Filmbuch: Filmgenres Film noir
Das Kino füttert das Publikum mit vorwiegend festen Formaten, den Genres. Beim Genrekino wissen die Zuschauer, woran sie sind. Film noir heißt der Begriff für amerikanische Filme der 1940er?50er-Jahre, besonders für düstere, von einzelgängerischen Helden bestimmte Kriminalfilme, wie John Hustons „Der Malteserfalke“ von 1941. Signifikante Stilmittel sind gleißende Schattenspiele, starke Kontraste, durch schräge Linien geprägte (verfremdete) Takes und durch Dunkelheit und Regen verfinsterte Schauplätze. Fast alle Filmgenres arbeiten mit dieser Grundformel.
Der Autor, Professor Norbert Grob, versteht en Film noir nicht als abgeschlossenen Epochenstil, sondern als ein sich weiterentwickelndes Genre, ist vielleicht eine neue Sichtweise, aber eine für ihn überzeugende: Geschichten von Männern am Rande des Zusammenbruchs, deren Tun unweigerlich in Katastrophen, Fehltritten und Niederlagen endet, Erzählungen von einer Welt voller Bosheiten, Hinterhalte, Täuschungen und Intrigen, pessimistische, zynische oder nihilistische Sichtweisen auf diese Welt, das findet man im Kino seit den 20er Jahren, das beschränkt sich nicht auf die grossen Klassiker der 40er und 50er, es wird bis heute weiterentwickelt, in Filmen wie Miller’s Crossing, The Usual Suspects oder Memento.
Optisch zählen zu diesen Film noir-Merkmalen auch Kontraste und Schattenspiele, was z.B. durch Jalousien erzeugt wird. Weiterhin finden sich dominante Linien, die vertikal, horizontal oder diagonal durchs Bild verlaufen sowie ungewöhnliche Kamerapositionen und -perspektiven. Protagonisten werden von schräg unten gefilmt oder im Hintergrund, während vorne ein Objekt fokussiert ist. Mitunter finden sich auch Einstellungen, in denen sozusagen durch Objekte hindurch gefilmt wird. Der Film noir ist eine der kreativsten des Hollywood-Films, bis heute. Neue Regisseure wie Tarantino und die Coen-Brüder haben den klassischen Stil virtuos weiterentwickelt: zum Neo-Noir. Ein hochaktuelles Genre, in dem das US-Kino – nicht ohne Ironie – die geheimen Sehnsüchte und Ängste unserer Zeit reflektiert. Der Begriff „Film noir“ wurde von dem französischen Filmkritiker Nino Frank geprägt. In seinem 1946 erschienenen Artikel geht er auf amerikanische Filme der 40er-Jahre ein, die aufgrund eines Importverbots erst nach Kriegsende den Weg in die europäischen Kinos fanden. Darunter waren neben klassischen Hollywood-Filmen auch Frau ohne Gewissen (1944), Laura (1944), Leb wohl, Liebling (1944). In diesen Movies sah Frank die neue Filmart des Krimis. Eine, die grundsätzlich mehr Augenmerk auf die Charakterisierung der Figuren als auf die Handlung legte.
2008, 408 Seiten, Hrsg. : Norbert Grob, ‘Reclam Universal-Bibliothek’.
25 schw. -w. Abbildungen. Kartoniert. ISBN-10: 3150185521
9.00 Euro
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