Zwei Varianten einer Romanverfilmung: JOHAN / JUHA
JOHAN Ein Film von Mauritz Stiller (1921)
In limitierter Auflage gemeinsam mit der Neuverfilmung von Aki Kaurismäki (1999) JUHA
JOHAN: Der Film von Mauritz Stiller ist die erste von bisher vier filmischen Adaptationen des Romans Juha (1911) von Juhani Aho – einem modernen Klassiker der finnischen Literatur.
Der Bauer Johan heiratete, gegen den Willen seiner Mutter, die scheue Marit, die als Magd auf dem Hof arbeitet. Eines Tages taucht ein Fremder auf, der Marit früher schon Avancen gemacht hat. Marit wehrt sich zunächst gegen sein Liebeswerben. Doch schließlich gibt sie nach. Ihre Flucht führt sie über reißende Stromschnellen. Johan folgt seiner Frau, um sie dem vermeintlichen Entführer zu entreißen …
MUSIK: Die neue Musik zur restaurierten Fassung von JOHAN komponierte der russische Komponist Alexander Popov für Flöte, Klarinette/Bassklarinette, Horn, Trompete, Viola, Cello, Harfe, Klavier und Schlagzeug; eingespielt wurde sie vom ensemble KONTRASTE unter der Leitung von Frank Strobel.
REGIE: Mauritz Stiller wurde am 17. Juli 1883 in Helsinki geboren. In den Jahren von 1912 bis 1924 drehte er insgesamt mehr als 40 Filme, bei denen er als Autor oder Co-Autor zumeist auch das Drehbuch verantwortete, gelegentlich sogar als Schauspieler mitwirkte. Mit seinen Werken etablierte er sich neben Victor Sjöström als führender Vertreter der schwedischen Filmschule der 20er Jahre, des ›Goldenen Zeitalters‹ des schwedischen Films, das fast ein Jahrzehnt andauern und Schweden zu einer der innovativsten nationalen Kinematographien der Stummfilmzeit machte. Stiller gilt als Pionier einer Filmsprache, welche die genuin visuellen Mittel des Kinos nutzt. Sein Credo manifestiert sich in der Aussage, er würde jeden Film zweimal machen: einmal am Drehort, ein zweites Mal am Schneidetisch.
RESTAURIERUNG: Einem Feuer in der Svensk Filmindustri fielen 1941 sowohl das Originalnegativ als auch Kopien von Stillers Originalversion zum Opfer. Lange Zeit waren nur Fragmente von JOHAN bekannt. In den 1960er Jahren fand sich dann eine stark gekürzte Vorführkopie. Informationen zur Farbtönung waren in das Negativ eingekratzt. Die Cinemateket-Svenska Filminstitutet unternahm 1971 einen ersten Restaurierungsversuch, das Ergebnis war aber vorläufig nicht zufriedenstellend. Auf Initiative und mit finanzieller Unterstützung von ZDF/ARTE wurde eine neue Viragierung unternommen. 2001 fand eine Doppel-Premiere statt: die Uraufführung der neuen Filmmusik und die Präsentation der aktuellen Restaurierung von JOHAN, der nun in einer beeindruckenden zweifarbigen Virage (gelb-orange) vorliegt.
JUHA: Kaurismäkis Variante unterzieht den Plot, wie schon in seinen früheren Literaturadaptionen, einer zeitlichen Aktualisierung. In der Romanfassung spielt die Handlung nach der finnischen Hungersnot der Jahre 1867/68. Kaurismäki überträgt sie ins Finnland der 1950er Jahre. Nicht nur aus dieser Transformation ergibt sich ein äußerst eigenwilliges Spannungsfeld der Zeitbezüge: Kaurismäki realisiert im Jahr 1999 einen Film, der in den späten 1950ern spielt, sich aber der filmischen Konventionen der Stummfilmzeit der 1920er verschreibt.
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