Dallas Mayr – Beutegier
Er nimmt kein Blatt vor den Mund und beschreibt schonungslos bis ins Detail. In den USA ist er vor allem unter Horrorfans schon länger bekannt und beliebt. Bereits sein erster Roman „Beutezeit“ sorgte 1981 wegen der Gewalt für einen Aufschrei bei den Sittenwächtern. Village Voice sprach sogar von Gewaltpornographie (was für eine verkaufsfördernde Werbung!). Die Rede ist von Autor Dallas Mayr, bzw. seinem Pseudonym Jack Ketchum, der sich solch illustrer Bewunderer wie Stephen King rühmen kann, wie dem Leser gleich auf dem Backcover des neu erschienenen Heyne-Taschenbuchs „Blutgier“ mitgeteilt wird.
Obwohl Ketchum keine Fortsetzungen mag, schrieb er mit seinem Buch „Beutegier“ ein Sequel zu „Beutezeit“ und kehrt damit zu den heimischen Kochtöpfen mit Menschenfleisch zurück.
Ein kleiner Rückblick für alle die „Beutezeit“ nicht kennen. Die Geschichte ist schnell erzählt. Eine Gruppe junger Wohlstandsbürger wird in einem Wochenendhaus von einer Horde außerhalb jeglicher Zivilisation stehender menschlicher Wesen angegriffen. Die Menschen als Beute betrachten. Es entwickelt sich ein Kampf zwischen Angreifern und Opfern, wobei sich die Anzahl der Kämpfer im Laufe der Geschichte auf beiden Seiten mehr und mehr dezimiert. Dem Grauen nicht genug werden die letzten beiden Opfer verschleppt, auch weil die Polizei in ihrer Behäbigkeit gefangen ist. Also Backwood-Horror vom Feinsten.
In „Beutegier“ sind nun elf Jahre vergangen, und Sheriff George Peters, bekannt aus dem Vorgänger, muss nun erneut die bissfreudige Bekanntschaft der verwilderten Kannibalen machen. Inzwischen ist Peters im Ruhestand, seine Frau ist gestorben, und der ehemalige Sheriff kann die traumatischen Bilder nur durch Alkohol ertragen. Da bittet ihn der neue Sheriff, Vic Manetti, in einem grausigen Doppelmord um Hilfe. Peters wähnt sich in einem Alptraum, als er die verstümmelten, angefressenen Leichen zweier Frauen sieht. Die Kannibalen sind zurückgekehrt und haben grausam zugeschlagen! Die Jagd beginnt von Neuem.
Jack Ketchum verknüpft auf den ersten Seiten sehr geschickt die beiden Teile miteinander. Doch im Grossen und Ganzen bietet der Roman, mit seinen knapp 280 Seiten, wieder das, was „Beutejagd“ schon bot: Kannibalen in Maine und eine Handvoll Menschen, die über sich hinauswachsen müssen. Dabei zeigt „Beutegier“ allerdings nicht diese gnaden- und hoffnungslose Kompromisslosigkeit, die den Vorgänger auszeichnete. Aber keine Panik, Fans des Vorgängers werden auch hier wieder Zeuge von den widerwärtigsten Methoden Menschen abzuschlachten, nur alles („Gott sei Dank“) eine Spur schwächer.
Fazit: Brutal, spannend und eine gut lesbare Handlung. Aber Vorsicht: Das Buch ist nichts für zart besaitete Gemüter!
Übrigens: Wer sich das Grauen nicht selbst vorstellen kann, der kann auch demnächst auf die Verfilmung zurückgreifen, die im Herbst auf DVD erscheinen soll, und der Trailer verspricht schon jetzt einen ultra-harten Horror-Trip. Auch die Vorgeschichte „Beutezeit” befindet sich bereits in der Vorproduktion, und soll ebenfalls noch dieses Jahr auf DVD erscheinen.
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