimentell, unrealistisch oder mit Handkameras auf kostengünstigen Videobändern gedreht, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das betrifft vor allem Fälle vor der Jahrtausendwende oder aus Österreich und der Schweiz, wo es noch viele Lücken gibt. Denn das ist der große Vorteil dieses einzigartigen Sendeformats, dass es viele regionale Unterschiede und künstlerische Freiheiten ertragen kann, unabhängig vom Urteil der Kritiker, die nicht immer die gleich hohe Messlatte anlegen sollten.

Die 20 „Tatort“-Klassiker der 1980er Jahre sind auf 10 DVDs verteilt entweder in einer Gesamtbox mit 1.756 Minuten Laufzeit oder in drei Einzelboxen erhältlich. Sieben der Fälle sind bereits auf DVD erschienen, manche sogar mehrfach. Erfreulich ist, dass auch viele Folgen darunter sind, die bereits sehr lange nicht mehr im Fernsehen wiederholt wurden, darunter auch eine Trimmel-Episode, die in der Trimmel-Box nicht enthalten ist. Es gibt ein Wiedersehen mit vielen bekannten Kommissaren und ihren Assistenten, und natürlich unzähligen erstklassigen Schauspielern, die Täter und Zeugen verkörpern oder später selbst Ermittler im „Tatort“ werden. In die 1980er Jahre fällt das Ende des manchmal mürrischen Kommissars Paul Trimmel (Walter Richter) in Hamburg, der noch den Ersten Weltkrieg erlebt hat, und der Aufstieg des unkonventionellen Horst Schimanski in Duisburg, einem typischen Vertreter der Achtundsechziger-Generation, dargestellt von Götz George, der sich gerne mit den Ganoven prügelt, die meisten Stunts selbst spielt, und in kollegialer Freundschaft mit seinem Antipoden Christian Thanner (Eberhard Feik) verbunden ist. Gänzlich andere Typen sind Schimanskis Vorgänger im Ruhrgebiet, Frikadellenliebhaber Heinz Haferkamp (Hans-Jörg Felmy) in Essen, oder die vornehmen Edgar Brinkmann (Karl-Heinz von Hassel) in Frankfurt und Hans-Georg Bülow (Heinz Drache) in Berlin. In München ermitteln Oberinspektor Melchior Veigl (Gustl Bayrhammer), bekannt auch durch seinen Dackel Oswald, mit seinem Kollegen und Nachfolger Ludwig Lenz (Helmut Fischer). Klaus Löwitsch darf in einer „Eintagsfliege“-Folge als uniformierter Streifenpolizist Werner Rolfs während eines Bundesliga-Spieltags in Frankfurt auf Verbrecherjagd gehen. Hanne Wiegand (Karin Anselm), in Baden-Baden und anderen Orten des Südwestens im Einsatz, ist nach Marianne Buchmüller (Nicole Heesters) die zweite weibliche Ermittlerin der Reihe. Der äußerst beliebte Kommissar Paul Stoever (Manfred Krug) in Hamburg ist dreimal vertreten, in seinem ersten Fall „Haie vor Helgoland“ noch ohne seinen späteren Kollegen Peter Brockmöller (Charles Brauer). Horst Michael Neutze, der in anderen Rollen oft auch die Bösen verkörperte, ermittelt als Kommissar Georg Thomas Schreitle in Stuttgart, und der Lebenskünstler und Gourmet Max Palu (Jochen Senf) passt ideal in das frankophile Saarland.

Im Gegensatz zu den Disney-Veröffentlichungen gibt es bei Icestorm kein Bonusmaterial in Form von Dokumentationen, dafür aber interessante Booklets. Das mögen einige bedauern, aber bei weniger Spielzeit kann die Speicherkapazität des mittlerweile schon etwas in die Jahre gekommen Mediums DVD besser genutzt werden. Zwei Folgen pro DVD mit etwa drei Stunden Laufzeit in der Box aus den 1980er Jahren sind noch akzeptabel. Die damaligen Röhrenfernseher hatten bei weitem nicht die Auflösung wie die heutigen Flachbildschirme. Einige der alten Folgen wurden vom 4:3-Format ins 16:9-Format konvertiert, wodurch es oben und unten kleine Bildverluste gibt. Bei den Fällen aus Münster, die schon in die HD-Zeit hineinreichen, hat man sich auf eine Folge pro DVD beschränkt, was der Bildqualität zugutekommt. Wer möchte, kann die Folge „Erkläre Chimäre“ von 2015 in dieser DVD-Version mit der Blu-ray Disc aus der „Blockbuster“-Reihe vergleichen, und wird dabei keinen allzu großen Unterschied feststellen.

Die ersten 30 „Tatorte“ aus Münster erscheinen jetzt mit einer Gesamtlaufzeit von 2.644 Minuten erstmals in einer Box mit 30 DVDs oder aufgeteilt in drei Boxen mit jeweils 10 DVDs. Das ist vorteilhaft für Sammler, denn es sind bereits 13 von den früheren Folgen bei Disney auf DVD erschienen. Bei der großen Beliebtheit dieses Ermittlerteams und den vor allem kommerziellen Interessen eines Hollywood-Studios verwundert das nicht. Es bleibt zu hoffen, dass Icestorm etwas mehr im Sinne der „Tatort“-Fans und Spezialisten plant und in einer Mischkalkulation im Lauf der Zeit immer wieder Folgen einstreut, die in der Gunst des breiten Publikums nicht ganz vorne stehen. Denn in der Kunst sind die Geschmäcker sehr verschieden und Vergleiche immer lohnenswert. Es kann nicht nur Spitzenklasse geben. Auch Mozarts geniale Musik ist nicht in allen Werken auf dem gleich hohen Niveau. In diesem Sinne bleibt zu hoffen, dass die Lücken bei den „Tatort“-Veröffentlichungen allmählich weiter geschlossen werden. Dazu zählen etwa die Giftschrank-Folgen und viele Episoden, die fast noch nie wiederholt wurden. Bis jetzt sind insgesamt lediglich 217 unterschiedliche „Tatort“-Episoden auf kommerziellen DVDs erschienen, bei Icestorm, Disney und sechs Folgen des RBB in Eigenregie. Das sind nur etwa 20 Prozent aller bisher gesendeten Fälle, also etwa die Spitze eines Eisbergs. Vielleicht gelingt es dem Eissturm aus Berlin, auch noch die restlichen 80 Prozent ans Licht der Öffentlichkeit zu befördern.

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