Die 50 besten Filmkomödien – und die DVDs, die Sie haben müssen
Ein Titel wie „Die 50 besten Filmkomödien“ macht natürlich zunächst einmal stutzig. Wer meint denn da, die Weisheit für sich gepachtet zu haben und allen Lesern mit Fug und Recht vorstellen zu können, was des Beste vom Witzigen aus über 100 Jahren Filmgeschichte sein soll? Aber es kann schnell Entwarnung gegeben werden, denn die beiden Autoren Michael Kohler und Sascha Westphal, von denen die Texte in diesem dünnen Bändchen im praktischen DVD-Format (passt also direkt mit den vorgestellten Empfehlungen ins DVD-Regal) stammen, haben die 50 Titel nicht nach dem eigenen Gutdünken ausgewählt. Versammelt sind auf den rund 80 Seiten jene 50 Filmkomödien, die sich nach dem Zusammenfassen, Aufaddieren und Auswerten von rund 60 Bestenlisten als die „Crème de la Crème“ erwiesen haben. Es ist also eine Art Meta-Liste, gespeist aus Umfragen von Filmmagazinen und Websites, aus Rankings von Fernsehsendern oder Filmdatenbanken wie denjenigen des American Film Institute oder der International MoviedataBase. Einen gewissen Anspruch auf Objektivität dürfte aus dieser Tatsache heraus dann sicherlich gegeben sein. Den größten Makel erkennen die Autoren schon selbst und formulieren diesen bereits in ihrem Vorwort: Durch die stark vom angloamerikanischen Raum dominierten Listen entsteht auch bei dieser Meta-Liste eine sehr starke Hollywood-Lastigkeit. Insbesondere europäische Komödienliebhaber werden deswegen Werke von Loriot oder Louis de Funès, von Fernandel oder Dieter Hallervorden vermissen. Selbst Zeichentrick- oder Animationsfilme sind keine dabei, was angesichts der jüngsten Meisterwerke von Pixar ebenfalls fast ein Affront ist, wobei hier wohl eher Genrezugehörigkeiten den Ausschlag für das Weglassen der Filme gegeben haben.
Wer also damit leben kann, dass fast alle empfohlenen Filme aus den USA stammen, wird sicherlich zugeben müssen, dass die Auswahl sich durchaus sehen lassen kann. Von 1923 bis 2006 reicht zeitlich die Spanne, man findet darin Arbeiten von Charlie Chaplin, Buster Keaton und den Marx-Brothers, Screwball Comedies und ein Beispiel für die britischen Ealing Studios, Jerry Lewis, Doris Day, Mel Brooks und Monty Python, Woody Allen, die Coen-Brüder, die Farrellys und sogar einige wenige nicht-englischsprachige Werke wie Jacques Tatis „Playtime“ oder Pedro Almodóvars „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“. Kohler und Westphal nutzen die Tatsache, dass es von den meisten Komödienstars nur ein Film in die Liste geschafft hat, um in ihren knappen Texten zu den Filmen dann eine filmhistorische Einordnung vorzunehmen, mit der die Relevanz der entsprechenden Personen dann auch über diesen einen repräsentativen Film hinaus gewürdigt wird. Die Texte, die ansprechend mit ein bis zwei charakteristischen Filmmotiven illustriert sind, lesen sich flott und bieten durchweg ein solides filmisches Hintergrundwissen. Auf die Inhalte der Filme wird jeweils nur kurz eingegangen. Dafür sind alle Einträge mit einer zusätzlichen kritischen Einschätzung bezüglich ihrer DVD-Auswertungen versehen. Hier werden international die lieferbaren Versionen miteinander verglichen, Tipps aufgrund der Bonusmaterialien oder der Preisgünstigkeit der Editionen gegeben, die einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert dieser Bestenliste darstellen. Abgerundet wird der Band mit zehn zusätzlichen Komödienempfehlungen der beiden Autoren, die unabhängig von der Metaliste nach persönlichem Geschmack getroffen wurden, und z.T. recht ungewöhnliche Filmtipps jenseits des üblichen Kanons darstellen.
Buch: „Die 50 besten Filmkomödien – und die DVDs, die Sie haben müssen“ von Michael Kohler/Sascha Westphal, Bertz+Fischer Verlag Berlin 2009, ISBN 978-3-86505-193-6
Ähnliche Beiträge:
Die 50 besten Filmkomödien – und die DVDs, die Sie haben müssen wurde bearbeitet von Frank Brenner • Permalink • Kommentar schreiben »













