Senta Berger: “Ich habe ja gewußt, daß ich fliegen kann – Erinnerungen”
Seit einem knappen halben Jahr schon stehen Senta Bergers geschriebene Erinnerungen auf der deutschsprachigen Sachbuch-Bestsellerliste. Und das zu Recht! Wie nur wenigen Schauspielern ist es der Grande Dame in ihren Erinnerungen gelungen, eine bunte Sammlung an Anekdoten, Erzähltem und Erlebtem zusammenzutragen und das alles auch in einen literarisch anspruchsvollen Rahmen zu bringen. Ein Vergleich mit dem gleichermaßen schriftstellerisch begabten Mario Adorf drängt sich auf, der ebenso nachhaltig als Schauspieler, Rezitator und schließlich auch als Autor sein Talent unter Beweis gestellt hat.
Senta Berger, die mittlerweile seit fast fünfzig Jahren vor der Kamera steht, geht in einem Großteil ihres Buches dem Schicksal ihrer Großeltern und Eltern in der Ära des Alten Wien nach. Die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Österreich konnte mit viel Mühe ihren Wunsch durchsetzen, zunächst als Elevin am Max-Reinhardt-Seminar und schließlich als Filmdarstellerin zu reüssieren. Ihren mühevollen Anfangsjahren und ihrem kometenhaften Aufstieg auch im internationalen Film widmet sie dabei reichlich Platz, besonders den Filmen und Rollen bis einschließlich ins Jahr 1965 folgt sie weitgehend lückenlos. Immer wieder mußte sie sich in dieser Zeit vom Image der drallen Sexbombe lossagen und sich der Annäherungsversuche aufdringlicher Kollegen und Produzenten wie Richard Widmark, O.W. Fischer, Charlton Heston und Darryl F. Zanuck erwehren. Ihre langjährige private und berufliche Partnerschaft mit dem Regisseur Michael Verhoeven und ihr Verhältnis zu ihren nun ebenfalls als Schauspieler arbeitenden Söhnen Simon und Luca streift sie dabei nur periphär. Leider hat das Lektorat ziemlich schlampig gearbeitet, einige faktische Irrtümer und falsch geschriebene Namen wurden nicht korrigiert. Es gibt auch weder ein Rollenverzeichnis noch ein Personenregister. Da die jüngsten 20 Jahre in der Karriere Senta Bergers überhaupt keine Erwähnung finden, kann man auf einen zweiten Band mit Erinnerungen hoffen, bei dem dann hoffentlich auch die formalen Schnitzer ausgebügelt werden. FB
(Senta Berger: „Ich habe ja gewußt, daß ich fliegen kann – Erinnerungen“, 336 Seiten, Kiepenheuer & Witsch, EUR 19,90)
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