Bud Spencer: Mein Leben, meine Filme – Die Autobiografie
An Bud Spencer dürften sich die Geister scheiden: Für die einen ist der dicke Neapolitaner mit der kräftigen Rechten und der nicht minder kräftigen Linken eine Popkulturikone sondergleichen, ein Held der Jugend, ein Garant für unbeschwerte Unterhaltung und ein wahrer Sympathieträger. Für die anderen ist er wohl schlichtweg eine überschätzte Charge, die ihre besten Zeiten längst hinter sich hat und nur noch durch die ständige Wiederholung der alten Filme im kollektiven Gedächtnis verankert bleibt. Wie dem auch sei, es dürfte auch den Indifferenten oder Bud-Spencer-Hassern schwer fallen, dem gemütlichen Bartträger mit den zusammengekniffenen Augen seinen Sympathiebonus abzusprechen, den dieser mit seiner herzensguten Art auf und vor der Leinwand über mehr als vier Jahrzehnte transportiert hat.
Mittlerweile ist Bud Spencer stolze 81 Jahre alt und hat wohl die Zeit gekommen gesehen, sein ereignisreiches Leben mal selbst Revue passieren zu lassen. Fanbücher über ihn und seinen bekannten Leinwandpartner Terence Hill hat es im Laufe der Jahre einige gegeben, auch wissenschaftliche Abhandlungen fielen darunter, die all jene Lügen straften, die das Duo lediglich als Radaubrüder abzustempeln versuchten. Bud Spencer und Terence Hill sind aus der Popkultur des 20. Jahrhunderts eigentlich gar nicht wegzudenken, insbesondere nicht in Deutschland, wo das Duo eine unglaubliche Popularität genoss und auch in seinen Solofilmen die Massen in die Kinos und vor die Fernsehschirme lockte. Den beiden zuzuschauen macht Spaß, auch noch aus der zeitlichen Distanz, wenn man sich ihre Meisterwerke aus den 70er Jahren heute wieder zu Gemüte führt. Und Spaß machen sollte deswegen wohl auch Bud Spencers Autobiografie, die der Charakterdarsteller mit Hilfe zweier Co-Autoren zu einer kurzweiligen und pfiffig geschriebenen Anekdotensammlung gemacht hat.
Bud Spencer beginnt seine Memoiren mit einem raffinierten fiktiven Dialog zwischen sich selbst, dem 80jährigen Autobiografen, und seinem 20jährigen jugendlichen Alter Ego, dem Schwimmmeister Carlo Pedersoli. So heißt der Italiener nämlich mit bürgerlichem Namen, und wenn man ihn nur aus seinen Film- und Fernseherfolgen kennt, dürfte es einigermaßen schwer fallen, in ihm auch den italienischen Meister im 100-Meter-Brustschwimmen zu sehen. Aber so trat Pedersoli anno 1943 erstmals ins Scheinwerferlicht. Dass es ihn nach seinen sportlichen Erfolgen irgendwann dann in die Filmindustrie verschlug, ist besonders für ihn selbst einer der größten Zufälle seines Lebens. Spencer wird nicht müde zu betonen, dass er kein Schauspieler ist, da er nie eine entsprechende Ausbildung genossen hat (im Gegensatz zu seinem Leinwandpartner Terence Hill), sondern eigentlich immer nur sich selbst vor der Kamera dargestellt hat. Den Kapiteln seines Buches hat er Zitate berühmter Dichter und Denker vorangestellt und diese einige Male recht wirkungsvoll mit eigenen Ansichten kontrastiert. Recht ausführlich geht er auf die Zeit vor dem internationalen Durchbruch ein und spickt seine Schilderungen mit klugen Anmerkungen zu seinem Heimatland Italien und den geschichtlichen Ereignissen jener Zeit. Die Jahre im Scheinwerferlicht handelt er dann etwas zu pflichtversessen im Schnelldurchlauf ab, hat für die meisten seiner über 70 Film- und Fernsehrollen nur ein paar kurze Anmerkungen parat, da er wohl glaubt, dass darüber schon reichlich geschrieben wurde. Seiner Freundschaft zu Terence Hill widmet er indes ein eigenes kurzes Kapitel, da es seiner Meinung nach wohl nur wenige Leinwandduos gibt, die sich im Laufe der Jahre nicht verkracht und wie er und Hill nach wie vor eine so harmonische Verbindung haben. Und das, obwohl sie kaum gegensätzlicher sein könnten, aber eben trotzdem Seelenverwandte sind. Wer Insiderinfos über andere legendäre Filmpartner oder Spencers bekannte Italo-Regisseure erwartet, dürfte vielleicht ein wenig enttäuscht werden, da er den meisten (abgesehen vielleicht von Enzo Barboni alias E.B. Clucher und Giuseppe Colizzi) nur einige wenige Nebensätze widmet. Stattdessen hat er die eine oder andere Anekdote zu den Dreharbeiten seiner Filme parat, berichtet von interessanten Begegnungen mit Jack Nicholson und Catherine Deneuve (der einzige Star übrigens, dem Spencer hier eine geschriebene Ohrfeige verpasst!) und nimmt sich durchweg selbst nicht allzu ernst. Dadurch ist dieser Erinnerungsband für Bud-Spencer-Fans eine lohnenswerte Lektüre geworden, die man mit Freude und Kurzweil hinunterschlingen kann. (Frank Brenner)
Buch: „Mein Leben, meine Filme – Die Autobiografie“ von Bud Spencer mit Lorenzo De Luca und David De Filippi, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag Berlin 2011, ISBN 978-3-86265-041-5
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