Stars und ihre deutschen Stimmen – Lexikon der Synchronsprecher
Noch vor einigen Jahren wurde nicht selten ein großes Geheimnis daraus gemacht, wer die Verantwortlichen hinter den deutschen Synchronfassungen von Kinofilmen und Fernsehserien sind. Man scheute die Öffentlichkeit, arbeitete gerne „im Dunkeln“, da der Synchronisation von Anbeginn an auch nicht gerade viele Sympathien entgegen gebracht wurden. Schon in den Kindertagen des Tonfilms, als man sich eine Methode ausdenken musste, ausländische Filme auch hierzulande für ein Publikum verständlich zu machen, war die Kritik an der Eindeutschung der Dialoge groß. Diese Ressentiments haben sich bis heute in gewissen Kreisen gehalten, wenngleich die Notwendigkeit der Erstellung von Synchronfassungen heute kaum mehr jemand in Zweifel zieht. Zu unbeliebt ist bei der breiten Masse die Alternative der Untertitelung, die wiederum große Nachteile wie die Zerstörung des Bildes mit sich bringt und mit starken Verknappungen arbeiten muss, während sie dennoch von den visuellen Eindrücken ablenkt.
Das Internet hat nicht unerheblich dazu beigetragen, dass das Ansehen von Synchronisationen und den Menschen, die diese insbesondere in Deutschland mit großer Hingabe, jahrzehntelanger Tradition und Erfahrung und dem weltbesten Können auf diesem Gebiet bewerkstelligen, stark gestiegen ist. In Foren tauscht man sich über die Synchronschaffenden aus, schließt Lücken bei der Katalogisierung von entsprechenden Arbeiten aus den vergangenen sieben Jahrzehnten. Als Thomas Bräutigam 2001 im Lexikon Imprint Verlag sein „Lexikon der Film- und Fernsehsynchronisation“ herausbrachte, war dies dann ein erster Versuch, akribisch gesammelte Daten und Fakten in einer gedruckten Form zu veröffentlichen. Diese Mammutaufgabe hatte der Autor bravourös gemeistert, wenngleich sich einige Fehler in sein Standardwerk eingeschlichen hatten. Nun liegt sein Buch in einer grundlegend überarbeiteten Version unter dem Titel „Stars und ihre deutschen Stimmen – Lexikon der Synchronsprecher“ im Schüren-Verlag vor. Die Schwerpunkte wurden nun anders gesetzt. Den Hauptteil von über 200 Seiten nehmen hier die Schauspieler ein, die hinter dem Mikrofon stehen, und deren Gesichter meist längst nicht so bekannt sind wie ihre Stimmen. 300 Kurzbiografien sind dabei zusammengekommen, dreimal so viele wie in der Erstauflage, und Bräutigam hat sich nun bemüht, neben den Klassikern aus der Goldenen Synchronphase der 1950-80er Jahre auch aktuelle Sprecher („Jim Carrey“ Stefan Fredrich, „Brad Pitt“ Tobias Meister oder „Natalie Portman“ Manja Doering um nur einige zu nennen) vorzustellen. In der anschließenden Übersicht werden dann bekannte Filme und Fernsehserien mit den wichtigsten Rollenbesetzungen vorgestellt – jener Teil hatte in der Erstauflage den größten des Buches ausgemacht. Hier hat man sich nun auf ausgewählte Titel beschränkt und diese auf rund 130 Seiten auch typografisch eher wie Lexikoneinträge aufbereitet. Doch Abstriche muss man deswegen auch hier nicht machen, denn auf der beigelegten Daten-CD befindet sich ein pdf-Dokument mit über 1000 Seiten an Besetzungslisten, die das Herz eines jeden Synchronfans höher schlagen lassen. Schade ist natürlich, dass man den Platz einer solchen CD ein wenig vergeudet und nicht gleich noch ein paar Hörbeispiele mit drauf gepackt hat. Aber das hatte vermutlich rechtliche Gründe. Insgesamt kann man aber mit Fug und Recht behaupten, dass Thomas Bräutigam mit seinem überarbeiteten Standardwerk zur deutschsprachigen Synchronszene erneut ein hervorragendes und höchst informatives Buch gelungen ist.
Buch: „Stars und ihre deutschen Stimmen – Lexikon der Synchronsprecher“ von Thomas Bräutigam, Schüren Verlag Marburg 2009, ISBN 978-3-89472-627-0
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