„Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf! – Mein Leben“ von Volker Lechtenbrink
Die Meisten dürften bei dem Namen Volker Lechtenbrink an einen Sänger mit tiefer Stimme denken, der mit einer Art Sprechgesang mit Titeln wie „Ich mag“ oder „Irgendwann“ in den 1970er und 1980er Jahren in den Charts war. So erfolgreich und populär Lechtenbrink in dieser Phase seines Lebens auch gewesen sein mag, ihn allein auf diese Tätigkeit zu reduzieren würde allerdings viel zu sehr an der Oberfläche bleiben. Zumal diese Episode in künstlerischer Hinsicht auch sicherlich nicht die lohnenswerteste in seiner Karriere war. Bekannt geworden war der in Ostpreußen Geborene schlagartig als Fünfzehnjähriger, als er zusammen mit Fritz Wepper, Frank Glaubrecht, Folker Bohnet und anderen in einer der Hauptrollen des wegweisenden Antikriegsfilms „Die Brücke“ von Bernhard Wicki vor der Kamera gestanden hatte. Lechtenbrinks Talent für die Schauspielerei war schon damals offensichtlich, weswegen der junge Mann auch konsequent dieses Ziel, seinen Lebenstraum, verfolgte. Insbesondere auf den Theaterbühnen Deutschlands sollte er in den nächsten Jahrzehnten auf diese Weise noch von sich reden machen. Schnell fand er auch im Inszenieren eine weitere Berufung, stieg Ende der 1990er Jahre dann schließlich sogar zum Intendanten der Bad Hersfelder Festspiele auf. In den mehr als 50 Jahren seiner wechselvollen, aber stets spannenden Karriere hat Volker Lechtenbrink so allerhand erlebt. Deswegen verwundert es nicht, dass er nun seine Memoiren vorgelegt hat.
Hinter dem etwas sperrigen Titel „Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf!“ verbirgt sich eine sehr lesenswerte Lebensgeschichte, die nicht auf herkömmliche chronologische Weise abgehandelt wird, sondern sich eher in thematische Blöcke untergliedert, in denen der Autor Gelegenheit findet, Anekdoten zum Besten zu geben, in Erinnerung an Begegnungen mit anderen Prominenten zu schwelgen (die von Kris Kristofferson, Hildegard Knef und Peter Maffay bis hin zu Robert De Niro reichen) und auch sein Privatleben mit unverhohlener Ehrlichkeit zu beleuchten. Das ging nicht immer sehr reibungslos vonstatten. Viermal war der Künstler verheiratet, stellenweise alkoholabhängig; aber diese Schattenseiten des Ruhmes behandelt er in seinen Memoiren ebenso offen und schonungslos, wie die Erfolge und Höhepunkte seiner Karriere. Ohne jegliche Eitelkeit spricht er so über seine Schwächen und über die Stärken seiner Kollegen, deren Fehler er diskret verschweigt. Viel lieber ist er hier in seinen Schilderungen voll des Lobes und der Verehrung. Mit einem bemerkenswerten Gefühl für Sprache und Poetik hat er so einen Erinnerungsband geschaffen, den man gerne liest und der einen durchweg kurzweilig unterhält. Lechtenbrink macht keinen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber der heutigen Unterhaltungsszene und deren Kurzlebigkeit, und als einer der beständigsten und gefeiertsten Vertreter seiner Zunft über Jahrzehnte hinweg hat er sich diesen Blickwinkel auch aufs Redlichste verdient.
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