Tony Curtis: Vom Straßenjungen zum Hollywoodstar
Tony Curtis hat im aktuellen Filmgeschäft nichts mehr zu melden. Das ist nicht ungewöhnlich, denn schließlich ist der einstmals gefeierte Jungstar mit seinen 85 Jahren längst im Rentenalter. Dennoch wurmt es Curtis selbst, denn das Filmemachen war seit seiner frühesten Jugend sein größter Traum, wie er in seiner Autobiografie „Vom Straßenjungen zum Hollywoodstar“ verlauten lässt. Auch im hohen Alter wartet der als Bernard Schwartz geborene Jude ungarischer Abstammung also nach wie vor auf reizvolle Filmrollen. In der Zwischenzeit verbringt er seine Tage an der Seite seiner 5. Ehefrau Jill VandenBerg, kümmert sich um abgehalfterte Rennpferde oder widmet sich seiner zweiten großen Leidenschaft: der Malerei.
Auch wenn Hollywood mittlerweile anders aussieht als in den späten 40er Jahren, als der gut aussehende Ex-New Yorker mit der wilden Haarpracht, die später von Elvis Presley kopiert wurde, seine Karriere vor der Kamera begann, hat er heute noch so Manches zu berichten, was den Filmfan interessiert. Schließlich machte Tony Curtis im Laufe der Jahrzehnte einige illustre Bekanntschaften, die er in seinen Memoiren unterhaltsam Revue passieren lässt. Noch vor ihrem Durchbruch hatte er eine Affäre mit Marilyn Monroe; John F. Kennedy lernte er in dessen Amtszeit kennen; er war eng befreundet mit dem „Playboy“-Chef Hugh Hefner, mit Frank Sinatra oder dem Komiker Jerry Lewis. Zu den meisten seiner zahlreichen klassischen oder auch weniger bekannten Filmrollen von „Manche mögen’s heiß“ über „Spartacus“ bis hin zur Fernsehserie „Die 2“ hält Curtis eine Anekdote bereit. Nicht selten verliebte er sich während der Dreharbeiten in seine weiblichen Co-Stars, ungeachtet der Ehen, die er zeitgleich mit Kolleginnen wie Janet Leigh oder dem ehemaligen deutschen Kinderstar Christine Kaufmann führte. Genauso offen und ehrlich, wie er in seinem Buch über seine Seitensprünge und Liebschaften berichtet, genauso ungeschönt geht er mit den Flops und Tiefpunkten seiner Filmkarriere ins Gericht. Sein professioneller Abstieg setzte in der zweiten Hälfte der 70er Jahre ein und erreichte seinen Tiefpunkt in den 80ern, in denen Curtis’ Kokainkonsum die Abwärtsspirale weiter verstärkte. So manche Schilderung mag ein wenig indiskret erscheinen, zumal der Schauspieler auch seine Antipathien gegenüber diversen Kollegen nicht verschweigt, zum Sensationsbuch sind seine Erinnerungen dennoch nicht geworden. Vielmehr ist „Vom Straßenjungen zum Hollywoodstar“ eine altersweise Bilanz eines gefeierten Kinoidols, das die Vergänglichkeit des Ruhmes am eigenen Leib erfahren hat und seine Memoiren nun dazu nutzt, Fehler im Umgang mit seinen Kindern (u.a. Jamie Lee Curtis) zu entschuldigen und seine eigenen negativen Erfahrungen anderen als Warnung mit auf den Weg zu geben.
Buch: „Vom Straßenjungen zum Hollywoodstar“ von Tony Curtis mit Peter Golenbock, I.P. Verlag Jeske/Mader GbR Berlin 2010, ISBN 978-3-931624-65-1
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