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DigitalVD.de – Kino, Filme und Fakten

In Zukunft möchten wir Euch über Kino und alles, was damit zu tun hat, informieren. Die Zelluloid-Palette reicht vom Blockbuster über das Mainstream-Movie bis hin zur Arthaus-Produktion, jene kleinen Programmkino-Perlen, die allzu oft im filmischen Haifischbecken baden gehen müssen. Aber nicht nur das; wir versuchen Euch Tipps über Trends, über Stars und Sternchen zu geben und weisen auch auf Festivals, Events und ähnliche Ereignisse hin.

Film ist in seiner kleinen "Definition" einsehbar, aber doch unendlich gross in seiner Wirkung und Vielfalt. Keine Frage, über Kritik und Anregungen sind wir Euch natürlich mehr als dankbar.



Archiv Kategorie 'Drama'

Factory Girl – Drama

factory girl 150x99 Factory Girl   DramaAus dem behaglichen Cambridge-Ambiente reist Edie (Sienna Miller) in das nimmersatte New York der 60er. Dort trifft sie auf Andy Warhol (Guy Pearce). Edies Charisma, gepaart mit ihrer Sensitivität, lässt sie zu Warhols Muse aufsteigen. Sie lebt in der schrägen Welt der Factory. Warhol verwandelt die stillgelegte Hutfabrik in einen Ort, der als Sinnbild der 60er gilt. Kunst, Drogen und „freie Liebe“ prägen den Alltag der einstigen New Yorker Künstlerszene.

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So ist Paris

Nach den großen internationalen Erfolgen von “L’Auberge Espagnole – Barcelona für ein Jahr” und der Fortsetzung “L’Auberge Espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg”, erfüllte sich Regisseur Cédric Klapisch seinen Herzenswunsch: wieder in seiner Heimatstadt zu drehen und beglückt mit einer berauschenden Lebens- und Liebes-Achterbahnfahrt aus dem Herzen und dem Bauch von Paris.

Das Menschen- und Stadtporträt beginnt zugleich spektakulär, mit vielen eigenwilligen Kamerafahrten über den Dächern dieser einzigartigen City. Man erhält auf recht kurzweilige Art und Weise Einblick in das Leben diverser Einwohner. Allesamt suchen sie nach Liebe und Glück. Paris, la Grande Ville der Gefühle und Gegenseitigkeiten, die oftmals ins Chaos stürzen. So auch hier. Im Alltag der Millionenmetropole prallen Welten aufeinander, wenn sich die Wege ganz normaler, aber völlig individueller Menschen kreuzen: Ein Gemüsehändler auf sentimentalen Abwegen, der Uniprofessor auf der Hatz nach jungen Frauen, ein Tänzer auf der Suche nach Vollendung, die Sozialarbeiterin im Dauereinsatz, eine Bäckersfrau mit eher unkonventionellen Überzeugungen und der illegale Immigrant in der Stadt seiner Träume.

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Die Liebe in den Zeiten der Cholera

Gabriel Garcia Marquez’ Jahrhundertroman „Die Liebe in den Zeiten der Cholera zählt zu den wichigsten literarischen Werken des 20. Jahrhunderts. Hier entfaltet der Romancier über ein Menschenleben lang eine leidliche Liebesgeschichte. Der britische Regisseur Mike Newell, („Donnie Brasco“, „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“), hat sich nach seinen sehr konträren Filmen an diesem aufwändigen Filmprojekt die Zähne fast ausgebissen.

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Into the Wild

Vom Flüchten, der Freiheit und dem Verrecken: Grandiose Regiearbeit des Hollywood-Stars und Regisseurs Sean Penn: Der mit den Elchen flüstert. Knallhart und konsequent, bebildert Sean Penn in einzigartig schönen Landschafts-Panoramen, um was es im Leben gehen könnte: Ins unwegsame Alaska flüchten nur Aussteiger, die Aussteigen verlassen wollen. Der 22jährige Christopher McCandless (brillant: Emile Hirsch) beschließt nach seinem erfolgreichem Studium 1992, seine hoffnungsvolle Karriere aus seinem leben zu werfen, um in den Reisebus zu steigen. Alaska wird das urwüchsige Ziel von Freiheit, Abenteuer und Selbstfindung vor Augen: „Into The Wild“; allein und noch viel weiter weg als alle anderen Erleuchtungs-Touristen, die es gerade durch die USA schaffen.

Ein derart intensiv schönes Szenario in poetischen Natur-Aufnahmen konnte Kino bislang kaum kreieren. Penn hält in seiner vierten Regierarbeit ein stilles, glühendes das Playdoyer für seinen Romantik-Rebellen. Der Tatsachenroman von Jon Krakauer ermöglichte das abwegige Abenteuer, eine subtile Charakterstudie und ein packendes Survival-Drama über die Freiheit; die ist nicht rational erklärbar, weil es die „Freiheit“ schlechthin nicht gibt, und sie ewig emotional abstrakt bleiben wird.

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Die zweigeteilte Frau


zweigeteilte frau.thumbnail Die zweigeteilte Frau

Das Bösartige brodelt wieder hinter der scheinbar schönen Fassade: Chabrol lässt seine Puppe zwischen zwei konträren Gesellschaftschichten tanzen. Das Opfer, wieder eine Frau. Der zynische Analytiker par excellence ließ seine Heldinnen stets an ihren unfähigen Männern scheitern, an den patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen und den eigenen naiv-romantischen Sehnsüchten. Am brachialsten ging seine Titelfigur aus der Flaubert-Adaption Madame Bovary (1991) baden. So auch hier:

um sein neues Buch zu promoten, schickt die Literatur-Agentin und Freundin Capucine Jamet (Mathilda May) ihren Star-Autor Charles Saint-Denis (Francois Berleand) aus der stillen Idylle seiner Luxus-Villa in der Provinz auf Publicity-Tour in die Stadt. In Lyon soll er ein Fernsehinterview geben, zu Empfängen gehen und Bücher signieren. Der geübte Blick des notorischen Verführers bleibt sogleich an der jungen schönen Gabrielle Deneige (Ludivine Sagnier) hängen, die beim Sender als Wetterfee arbeitet und am Anfang einer viel versprechenden Karriere steht. Sie ist in ihrer natürlichen Art einfach umwerfend, und als Charles sie wenig später beim Signieren in einer Buchhandlung, in der Gabrielles Mutter (Marie Bunel) arbeitet, wieder sieht, lässt er sich die Gelegenheit nicht entgehen und verabredet sich mit ihr. Er führt sie a in seine Stadtwohnung, sein geheimes kleines Versteck, auf dessen Klingelschild signifikanterweise der Name „Paradies“ steht. Dieses Versprechen soll sich allerdings für die junge Frau so gar nicht erfüllen. Gabrielle wird Charles Geliebte und findet mit dem erfahrenen Mann sexuelle Erfüllung. Sie geht auf all seine Wünsche ein, lebt unbefangen mit ihm seine sexuellen Obsessionen und perversen Gelüste aus. Zunehmend verfällt sie dem älteren Lügner mit einer wunderbaren Ehefrau an seiner Seite und verliebt sich ernsthaft in ihn. Was die junge Frau nicht weiß: Charles, glücklich mit Dona (Valeria Cavalli) verheiratet, würde seine Ehe nicht wegen einer Affäre aufs Spiel setzen. Für ihn ist Gabrielle ein weiteres aufregendes sexuelles Abenteuer…

Es geht wieder um die Verstrickungen der Menschen miteinander, durch die sich wahre Untiefen öffnen. Erneut variiert Chabrol das gewohnt Verlässliche, demonstriert eine völlig desolate Sicht der Dinge mit minutiösen Farben und Facetten. Resultat: Die große Überraschung, und die noch größere Enttäuschung. Auf diese Weise warnt er wieder vor der Welt des schönen Scheins, in der gutgläubige, zu Gefühlen noch fähige Mädchen auf solche Blödiane wie Charles hereinfallen, die nehmen, ohne zu schätzen. Deshalb hat der sexuell getönte Film etwas Reines, sozusagen die Angst des kleinen Bürgers vor dem Laster und der Verschwendung. Es stellt sich sowieso immer wieder die Frage, warum junge Mädchen auf senile und lüsterne Säcke reinfallen. Da ist die zweigeteilte Frau einerseits, und da der ungeteilte Arsch zum anderen.

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Ein fliehendes Pferd

ein fliehendes pferd.thumbnail Ein fliehendes Pferd

Läßt sich Literatur verfilmen? Und wie kann der Film die enorme Bildlichkeit der Sprache in die gerahmte Sprachlichkeit des Bildes transformieren? Meistens ein undankbares Unterfangen:

Allein die zentrale Aussage in dieser Literaturadaption „Einem fliehenden Pferd kannst du dich nicht in den Weg stellen. Es muß das Gefühl haben, sein Weg bleibt frei“, zentriert eine komplexe Problematik, denn diese Worte spricht Klaus Buch in einer Schlüsselszene von Martin Walsers grandioser Novelle, in der es ihm gelingt, ein ausgerissenes Pferd zu bän-digen, aus. Im Kopf spielen sich hierbei schon unzählige variable Bilder ab, unendlich assoziativ und endlich individualisiert. Das gesehene Bild legt sich aber fest, zeigt beispielsweise in einer der wenigen dynamischen Szenen den entfesselten Ulrick Tukur im hellen Anzug auf dem galoppie-renden Pferd. Die brachialen Bilder legt Regisseur Rainer Kaufmann (“Die Apothekerin”) fest, so und nicht anders. Der Zuschauer findet sich damit ab, gibt sich zufrieden, die eigenen Phantasie-Welten ersticken im Vakuum der aufgedrängten Aufnahmen.

Auf das nötige Minimum reduziert sich auch die „Beziehung“ von Studienrat Helmut Halm (Ulrich Noethen, “Der Untergang”) und seiner Frau Sabine (Katja Riemann, “Rosenstraße”) seine Ruhe haben. Wie üblich geht’s zur spannenden Ehe-Erholung an den Bodensee, die jedoch diesmal gänzlich anders verlaufen wird, als gedacht. Denn dort, im vividen Ambiente einer Hansi Hinterseer-Gemütlichkeit und der Langnese-Larmoyanz auf geteerten Uferpromenaden, treffen sie Helmuts alten Jugendfreund Klaus Buch (brillant: Ulrich Tukur, „Das Leben der Anderen“). Das unerhoffte Wiedersehen ist für den eher wortfaulen und stets gereizt wirkenden Helmut nämlich alles andere als erbaulich, zumal die die Vergangenheit etwas von vielem ist, an das er ungern erinnert wird. Klaus, der alternde Playboy-Typ mit dem forschen eloquenten Charme, trumpft nicht nur mit seiner wesentlich jüngeren und hübschen „Hel“ (Helene, Petra Schmidt-Schaller) auf, sondern bringt Helmut mit den Anekdoten der von „früher“ Helmut von einer Peinlichkeit in die nächste.

Sabine hingegen ist von Klaus’ dreister Art durchaus angetan, endlich scheint wieder frischerer Wind in ihren etwas angestaubten Ehe-Alltag, denkt sich die Frustrierte im Stillen. Und Helmut lässt sich allmählich ebenso bedenklich in die gefahrvollen Gewässer von Hels Lolita-Aura treiben. Es folgen turbulente Tage, voller intensiver Dialoge, über alles, was man „Leben“ nennt und nennen könnte. Die Situationen eskalieren gar in vehementen Abneigungen wie in die Grenzbereiche erotischer Möchte-Entgleisungen: Vereiste Emotionen, tauen auf und fließen letztlich stark strömend in Richtung des fatalen und gewittrigen Horizonts…

Walsers Titel “Ein fliehendes Pferd” bezieht sich auf jene Schlüssel-Episode der Novelle, in der ein fliehendes Pferd von Klaus Buch eingeholt und gekonnt zum Stehen gebracht wird. Von Symbolischen relativiert sich diese Allegorie auf Helmut Halm und Klaus Buch, deren Flucht vor sich selbst bzw. aus der beruflichen Sphäre in dieser Novelle fokussiert wird.

Martin Walser gilt neben Heinrich Böll, Siegfried Lenz oder Uwe Johnson als beutender deutscher Literat des 20. Jahrhunderts. Er favorisiert die Bereiche die Liebe, Ehe und Midlifecrisis, wobei die Gesellschaftskritik bei ihm nicht als politisierendes Hauptthema zu betrachten ist, vielmehr sind seine Figuren Kleinbürger des täglichen Lebens, die Einfühlen und Mitfüh-len vom Leser, bzw. Zuschauer verlangen. Und Walser begeht glückli-cherweise nicht den Kardinal-Fehler, den pädagogisierenden Das-darfst-Du-aber-nicht-Zeige-Finger zu erheben, sondert bleibt unprogrammatisch ohne Lösungsvorschläge., obwohl die Themen wie Lust, Liebe, Freiheit, Flucht und Sexualität noch am Ende der 70er Jahre durchaus prekär und neuralgisch erschienen.

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Lars and the real Girl


lars girl.thumbnail Lars and the real Girl

Eine mehr als ungewöhnlich Komödie mit melancholischem Unterton wie auch einem brillanten Soundtrack: In der fesselnden Geschichte eines sympathischen wie verdrucksten Außenseiters, der in einer lebensgroßen Silikonpuppe eine Freundin und Lebensgefährtin fürs Leben findet, beweist Jungstar Ryan Gosling (“Das perfekte Verbrechen”) einmal mehr, dass er zu den Ausnahmeschauspielern seiner Generation zählt, für den keine noch so komplizierter Part zu groß ist. Unterstützt von Emily Mortimer (“Match Point”), Patricia Clarkson (“Good Night, and Good Luck”) und Paul Schneider (“Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford”), läuft Gosling als tragischer Titelheld zu höchstform auf.

In dem Film st der Oscar-nominierte Ryan Gosling (“Half Nelson” als liebenswerter (gestörter) Introvertierter Lars Lindstrom zu bestaunen, der vor lauter emotionalem Ballast noch nicht richtig leben gelernt hat. Nach Jahren in Einsamkeit lädt er seinen Internet-Flirt Bianca zu sich ein. Als er sie seinem Bruder Gus (Paul Schneider) und dessen Frau Karen (Emily Mortimer) vorstellt, sind beide sprachlos. Denn Bianca ist eine lebensgroße Puppe, obwohl Lars sie behandelt, als wäre sie aus Fleisch und Blut. Dagmar (Patricia Clarkson), die Hausärztin der Familie, nimmt sich des Problems an – mit überraschendem Ergebnis. Ein schräger Streifen zum Lachen und weinen; wie großes Kino eben sein sollte.

Der Film wurde in Toronto, in King Township (Ontario) und in Uxbridge (Ontario) gedreht. Er hatte seine Weltpremiere am 10. September 2007 auf dem Toronto International Film Festival 2007. Die breite Veröffentlichung in den Kinos der USA begann am 12. Oktober 2007.[

Übrigens: Die Puppe Bianca wurde dem Film vom Unternehmen Abyss Creations aus Kalifornien zur Verfügung gestellt. Dieses Placement ist die erste Produktplatzierung des Unternehmens in einem Kinofilm überhaupt.

Start: Februar 2008

Quelle: Central Film

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Im Tal von Elah


im tal von elah.thumbnail Im Tal von Elah

Eineinhalb Jahre kämpfte Mike Deerfield (Jonathan Tucker) im Irak, überlebt den Krieg, verschwindet aber nach seiner Rückkehr in die Heimat plötzlich spurlos. Mikes Vater, Hank Deerfield (Grandios wieder einmal) Tommy Lee Jones), macht sich sogleich auf, um direkt an Mikes Armeestützpunkt in Fort Rudd, New Mexico, das rätselhafte Verschwinden seines Sohnes aufzuklären und ihn aufzuspüren. Hat er doch schon den älteren Sohn im Krieg verloren….

Was der Vietnamveteran schließlich mit Unterstützung von Emily Sanders (Charlize Theron) entdeckt, die als Detective bei der örtlichen Polizei ihn anfangs nur widerwillig unterstützt, ist eine grausige wie groteske Wahrheit und ein Netz aus Korruption und Lügen. Mikes Vorgesetzte behindern die Ermittlungen – und seine ehemaligen Kameraden hüten ein schweres Geheimnis, das Hank Deerfields bisher geordnete Welt und das Bild seiner Nation völlig auf den Kopf stellt. Ein Geheimnis, das nicht nur die Veränderungen in seinem Sohn Mike, sondern auch die unverheilten Wunden des Krieges allerorts verbirgt…

Natürlich Deerfield will genau wissen, was sein Sohn und die anderen Jungs im Irak getrieben haben. Und er erfährt wesentlich mehr, als ihm lieb ist: Aus Handy-Cambildern dieht er die Wandlung seines Sohnes vom Paulus zum Saulus, der irakischen Kindern Bälle gibt,, aber auch verletzte Kriegsgefangene bis aufs Blut quält.

„Elah“ (Kosten: runde 23 Millionen Dollar) schlug schon am Eröffnungswochenende mit 140.000 Dollar in den USA ein. Das Studio, Warner Independent Film, war happy. „Home of the Brave“, ein Veteranenfilm vom Frühjahr, und „A Mighty Heart“, in dem es um die Ermordung des Journalisten Daniel Pearl geht, enttäuschten wider erwarten. Spätestens seit seinem Riesenerfolg mit L.A. Crash ist der 1953 in Kanada geborene Regisseur und Autor Paul Haggis ein geachteter wie gefragter regisseur. Und für diesen beeindruckenden Film, der den jüngsten Irakkrieg speziell in seinen abträglichen Auswirkungen auf die US-Soldaten fokussiert, hat er mit Tommy Lee Jones, Susan Sarandon (Im Film seine gebrochene Frau) und Charlize Theron gleich drei Schauspielergrößen angeln können.

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4 Monate, 2 Wochen und drei Tage


2tage.thumbnail 4 Monate, 2 Wochen und drei Tage

Der desolate Spagat zwischen Macht und Ohnmacht: Der Gewinner der diesjährigen Goldenen Palme an der Canner Croisette evoziert durch seine authentische und ergreifende Umsetzung der Geschichte einer jungen Frau, die im totalitären Regime illegal abtreiben lassen will. Ein bewegendes Filmwerk, das an Aktualität noch heute zu heftigen Kontroversen führt. Die verstörende, sozialpolitische Filmanalyse ist der erste Teil eines geplanten Filmzyklus mit dem Titel “Tales from the Golden Age”, in dem der rumänische Regisseur Cristian Mungiu („Lost and Found“) das (Anti)-Dasein der Menschen unter dem Diktator Ceausescu anhand persönlicher Einzelschicksalen leidlich demonstriert.

Naturalistisch und nonchalent bebildert: Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage ist exakt jene Schwangerschaftsdauer der jungen Rumänin Gabita (Laura Vasiliu). Sie will aber die angehende Mutterschaft so schnell wie möglich beenden. Unter der kommunistischen Diktatur Rumäniens 1987 ein gefährliches Unterfangen, mit harschen Gefängnisstrafen geahndet. Um dem Zuchthaus zu entgehen, trifft sich Studentin Gabita, unterstützt von ihrer besten Freundin Otilia (Anamaria Marinca), in einer dreckigen Hotelabsteige mit einem gewissen Herrn „Bebe“ (Vlad Ivanov), dem Engelmacher. Doch bevor er zur Tat schreitet, fordert er neben materiellem Lohn auch noch weitere sexuelle Bezahlungen…

Das alles erfassende Kameraauge wandert von schäbigen Menschen aus schäbiger Umgebung in schäbige Räume. Dabei bestehen viele Szenen bestehen aus nur einem einzigen, unendlich quälend langen Take, wodurch diese eigentümliche Angst erzeugende Stimmung entsteht; immer hautnah am Geschehen, klebt sie auch an jedem unangenehmen Detail, ohne voyeuristisch zu drangsalieren. Damit fokussiert Mingiu kristallklare Wahrheit, ohne Pathos und Plattitüden. Angst breitet sich hier aus, wird zum unsichtbaren Gegner in einer allgegenwärtigen und anonymen Bedrohung: So beispielsweise, wenn sich Otilia in der Öffentlichkeit immer wieder voller Angst umschaut.

Cristian Mungiu wird als einer der führenden Regisseure der „Nouvelle Vague“ des rumänischen Films betrachtet. So ist sein Film minutiös konzentriert und schonungslos in seiner Film-Epik. Trotz seiner gerade mal 600.000 Dollar Produktionskosten setzte er sich an der Riviera gegen übermächtige Konkurrenz-Produktionen wie „Auf der anderen Seite“, „No Country for Old Men“ oder auch „Zodiac – Die Spur des Killers“ überraschenderweise durch. Es ist zudem die allererste Goldene Palme, die nach Rumänien ging.

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Ex Drummer von Legend Films


ex drummer.thumbnail Ex Drummer von Legend Films

Kein Film für den heiligen Abend, aber eine knallharte Sozialstudie, die haften bleibt: Mit harter Mucke und grungy Look durchquert EX DRUMMER den übelsten humanen Abgrund-Sumpf. Bis zur Besinnungslosigkeit wird hier geprügelt, gefickt, gerockt und getötet, stehen Blutlachen stellvertretend für „Damenbesuch“, werden Männer von Riesenpimmeln vergewaltigt und Babys mit Koks sediert. und bisweilen steht sogar das Bild auf dem Kopf. Verstörender kann Kino kaum sein.

Zu Beginn sitzt der erfolgreiche Schriftsteller Dries Vanhegen in seinem Designer-Penthouse über dem Strand von Ostende und erzählt von einer vermeintlichen Belästigung durch dahergelaufene Strolche. Als prominenter Zeitgenosse sei er ja bereits an die Zumutungen der unmöglichsten Leute gewöhnt, erklärt Vanhegen, aber diese drei speziellen Vögel hätten ihn doch glatt umgehauen: Ein Naziskin mit Sprachfehler, ein schwuler Hooligan mit steifem Arm und ein tauber Altrocker wollen den Yuppie als Drummer für ihre Band gewinnen. Und zwar nur für einen einzigen Gig beim “Punk-Festival in Laffinge”, und außerdem nur unter der Voraussetzung, dass sich der Autor der ersten Bandregel unterwirft, die da lautet: Alle Mitglieder haben eine Behinderung.
Der Schriftsteller bittet sich zwar Bedenkzeit aus, aber man ahnt, dass er das Abenteuer suchen wird, und prompt schwant Böses: Vanhegen und seine Loft-Lebensgefährtin werden in schlechte Gesellschaft geraten! Und in der nächsten, rückwärts laufenden Sequenz werden unsere Befürchtungen noch einmal gründlich potenziert: Der Naziskin ist auch ein notorischer Frauenschlächter, dessen Wohnung auf dem Kopf steht.

Dries ist ein scharfer Beobachter, der neugierig die vollkommene Verkommenheit der Welt in sich hineinsaugt und abends heimkehrt in sein Designerloft hoch über den Dächern der moribunden Hafenstadt Oostende, wo ihn seine hübsche Frau und manchmal auch eine Gespielin erwarten. Wie ein Gott steigt er immer wieder hinunter in den Sündenpfuhl, kommentiert, manipuliert, intrigiert … bis er sich schließlich selbst als mythischen Erlöser wähnt, der die Welt um ihre Übel erleichtert. Die Katastrophe ist unaufhaltsam…
Fazit. Unheilbar gesunder Hevy-Trash für hardcore-Filmfreaks.

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