Sinnsuche: WEGE DES ZUFALLS – SPIELE DES SCHICKSALS
Zufall und Schicksal, Möglichkeit und Notwendigkeit, Kontingenz und Selbstbestimmung – es lässt sich sagen, dass diese Gegensätze prägende Themen des 20 Jahrhunderts waren, mit denen sich alle Disziplinen auseinanderzusetzen hatten: von der Betrachtung der Unschärfe in der Physik bis hin zur noch jungen Determinismusdebatte in den Neurowissenschaften. Aber gerade in Filmen wird der Zufall immer wieder aufgegriffen und in deren Entwürfe eingebunden haben. Dabei fällt auf, dass gerade der Spielfilm der letzten Jahre sich diesem Bereich in vielfältiger Weise angenommen hat: Von der „entweder-oder“-Frage, die sich die Protagonistin in Tom Tykwers „Lola rennt“ stellen muss, bis zum Zickzackmuster der sich zufällig Begegnenden in Robert Altmans „Short Cuts“.
Diese Arbeit versucht erstmals das Phänomen des Zufälligen im Film aufzugreifen, hermeneutisch zu analysieren und Antworten auf die Frage nach dem Interesse der Regisseure an diesem Gegenstand zu finden. Dabei spannt die Arbeit einen Bogen von frühen Annäherungen an den Themenkomplex im Kunstkino von Kieslowski und Resnais bis hin zu ganz neuen, meist kassenträchtigen Arbeiten von Julio Medem und Alejandro Iñárritu, welcher sehr nachhaltig durch seine mit „Babel“ abgeschlossene Trilogie nach dem Schicksal des Menschen in der heutigen Welt gefragt hat. Die Arbeit schließt deshalb mit einer Erweiterung der rein filmischen Betrachtungen durch theoretische Diskurse der Sozial- und Natur- wie Medienwissenschaften, die die Filme auch als Möglichkeit der Sinnsuche und der Neuabstimmung des menschlichen Selbstbildes anerkennen.
Florian Mundhenke: Wege des Zufalls, Spiele des Schicksals. Erscheinungsweisen des Zufälligen im zeitgenössischenn Film, Marburg (Schüren Verlag), 2008, 552 S., Pb., ISBN: 978-3-89472-628-7, 38,- € / 64,- sFr (UVP)
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