Die melancholische Komödie
Komödie bedeutet eigentlich ein heiteres Stück mit glücklichem Ausgang. Dem ist schon lange nicht mehr so, sonst gäbe es nicht das Filmsubgenre Tragikomödie: Woher kommt eigentlich die Komik in der Komödie?
Die Komik der Komödie entsteht durch eine übertreibende Darstellung menschlicher Eigenarten und/oder gesellschaftlicher Untugenden, die den Zuschauer nicht nur unterhalten, sondern auch eines Besseren belehren will. Die Typenkomödie entlarvt mit ihren feststehenden Rollen die Unarten gesellschaftlicher Gruppen und Stände. Die Charakterkomödie übertreibt Schwächen des Einzelnen ins Unvernünftige, ohne sie nur zu verspotten. Die Situationskomödie zeigt den Menschen in Verhältnissen, deren Beherrschung ihm entgleitet, und seine lächerlichen Versuche, diese zu seinem Vorteil zu ordnen. Der Witz der Satire richtet sich auf Gesellschaftskritik, die Groteske zeigt eine gänzlich aus den Fugen geratene Welt. Die moderne Boulevardkomödie verzichtet auf das Belehrende und zielt nur noch auf das Amüsement des Zuschauers.
Filmkomödien tauchten bereits in der Zeit des Stummfilms auf, in der sie vorwiegend auf visuellen Humor bauten und daher die Slapstick-Elemente betonten. Prominente Schauspieler dieser Ära waren Charlie Chaplin, Harold Lloyd oder Buster Keaton. Als in den 1930er Jahren der Tonfilm den Stummfilm ablöste, wurde der Slapstick durch humorvolle Dialoge und Sprachwitz abgelöst. Mittlerweile existieren im Filmbereich etwa 20 verschiedene Komödienarten, angefangen von der Screwball-Comedy über die Actionkomödie bis hin zur Liebeskomödie oder Buddy-Comedy.
Autorin Katja Hettich konzentriert sich indes auf die abseitig melancholischen Komödien und charakterisiert sie minutiös: Sie listet Highlights dabei auf: Rushmore (1998), The Royal Tenenbaums (2001) und The Life Aquatic with Steve Zissou (2004) von Wes Anderson, Punch-Drunk Love (2003, Paul Thomas Anderson), Lost in Translation (2003, Sofia Coppola), Garden State (2005, Zach Braff), nach Drehbüchern von Charlie Kaufman Being John Malkovich (1999) und Adaptation. (2002) unter der Regie von Spike Jonze sowie Eternal Sunshine of the Spotless Mind (2004, Michel Gondry). Sie gehören zunehmend zum Pflichtprogramm cinephiler Kinofans und jener, die auf der Suche nach einem Sehvergnügen zwischen intellektuellem Anreiz und Unterhaltung, herzlichkeit und ironischem Witz in ihrer Videothek am Regal Der besondere Film hängen bleiben. Geradezu verschwörerisch schmeicheln sie sich bei ihren Zuschauern mit Anspielungen auf einen kollektiven Sozialisationshintergrund ein: Sie verständigen sich über Ikonografien und Zeichen aus gemeinsam erlebter Kinogeschichte und Popkultur, heißt es unter anderem in diesem wissenschaftlichen Werk.
Preis: 12.90 Euro, Verlag: Schüren Verlag 2008 Ausstattung/Bilder: 2008. 111 S. m. 30 SW- u. 40 Farbabb. Seitenzahl: 111 Deutsch
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