Ufa in Farbe – Technik, Politik und Starkult zwischen 1936 und 1945
Ein wunderschön ausgestatteter band, in der die Macht und Magie, vor allem der manipulative Wahnsinn der bunten Bilder über eine dunkle Filmära der NS-Zeit fokussiert wird: Früh erkannte man die perfide Propaganda-Waffe Film: In den 1930er-Jahren kam nämlich mit dem Agfacolor – Konzern auch endlich Farbe in schwarzweiße Bilder. Das war eine tragische Tendenz, die gerade Goebbels und Co forderten und forcierten. Produktionen wie “Die Abenteuer des Robin Hood” oder “Vom Winde verweht” waren inm Großdeutschen reich in. Obgleich von der technischen Struktur her der wundersame Farbenzauber konträr geartet war als die vorreitenden US-Patente, erwies sich die teutonische Agfacolor-Version gegenüber Technicolor als durchaus konkurrenzfähig. Insgesamt 13 abendfüllende Farbwerke entstanden so zwischen 1939 und 1945, gekonnte Symbiosen von Unterhaltung- Schmonzetten, Melodram-Operetten, Ideologisches und Propagandistisches. So scheuten die ausgewiesenen Filmfreaks Adolf Hitler und sein gewitzter Propagandaminister Joseph Goebbels keine Kosten und Mühen. Bedenkt man nur, daß für den Historienschinken “Kolberg” mehrere tausend Soldaten von der Wehrmacht rekrutiert, vom Frontdienst abkommandiert wurden, um als beschauliche Statisten für die groß angelegten Schlachtenszenen in Reih und Glied zu stehen. Allein für die Kavallerieszenen setzte der bekannte Nazi-Filmer Veit Harlan mehr als 6000 Pferde ein. Die Universum Film AG, besser bekannt als „Ufa“, wurde 1917 mitten in den düsteren Zeiten des 1.Weltkrieg gegründet, damit Deutschland ebenfalls wie die ausländische Konkurrenz über eine eigene Filmproduktion verfügte. Während des Nazi-Regimes wurde sie von Partei und Staat, vor allem durch das Ministerium für Propaganda und Volksaufklärung, streng kontrolliert und dirigiert, zum Zwecke einer heilen Farbwelt projektiert, um von den rudimentären Gräueln des Krieges, auch noch in der desolaten Endphase, abzulenken. Kein Wunder also, dass sich viele damalige „Superstars“ auf Farbfotos verewigen ließen, die als Starporträts, Autogrammkarten oder Titelbilder für Illustrierte kräftig Kasse machten und das Volk gleichzeitig in trügerischer Laune hielten. Es sind poppige Relikte, die heuer eine Rarität sind. Die knapp 300 Seiten aus diesem Edelband stellen unzählige Beispiele vor, die jahrelang zusammengetragen wurden. Fazit: Eine profunde Anthologie des schön Schrecklichen.
Friedemann Beyer, Gert Koshofer, Michael Krüger
Ufa in Farbe
Technik, Politik und Starkult zwischen 1936 und 1945
Rolf Heyne Collection, München 2010
ISBN-10 3899104749
ISBN-13 9783899104745
Gebunden, 288 Seiten, 58,00 EU
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