Filmgenres – Melodram und Liebeskomödie
Manche Kritiker sehen Genrefilme als Transportmittel für eine bestimmte Ideologie und Institution, die jene Interessen einer Industrie oder Regierung gegenüber dem Zuseher glaubhaft macht, indem sie mit diesen Filmen Wünsche und Ideale verbreiten und als sogenannte „Projektions-flächen“ für angeblich eigene Wünsche agitieren. Was ist eigentlich ein Filmgenre?: Genre (franz.) bedeutet so viel wie “Art”, “Gattung” oder “Wesen”. Seit der Wiederentdeckung von Aristoteles im 16. und 17. Jahrhundert spielt der Begriff Genre in der Literaturwissenschaft eine sehr bedeutsame Rolle. Zu Beginn der Filmproduktion wurden Filme primär durch ihre Länge und durch ihr Thema identifiziert. Die frühe Filmgenre-Terminologie diente jedoch eher zur Verständigung zwischen Kinobesitzern und Filmverleihern.
Der kleine gelbe Band aus der bewährten Reclam-Reihe stellt zahlreiche filmische Meisterwerke aus den zwei Genres vor, denen die Liebe den Stoff liefert: aus dem Melodram, in dem es gilt, die Widerstände zu überwinden, die der Liebe im Weg sind, und aus der Liebeskomödie, in der es natürlich auch immer wieder zu Irrungen und Wirrungen kommt; die werden bisweilen mit Humor überwunden,. und natürlich Kult-Klassiker wie „Doktor Schiwago“ oder „Pretty Woman“ dürfen ebenso wenig fehlen.
Einige anschauliche Beispiele der im Band enthaltenen Besprechungen: Way Down East – Sunrise – Die Büchse der Pandora – Der blaue Engel – Es geschah in einer Nacht – Die Kameliendame – Eine Fresse zum Verlieben – Hafen im Nebel – Der Glöckner von Notre-Dame – Sturmhöhe – Vom Winde verweht – Casablanca – Die Kinder des Olymp – Flüchtige Begegnung – Bitterer Reis – Ehekrieg – African Queen – Ein Herz und eine Krone – Alle Herrlichkeit auf Erden – In den Wind geschrieben – Bonjour Tristesse – Die große Liebe meines Lebens – Die Zürcher Verlobung – Die Liebenden – Vertigo: Aus dem Reich der Toten, und viele mehr.
Im Ganzen sind Filmgenres sind bislang nicht präzise systematisiert worden. Dies auch wegen des Bedeutungswandels, den Filmgenres häufig im Laufe der Zeit durchgemacht haben. Aber auch deshalb, weil Genrebezeichnungen in verschiedenen kulturellen oder sprachlichen Zusammenhängen unterschiedlich verstanden werden können. So wird zum Beispiel im englischsprachigen Raum unter einem Filmdrama weitgehend ein Film verstanden, der sich durch eine ausgeprägte Darstellung einzelner Persönlichkeiten auszeichnet, während das Merkmal dieser Filmgattung nach dem Verständnis im deutschsprachigen Raum in einer Handlung im Sinne des klassischen Dramas oder in einem besonders erregenden bzw. tragischen Verlauf der Handlung besteht….
Verlag: Reclam, Ditzingen 2007 Ausstattung/Bilder: 2007. 435 S. m. 20 Abb. Seitenzahl: 435 . 9.80 Euro
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