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DigitalVD.de – Kino, Filme und Fakten

In Zukunft möchten wir Euch über Kino und alles, was damit zu tun hat, informieren. Die Zelluloid-Palette reicht vom Blockbuster über das Mainstream-Movie bis hin zur Arthaus-Produktion, jene kleinen Programmkino-Perlen, die allzu oft im filmischen Haifischbecken baden gehen müssen. Aber nicht nur das; wir versuchen Euch Tipps über Trends, über Stars und Sternchen zu geben und weisen auch auf Festivals, Events und ähnliche Ereignisse hin.

Film ist in seiner kleinen "Definition" einsehbar, aber doch unendlich gross in seiner Wirkung und Vielfalt. Keine Frage, über Kritik und Anregungen sind wir Euch natürlich mehr als dankbar.



Archiv Kategorie 'Dokumentation'

Sea Monsters 3D

Toll: Ein Delfin-affines Reptil namens Dolichorynchops führt den sprachlosen Betrachter durch die Ozeane der Kreidezeit, wie ein Romancier den ergriffenen Leser durch sein Buch. Dort jagen phantastisch animierte und gigantische Räuber wie Cretoxyrhina, ein Vorläufer des Weißen Hais, oder der über 11 Meter lange Tylosaurus, der so etwas wie der gefürchtete Tyrannosaurus Rex der Otzeane war, die schwächeren Glieder der rauen Untiefen-Natur. Und Paläontologen sind heuer glücklich in der Lage, diese bizarren Kreaturen anhand weniger Knochen-Funde zu analysieren, zu rekonstruieren und zu visualisieren. CGI macht es brillierend möglich. Was für unsere Eltern Jules Verne war, mit seinen Pappmache-Monstern in den Trips zum Mittelpunkt der Erde, sind nun futuristische Elektronik-Projektionen der längst vergessenen Welten.

Nach dem wuchtigen „Dinosaurier 3D – Giganten Patagoniens“ geht National Geographic’s auf Tauchstation im Urmeer und fördert eine surreale Unterwasserflora zu Tage, die einem das harte und gefährliche Leben der Saurier erneut dreidimensional vor die Augen haut.  Der perfekte Infotainment-Film revitalisiert die schrillen Meeresbewohner, deren Fossilien bei paläontologischen Ausgrabungen rund um den Globus ausgegraben wurden. Neben anderen urzeitlichen Hinweisen Beweisen dieser außergewöhnlichen Zeit identifizierten Wissenschaftler in Kansas auch ein Skelett des Dolichorhynchops, dem putzigen „Star“ des Films.

Episoden, die aufzeigen, wie es vor 80 Millionen Jahren in den Weltmeeren ausgesehen haben könnte, beeindrucken und amüsieren zugleich, sind derart realistisch , höchst beeindruckend und dank eben dieser sehr ausgereiften CGI-Technik auch allzu realistisch bebildert. Profi Sean MacLeod Phillips, der bereits die 3D-Titel zu „Jaws 3D“ kreierte und sich als Kameramann von „Wild Safari 3D“ und ähnlichen Projekten für die Regie von „Sea Monsters“ bestens empfahl, beschränkt sich nur auf einige Lebewesen. Klar, dieser postmoderne „Naturfilm“, in dessen US-Original Liev Schreiber („Der Manchurian Kandidat“) als Kommentator auftritt, und kein Geringerer als Peter Gabriel an der Musik mitgewerkelt hat, wird nur in ausgewählten Lichtspielhäusern (Cinemagnum, Imax und andere digitale 3D-Kinos) in seiner überbordenden Pracht zu bestaunen sein.

Übrigens: Die ganze 3D-Geschichte kam so richtig ins Rollen anfangs der 50er Jahre, als das Fernsehen dem Kino immer mehr Zuschauer abspenstig machte. 3D-Filme konnte das Fernsehen in der schwarz/weiss-Zeit nicht zeigen. Man brauchte ja mindestens rot/grün. Aber dann kam das Farbfernsehen und somit die potentielle Möglichkeit auch 3D-Filme zu zeigen Es gibt keine Möglichkeit, mit vertretbarem Aufwand zwei getrennte Bilder (die man ja braucht) gleichzeitig auf eine Leinwand zu bringen, ohne das der Zuschauer eine Brille tragen muß…

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KÖNIGREICH ARKTIS

Nordpol in Not: Eine bärig berührende Filmdokumentation über die schmelzenden Schrecken des Klimawandels

Fressen und gefressen werden sind beileibe nicht die einzigen Gefahren in der Kälte nördlich des 66. Breitengrades: Es ist die alles bedrohende Bestie Mensch. Adam Ravetch und Sarah Robertson erforschten das Aufwachsen des Eisbär-Mädchens „Nanu“ und des Walrosses „Seela“ im nordischen Eis. Sie erlernen den Umgang mit einer neuen tödlichen Gefahr: dem Klimawandel. Konzentriert verbindet diese engagierte und couragierte Hommage an die Artenvielfalt seine grandiosen und zu Tränen rührenden Tier-Tableaus mit der tragischen Bestandaufnahme einer stetig schleichenden Umweltkatastrophe.

Auf dezente, einfühlsame, bisweilen allzu menschelnde Manier lernt der Betrachter den bedrohten Lebensraum der Eisbären und Walrösser kennen. Denn der menschlich kreierte Klimawandel zerstört die Lebensgrundlagen vieler Lebewesen. Um diese Fehler aufzuhalten, muß sich unser Verhalten ändern. Der heißgeliebte Eisbär ist dabei zum („Knut“)-Symbol des globalen Klimawandels geworden.

Wie lange darf der Mensch derart bombastische Bilder in natura noch erleben? Das Walross lernt das Fischen, das Spiel unter Wasser und den Schutz der Gruppe. Seela hingegen paukt das Jagen von Robben. Wir sehen die Angst vor männlichen Eisbären und den unberechenbaren Eisstürmen. Doch niemand kann die animalischen Stars auf die sich drastisch veränderten Bedingungen ihres Lebensraumes vorbereiten. Bedenklich sinken die die Temperaturen nicht mehr so tief, daß ausreichend festes Eis im Winter entstehen kann.

Die über 15-jährige selbstlose Arbeit, die das Ehepaar Adam Revetch und Sarah Robertson an der lehrreichen Produktion von National Geographic Films aufgewendet hat, sieht man dem gerade für Kinder und Heranwachsenden wichtigen Film sofort an. Unterstützt wurden die beiden von einem aus renommierten Tier- und Dokumentarfilmern bestehenden Produktionsteam, z.B. der Autorin Linda Woolverton („Die Schöne und das Biest“) sowie Mose Richards, der zwei Jahrzehnte lang mit dem Meeresforscher und Unterwasser-Papst Jacques Cousteau tauchte. Sehr nah wagte sich das Team an die seltenen Tiere heran, um bislang nie Gesehenes in bewegende Bilder zu bannen. Möwen segeln über bizarre Eisberge, Beluga-Wale zerpflügen das Meer, Eisbärenjunge purzeln ins Naß, eine Walrossmama hält ihr Neugeborenes fast zart in den Flossen. Dafür tauchten die Naturfilmer in minus 1,8 Grad kaltem Wasser unter der Eisdecke, trotzten Blizzards, hatten wochenlang kein festes Zuhause. Die Tiere hingegen werden voraussichtlich 2040 überhaupt kein Zuhause mehr haben….

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Goldene Hände – Die Geschichte des Dresdner Rathausmannes

Dieser beschauliche Dokufilm ist eine Art Huldigung an jene Handwerker, die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes berührbar machen. Das meinen jedenfalls die beiden Dresdner Filmemacher Bettina Wobst und Stefan Urlaß. Zwei Jahre haben sie penibel und exakt die aufwändige Restaurierung des Goldenen Rathaus-Heroen mit der Kamera verfolgt. Der schwere Mann ist nun endlich ist zurück in der Kunstmetropole. Jetzt steht er felsenfest restauriert und frisch vergoldet auf einem Podest neben der Trümmerfrau auf dem Rathausplatz. 2006 wurde er von der Werkstatt in Berlin nach Dresden gebracht und  aufgerichtet, auf ein Podest gestellt, der Kopf montiert und die Rückenklappe geschlossen.

In den Rücken des Mannes wurde nämlich eine Schatulle platziert. Der Erste Bürgermeister Dr. Lutz Vogel, der Leiter des Stadtarchivs Thomas Kübler und der Intendant des Stadtjubiläums 2006 Dr. Werner Barlmeyer füllten sie mit Dokumenten: aktuellen Zahlmünzen, vier Tageszeitungen, einer silbernen Medaille der Landeshauptstadt Dresden zur 800-Jahr-Feier, einem Bericht und 20 Fotos von der Restaurierung. Auch Kopien der historischen Dokumente, die beim Herunterheben der Turmfigur im August 2004 ans Tageslicht kamen, fanden in der neuen Schatulle Platz. Der Rathausmann erhielt fünf Farbanstriche, bevor er endlich veredelt wurde. Die Vergolder aus Regensburg und Berlin verarbeiteten rund 500 Gramm doppelt starkes Blattgold 23 ¾ Karat.

Die Dokumentation zeigt bislang unveröffentlichte Fotos und lässt Zeitzeugen zu Wort kommen, die den legendären Kraftakrobaten noch selbst auf der Bühne erlebten. Parallel verfolgte das Filmteam die mühevolle Restaurierung des goldenen Mannes in Berlin. Entstanden ist ein rund 80-minütiger Dokumentarfilm, der sich auch die Zeit nimmt für Beobachtungen am Rande und für kleine und große Geschichten rund um den beliebten großen und goldenen Herkules. Auf der Spitze des Rathausturmes ist seit dem 12. April 1908 der Goldene Rathausmann, eine Plastik des Dresdner Bildhauers Richard Guhr zu sehen. Der aus Kupfer bestehende bärtige Mann mit Mauerkrone auf dem Haupt symbolisiert den Schutzpatron Herkules. Er weist mit seinem rechten Arm über die Stadt und gießt mit seinem linken Arm ein Füllhorn über diese aus. Die Figur ist 4,90 m groß, 1.750 kg schwer und mit 100 g Blattgold überzogen. Der Arm misst 2,10 m. Wegen der Haltung des rechten Armes, die an den Hitler-Gruß erinnert, gab es nach dem Krieg einige, allerdings erfolglose Diskussionen darüber, ob man den Rathausmann an seinem Platz belassen könne. Im Jahr 1963 wurde die Skulptur am Standort restauriert. Aufgrund eines bedenklichen baulichen Zustandes nahm man den Rathausmann 2004 für das Tun Up vom Rathausturm herunter.

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Hamburger Lektionen

Ein glühend heißes Film-Eisen: Auf der Berlinale 2006 wurde “Hamburger Lektionen” des deutsch-französischen Regisseurs Romuald Karmakar uraufgeführt. Darin deklamiert der bekannte Schauspieler und Sprecher Manfred Zapatka die Reden des Imam Mohammed Fazazi. Auch einige der Attentäter vom 11. September 2001 hörten regelmäßig Fazazis „Offen-barungen“. Obwohl die beiden Lektionen schon vor sechs Jahren gehalten wurden, finden sich darin frappierende Aussagen, die nicht nur vor dem Hintergrund sporadischer Islamisierung und vereitelter Terroranschläge eine erschreckende Aktualität angenommen haben; ist die Anschlags-Angst doch längst von Amerika nach Europa rübergespült: Ende der 90er Jahre wurde Mohammed Fazazi Imam der Al-Quds-Moschee in Hamburg. Im Januar 2000, in den letzten Tagen des Fastenmonats Ra-madan, hielt er im Gebetsraum der Moschee mehrere sogenannte „Lektio-nen“, bei denen die Anwesenden Fragen zu verschiedenen Aspekten des Lebens stellen konnten, die sie in der Regel schriftlich vorlegen mußten. Diese Sitzungen wurden von einer unbekannten Person auf Video aufge-nommen und in der Buchhandlung der Moschee, aber auch extern ediert. Als am 11. September 2001 Selbstmordpiloten die Flugzeuge in das World Trade Center und das Pentagon lenkten und damit die ganze Welt in einen Schockzustand versetzten, wußte keiner von der eindeutigen und verheerenden Spur auch nach Deutschland; denn drei der Attentäter standen in engem Kontakt zu Mohammed Fazazi. “Hamburger Lektionen” widmet sich diesen „Predigten“ und analysiert dabei die ideologische Rechtfertigung eines militanten Islams.

Mit „Das Himmler Projekt“, seinem Film über eine dreieinhalbstündige Rede Heinrich Himmlers („eines der schrecklichsten Zeugnisse deutscher Sprache”, so der Historiker Joachim C. Fest) hatte Karmakar schon 2000 die filmische Vergegenwärtigung der „Posener Rede“ Heinrich Himmlers aus dem Jahre 1943 eine derartige „Inspektion“ radikalen Denkens ge-wagt. Der Ausnahme-Regisseur („Der Totmacher“) läßt Manfred Zapatka zwei Predigten des Imam Fazazi in deutscher Übersetzung vorlesen: Der sitzt auf einem Stuhl, zwei Tischchen neben sich, vor neutralem Hinter-grund. Aus Zapatkas Mund fließen mit sonorer, cremiger Stimme fremde Worte, die er sich nie aneignet hat: Er stellt sie nicht dar, er spricht sie lediglich aus.

Sehr sorgfältig wurde der vorgelesene Text dabei übersetzt, immer wieder unterbrochen durch Erläuterungen von Begriffen, diese religiösen Termini Technici sind und auch im arabischen Original genannt werden: „Bidaa“ („Reform“), als Abweichung vom Koran und der „Sunna“ sind grundsätz-lich verachtenswert. Oder „Halal“, das heißt „erlaubt“. So ist auch zu hören: „Allein der Prophet und seine Gefährten sowie die drei folgenden Generationen der Muslime haben gläubig und rein gelebt…“

Ein profunder und zweistündiger, statischer Film mit nur einem Inter-preten, der nicht vom Platz weicht und bis auf ein paar dezente Blicke in die Kamera stets vom Blatt liest, das überfordert teilweise übermäßig die Geduld, vor allem jedoch die kontinuierliche Aufmerksamkeit und ausge-sprochenes Interesse am Thema. Daß immenses Interesse allerdings existiert, davon zeugte nicht nur der bis auf den letzten Platz besetzte große Premierensaal auf der Berlinale.

Der Bedeutung des Wortes im Film entsprechend, nahm die Übersetzung des arabischen Videos mit 4 Monaten den größten Teil der Vorbereitung in Anspruch. Gleich vier Übersetzer waren damit beschäftigt, diverse arabi-schen Dialekte und die zum Teil schlechte Qualität des Originaldokuments in ein verständliches Deutsch zu übertragen. Der Aufbau des Filmes folgt dabei der Struktur der „Vorlesungen“: Beginnend mit Fragen zum Allge-meinen und zur Familie, werden im Mittelteil Kriterien des Glaubens, bzw. Unglaubens fokussiert, bevor zum Ende des Films das Verhältnis gläubiger Muslime individuelle und kollektiv zum Westen im Stile eines Hasspredi-gers erläutert und gewertet wird. Großen Raum nimmt dabei die Deutung und Interpretation alter Koranverse auf moderne Lebensverhältnisse der westlichen Welt ein. Ausführlich wird erörtert, unter welchen Konditionen zum Beispiel eine muslimische Frau allein reisen, oder Kontakte mit Ungläubigen aufnehmen darf. Kein Zweifel: Die mit der Übersetzung dieser beiden Predigten möglich gewordene, brandaktuelle Debatte mit dem sonst für die deutsche Öffentlichkeit nicht zugänglichen Bereich des islamitischen Glaubens und Weltbildes, stellt zweifelsohne die lobenswer-teste Leistung dieser filmischen Schwerkost dar.

Fazazi schmort inzwischen im marokkanischen Gefängnis wegen des prägenden Einflusses und anderer Untaten wegen: Nach den Anschlägen in Casablanca im Mai 2003 wurde der Hassprediger verdächtigt, die vierzehn Selbstmordattentäter „inspiriert“ zu haben. Einen Monat später wird er vor einem marokkanischen Gericht als „Theoretiker“ der Gruppie-rung „Salafyia Jihadia“, der „Anstiftung zum Mord und Teilnahme an der Planung terroristischer Akte“ beschuldigt und zu 30 Jahren Haft verur-teilt. In Deutschland gab es hingegen nie auch die Spur einer Ermittlung…

Brisant: Eingeblendet werden auch immer wieder die Reaktionen des in der Zapatka-Lektion natürlich nicht nachgestellten Publikums wie Geläch-ter: Das Einverständnis beweist sich so, gut nachvollziehbar, auch und erst recht im nicht Gesagten, zumal der „Humor“ der Fundamentalisten die „Freiheit“ initiiert, Andersdenkende einfach zu töten: „Es sind ja weniger die Leute, die bei Schäuble am Tisch sitzen, die uns Angst ma-chen, sondern es sind bestimmte radikale und gewaltbereite Menschen, mit denen man sich auseinandersetzen muß“, bekräftigte Karmakar. Fest steht: Die Realität suchte und sucht die mondiale Dissonanz, der Film aber wenigstens den minimalen Dialog.

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Gespräche mit Gott

gespraeche mit gott.thumbnail Gespräche mit GottMit Gotteshilfe aus der gnadenlosen Gosse? Laut Buchautor Neale Donald Walsch soll Gottes mächtigster Moment soll der Augenblick sein, in dem verzweifelte Menschen erkennen, daß sie keinen Gott benötigen; oder etwa doch? Der Erfolgsautor definiert den Gott aller Religionen auf eine neue, vor allem dichotomische Art und Weise.

Regisseur Stephen Simon, verantwortlich für das herzzerreißende Drama „Hinter dem Horizont“ mit Robin Williams, der seine verstorbene Frau im Reich der Toten sucht, bebildert dieses esoterisch verbrämte Werk als „wahre Geschichte“ des Autors, der durch sämtliche Netze sozialer Sicherheit in den desozialen Keller knallte. Es ist eine Geschichte seiner Romanfigur, eben seine Biographie und seiner abgrundtiefen Lebens-Katastrophen. Die Vorlage erschien in unzähligen Buchbänden und wurde zum Bestseller. In 35 Sprachen übersetzt ging diese Bestandaufnahme der Religion mehr als sieben Millionen Male über die Ladentheken:

Nach einem Autounfall, bei dem er sich auch noch fatalerweise eine Fraktur des Halswirbels einfängt, verliert Journalist und Verleger Neale Donald Walsch (professionell dargestellt von Hernry Czerny) Gesundheit Familie, Job und Haus. Einfach alles, was Leben „ausmacht“. Sein spärliches Hab und Gut findet in einer einzigen Reisetasche Platz. Es folgen die Stationen seiner Demontage und Anamnese: „Wohnen“ auf dem Campingplatz und im Obdachlosenheim, Miete zahlen mit gesammeltem Pfandgut; eben so, wir es auch hierzulande als deutsches Pendant immer mehr häufiger bei verarmten Rentnern in Deutschland bestaunen können…

Schließlich kommt der Tag, da ernährt sich Neale aus der Mülltonne. Trotzdem bewirbt er sich bei einem Radiosender als DJ und bekommt tatsächlich den Job. Aber just, als ein kleines Licht im langen Tunnel aufflackert, bankrottiert der Sender und Walsch landet wieder auf der Straße. Seinem Naturell entsprechend, einer nicht näher definierten Schreibwut, macht er sich in nie abgeschickten Briefen wieder wütend Luft, droht er doch wieder im sozialen Marianengraben zu versinken. Nun wendet er sich an Gott, bittet um Hilfe, bitter und böse, verzweifelt und verlassen. Es sind jedoch diesmal Schreiben, die in der Tat beantwortet werden…

Dieses spirituell angehauchte und visionär verbrämte Biopic-Drama erinnert entfernt an „Das Streben nach Glück“ mit Will Smith und dem wissen-schaftlich getunten „What The Bleep Do We Know?“. Bisweilen aber geschieht das hier in einem verkitschten Timbre; zuviel kitschige Erleuchtung, zu wenig faktische Realität. Die Zwiesprache mit Gott ist mit Sicherheit dann keine exakte Darstellung seiner leidlichen Minimalexistenz, zumal der Film schlechthin nur auszugsweise erhellende Einblicke liefern kann. So bekommt man auch nichts vom „Vorher“ in Walschs` Vita zu sehen. Dieser elliptische Modus (..weniger ist mehr…) verstärkt natürlich böse Ahnungen und Vorstellungen seines einstigen normalen Lebens umso intensiver. Ein gewisses maß an Vorkenntnissen sollte mit in den Kinosaal genommen werden, weil es weniger um Inhalte, als vielmehr um die neuen „Entdeckungsformen“ geht. Gottlob erscheint der liebe Gott diesmal nicht mit schulterlangen Haaren und Vollbart in markanter Physiognomie, sondern als mystifizierte „Stimme“.

Die geschriebene Stimme indes hat sich für Walsch finanziell allemal gelohnt, geht es doch vorgeblich um eine „neue“ Spiritualität. Dabei fungiert Gott abermals als Krisenhelfer, wie immer, wenn es einem schlecht geh, denn vorher vergißt man ihn ja allzu gerne…

Falls es –wie so oft- zu spät werden sollte, bietet Walsch zudem Lebenshilfe: Gemeinsam mit seiner Frau initiierte er ein „Zentrum der Besinnung und Selbstfindung“ in Oregon, und reist munter durch die Welt, um Vorträge und Workshops abzuhalten.

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Bärige Bilder aus klirrender Kälte – Königreich Arktis

koenigreich arktis.thumbnail Bärige Bilder aus klirrender Kälte   Königreich ArktisDer Nordpol in Not: Eine bärig berührende Filmdokumentation über die schmelzenden Schrecken des Klimawandels

Fressen und gefressen werden sind beileibe nicht die einzigen Gefahren in der Kälte nördlich des 66. Breitengrades: Es ist die alles bedrohende Bestie Mensch. Adam Ravetch und Sarah Robertson erforschten das Aufwachsen des Eisbär-Mädchens „Nanu“ und des Walrosses „Seela“ im nordischen Eis. Sie erlernen den Umgang mit einer neuen tödlichen Gefahr: dem Klimawandel. Konzentriert verbindet diese engagierte und couragierte Hommage an die Artenvielfalt seine grandiosen und zu Tränen rührenden Tier-Tableaus mit der tragischen Bestandaufnahme einer stetig schleichenden Umweltkatastrophe.

Auf dezente, einfühlsame, bisweilen allzu menschelnde Manier lernt der Betrachter den bedrohten Lebensraum der Eisbären und Walrösser kennen. Denn der menschlich kreierte Klimawandel zerstört die Lebensgrundlagen vieler Lebewesen. Um diese Fehler aufzuhalten, muß sich unser Verhalten ändern. Der heißgeliebte Eisbär ist dabei zum („Knut“)-Symbol des globalen Klimawandels geworden.

Wie lange darf der Mensch derart bombastische Bilder in natura noch erleben? Das Walross lernt das Fischen, das Spiel unter Wasser und den Schutz der Gruppe. Seela hingegen paukt das Jagen von Robben. Wir sehen die Angst vor männlichen Eisbären und den unberechenbaren Eisstürmen. Doch niemand kann die animalischen Stars auf die sich drastisch veränderten Bedingungen ihres Lebensraumes vorbereiten. Bedenklich sinken die die Temperaturen nicht mehr so tief, daß ausreichend festes Eis im Winter entstehen kann. Die über 15-jährige selbstlose Arbeit, die das Ehepaar Adam Revetch und Sarah Robertson an der lehrreichen Produktion von National Geographic Films aufgewendet hat, sieht man dem gerade für Kinder und Heranwachsenden wichtigen Film sofort an. Unterstützt wurden die beiden von einem aus renommierten Tier- und Dokumentarfilmern bestehenden Produktionsteam, z.B. der Autorin Linda Woolverton („Die Schöne und das Biest“) sowie Mose Richards, der zwei Jahrzehnte lang mit dem Meeresforscher und Unterwasser-Papst Jacques Cousteau tauchte. Sehr nah wagte sich das Team an die seltenen Tiere heran, um bislang nie Gesehenes in bewegende Bilder zu bannen. Möwen segeln über bizarre Eisberge, Beluga-Wale zerpflügen das Meer, Eisbärenjunge purzeln ins Naß, eine Walrossmama hält ihr Neugeborenes fast zart in den Flossen. Dafür tauchten die Naturfilmer in minus 1,8 Grad kaltem Wasser unter der Eisdecke, trotzten Blizzards, hatten wochenlang kein festes Zuhause. Die Tiere hingegen werden voraussichtlich 2040 überhaupt kein Zuhause mehr haben….

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Unsere Erde


unsere erde.thumbnail Unsere Erde

Am Anfang war das Feuer, am Ende das Wasser? Nichts ist spannender als die Realität. Was jahrzehntelang versäumt, versuchen nun alle vehement im Hauruck-Verfahren nachzuholen: Unsere gute Mutter Erde zu schützen, ihr Klima und ihre Bewohner. Nüchtern betrachtet ist die Erde von der Sonne aus der dritte Planet im Sonnensystem, etwa 4,6 Milliarden Jahre jung und der einzige bekannte belebte Himmelskörper. Einen beein-druckenden filmischen Save-Our-World-Beitrag liefern nach dem packenden maritimen Naturdoku-Drama „Deep Blue“ die Experten vom Fach unter der Regie des Naturmovie-Merlins Alastair Fothergill

An über 200 verschiedenen Orten gefilmt, mit einer Crew von mehr als 40 Spezialisten, erschlägt einen die delierende Bilderflut, die bis dato in dieser monumentalen Form noch nie gezeigt wurden, wie beispielsweise die ersten wuchtig klaren Luftaufnahmen vom Mount Everest. Ein halbes Jahrzehnt investierte Regisseur Alastair Fothergill in dieses extraordinäre mondiale Projekt, um mit einem Budget von 47 Millionen US-Dollar in kooperation mit der BBC eine der unglaublichsten Naturdokumentationen, die die Welt je gesehen hat, zu realisieren.

Die spektakuläre Reise um den Planeten startet im arktischen Winter und folgt dem wärmenden Einfluss der Sonne nach Süden bis hinunter zur antarktischen Halbinsel. Dort kämpft eine Eisbären-Mama verzweifelt, ihren neugeborenen nachwuchs zu ernähren, während die Sonne die Eisschollen unter ihren Füßen dahinschmelzen läßt. Mit übernatürlicher Energie und unbändigem Willen führt ebenso eine Elefantenmama ihr Kleines auf einen endlosen Horror-Trip durch die ausgedörrte Kalahari-Wüste, stets auf frisches Wasser hoffend. Und eine Buckelwalmutter samt Kalb gehen gemeinsam auf die längste Wasser-Wanderung aller Meeres-säugetiere: von den Tropen bis zu den Gewässern der Antarktis auf der Suche nach Essbarem.

Realistisch, spannend und hautnah begleitet klebt die alles erfassende Kamera an diesen Einzelschicksalen, an den Jägern und Gejagten, an Junge, die todesmutig von ihren Müttern beschützt werden. Heroisch entwickeln sie sich zu überlebenswilligen Giganten, umgeben von Polarfüchsen, Seehunden, Möwen, Narwalen oder Dickschnabellummen.

Drei Tierfamilien gehen hier stellvertretend für alle animalischen Gattungen der Welt auf ihre virulenten Reisen wobei der Zuschauer sich geradezu mitfreuen und mitleiden muß; denn diese fantastischen Bilder brennen sich nachhaltig ein. Die naturalistische Intention: Endlich zu begreifen, wie Unmengen an Kostbarem, Liebenswertem, vor allem aber Schützenswertem unser blauer Planet zu bieten hat. Stirbt die Erde, stirbt auch Mensch und Tier.

Der adäquate und dezent-sensible Soundtrack, eingespielt von den Berliner Philharmonikern, stammt aus der meisterlichen Feder des mehrfach oscarbelohnten Komponisten George Fenton. In der schweizerdeutschen Kinoversion begleitet Mona Vetsch die sprachlosen Zuschauer auf dieser grandiosen Entdeckungsreise.

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Der weiße Planet


weisse planet1.thumbnail Der weiße Planet

Das zukünftige Szenario einer meteorologisch orientierten Monthy Python`s Flying Circus-Dokumentation: Sollten wir Menschen weiter so unbedacht mit Klima und Umwelt Schindluder treiben, bestehen zumindest die unterhaltsamen Möglichkeiten, bald in Köln zu Weihnachten in Bikini und Badehose Glühwein schlürfen zu können, von Flensburg nach Dänemark im Juli die Ostsee mit Schlittschuhen bezwingen zu dürfen, oder auf der Canner Croisette ganzjährig in Tauchmontur und Pressluftflasche den Capuccino zu trinken. Da kommt im Vorfeld der Weiße Planet mit seiner filmischen Botschaft (hoffentlich) noch zur rechten Zeit…

Es ist eine „Oper der Wildnis“, die sich mit einer Welt beschäftigt, die durch die drohende globale Erwärmung vor der Vernichtung steht, noch bevor sie vollständig erkundet, erforscht und verstanden werden konnte Die Arktis ist hart und unzugänglich, aber sie ist gleichzeitig in den wärmeren Monaten ein gigantischer natürlicher und Nährboden für Millionen von Tieren. Zum ersten Mal bebildert ein Film für die große Kinoleinwand jetzt alle wichtigen Bewohner der Nordpolarregion vereint auf einer kalten Bühne zusammen. Ein dramatisches wie fesselndes Schauspiel über das Leben zwischen Schnee, Schneestürmen und ewigem Eis.

Der weiße Planet“ hält in nie zuvor gesehenen Kadren die stille Schönheit der Arktis fest. Eine Eisbärenmutter zieht zwei Junge auf, ein Polarfuchs ist auf Nahrungssuche bei den Lummen, die Karibus begeben sich auf ihre seltene Wanderschaft und die Meerestiere kämpfen sich durch das Eis. Drei Jahre dauerten die Dreharbeiten, fünf Kamerateams trugen im hohen Norden Kanadas, in den Eiswüsten Grönlands, in der Tundra Sibiriens, auf und unter dem Packeis über 1000 Stunden Filmmaterial zusammen

Fazit: Ein mit überwältigenden Aufnahmen gefüllter Tierfilm, der gottlob übermäßige Darstellungen grausamer, bestialischer Fressorgien, wie wir sie bis zum Abwinken aus BBC Dokumentationen kennen, weitgehend verzichtet.

Das beeindruckende, nahezu lyrisch anmutende Werk erhielt reale Unterstützung: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erteilte der außer-gewöhnlichen Arktis-Dokumentation das Prädikat „Hervorragender Naturfilm” und integriert den Film in seine aktuelle Klimaschutzkampagne. Am 28. Dezember 2006 kommt das atemberaubende Meisterwerk von Thierry Piantanida, Thierry Ragobert und Stéphane Millière in die deutschen Kinos. Norbert Franck, PR-Chef des BUND betont: “Mit großartigen Aufnahmen bringt der Film eine einmalige Welt in unsere Kinos. Das Besondere: die sehr einfühlsamen Bilder machen gleichzeitig die Einzigartigkeit und die Zerbrechlichkeit des Lebensraums Arktis deutlich. Der Film mahnt zum Handeln.”

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Unser täglich Brot


unser taeglich brot.thumbnail Unser täglich Brot

Der nächste filmische Food-Schock: Drei Jahre lang hat Nikolaus Geyrhalter die Massenproduktion der europäischen Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie beobachtet. “Unser täglich Brot” heißt der Film. Es ist der einzige Kommentar in neunzig Minuten. Der Regisseur läßt bizarre Bilder in langen Kamera-Sequenzen für sich sprechen. Resultat: Ein verstörendes mechanisches Ballett, in dem Unmengen an Pflanzen und Tierkörpern „verwertet“ werden. Keine Vorwürfe, keine Erklärungen. Nur lauter offene Fragen…

Der Film zeigt jene Orte, an denen in Europa Nahrungsmittel produziert werden: für Fahrzeuge optimierte, plastifizierte, surreale Landschaften; sterile Räume, in funktioneller, industrieller Architektur, für logistisch-effiziente Abläufe entwickelt; Maschinen, die kalkulierbare Produkte zum reibungslosen Ablauf benötigen. Was wie eine Welt des Science Fiction aussieht, ist Realität. Unsere Nahrung wird in futuristischen Räumen produziert, die selten in den Blickwinkel der Gesellschaft geraten. Es sind erschreckende Orte europäischer Massennahrungsmittelproduktion, von Geyrhalter als surreale Landschaften, sterile Anbaugebiete und entleerte Räume wie aus düsteren Science-Fiction-Filmen eingefangen.

Geyrhalters Film dokumentiert, wie in einer Industrie, die unter verschärftem Wettbewerbsdruck ihren Profit mit hohen Stückzahlen erwirtschaften muss, der respektvolle Umgang mit Pflanzen und Tieren völlig auf der Strecke bleibt. Regisseur denunziert aber nicht diejenigen, die hier arbeiten müssen. Er zeigt sie einfach als Abhängige im trostlosen Arbeitsalltag eines fragwürdigen Systems.Geyhalter dazu: “Ich habe in den Schlachthöfen die allernettesten Leute kennen gelernt. Das sind keine Freaks. Das sind extrem sympathische Menschen. Die stehen im Schlachthof und sagen: ‘Ihr esst das Schnitzel! Und ihr schlachtet das Schwein nicht bei euch auf der Couch. Deswegen machen wir es für euch. Sagt uns wenigstens danke! Oder esst Salat!’ Ganz einfach.”

Keine Frage: „Unser täglich Brot“ ist sehr schwer verdauliche Kino-Kost Kino und mutet dem Zuschauer einige unzumutbare, nicht enden wollende Aufnahmen zu. Der Mut, in einer Zeit des multiplen, showartigen Medienbombardements lediglich scheinbar unspektakuläre Bilder und Töne sprechen zu lassen, verdient sehr großen Respekt, wie auch die idealistische Intention hinter dem Projekt.

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