Stanley Kubrick und seine Filme
Stanley Kubrick, für die einen ein Größenwahnsinniger und tyrannischer Filmemacher, für die anderen ein Genie und Perfektionist. An diesem Band hebt der Rezensent den “konzentrierten, einheitlichen Blick auf den Regisseur und sein Werk” hervor. Der 1999 verstorbene Stanley Kubrick wurde durch Filme wie „2001: Odyssee im Weltraum“, „Clockwork Orange“, „Barry Lyndon“, „Shining“ und „Full Metal Jacket“ zum weltweit gefeierten Regisseur. Sein letzter Film „Eyes Wide Shut“ mit Tom Cruise und Nicole Kidman, der auf Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ basiert, sorgte einmal mehr für Schlagzeilen. Das vorliegende Buch gibt einen Überblick zum filmischen Schaffen des Regisseurs, enthält Essays zu den einzelnen Filmen sowie zahlreiche Fotos, eine Filmografie und eine Bibliografie. Kubricks Zynismus und sein tiefes Misstrauen gegenüber der Gesellschaft sind Gründe dafür, dass er sich immer wieder von der Außenwelt abkapselt. Dabei hat er alles im Blick: Bei der deutschen Premiere von “Uhrwerk Orange” verlangt er, dass im Kölner Theater am Rudolfplatz die Projektoren ausgewechselt werden. Er bestimmte Synchronregisseure und, behielt sich den letzten Cut am Film vor.
Typisch für Kubricks Filme sind die pessimistische Grundhaltung, die mit einem sehr hintergründigen Humor vermittelt wird, die intensive Bildsprache, der Einsatz von Musik und die langen Einstellungen. Viele Motive werden immer wieder aufgegriffen, beispielsweise die komplizierten Korridorfahrten durch die Schützengräben in Wege zum Ruhm bis zum psychedelischen Sternentor-Trip in 2001. Auch sein Faible für groteske Überzeichnungen zieht sich quer durch sein Werk, von der Parodie Dr. Seltsam bis zum Phallus-Mord in Clockwork Orange. Steven Spielberg sagte einmal über Stanley Kubrick: „Kubrick hat mehr als nur Filme gemacht. Er schuf völlig neue Seherfahrungen, die intensiver wurden, je öfter man seine Filme sah. Der Perfektionist Kubrick, der Szenen bis zu 50 Mal wiederholen ließ, wird von verschiedenen Seiten als kühl, absolut kontrolliert sowie als genial, aber schwierig beschrieben. Kirk Douglas, der als „Spartakus“ unter ihm litt, nannte ihn einen “talentierten Idioten”. Matthew Modine (Full Metal Jacket) gegenüber erklärte Kubrick seine Gewohnheit, Szenen oft wiederholen zu lassen, am Beispiel von Jack Nicholson: Der habe erst auf dem Set die Zeilen gelernt. Bei den ersten Takes habe man den gewohnten Jack Nicholson gekriegt, mit dem die meisten Regisseure zufrieden gewesen wären. Nach zehn oder fünfzehn Takes sei das Ganze schrecklich geworden.
ARTE EDITION/Schüren Verlag 2008
320 Seiten • Zahlreiche Abbildungen. 24.90 Euro
Stanley Kubrick und seine Filme wurde bearbeitet von Jean Lüdeke • Permalink • Kommentar schreiben »













