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DigitalVD.de – Kino, Filme und Fakten

In Zukunft möchten wir Euch über Kino und alles, was damit zu tun hat, informieren. Die Zelluloid-Palette reicht vom Blockbuster über das Mainstream-Movie bis hin zur Arthaus-Produktion, jene kleinen Programmkino-Perlen, die allzu oft im filmischen Haifischbecken baden gehen müssen. Aber nicht nur das; wir versuchen Euch Tipps über Trends, über Stars und Sternchen zu geben und weisen auch auf Festivals, Events und ähnliche Ereignisse hin.

Film ist in seiner kleinen "Definition" einsehbar, aber doch unendlich gross in seiner Wirkung und Vielfalt. Keine Frage, über Kritik und Anregungen sind wir Euch natürlich mehr als dankbar.



Archiv Kategorie 'Interviews'

Interview mit Andres Veiel zu seiner Filmdoku “Der Kick”

„Es geht darum, über das Entsetzen hinaus Fragen
zuzulassen, Brüche auszuhalten und einen Bruchteil zu verstehen…“
(Andres Veiel)

derkick.thumbnail Interview mit Andres Veiel zu seiner Filmdoku Der Kick

In einer eigenwilligen Synthese aus Film und Theater inszeniert Andres Veiel in „Der Kick“ ein analytisches Psychogramm eines grausamen Mordes, der real 2002 landesweit Entsetzen auslöste: In Potzlow, einem Dorf in der Uckermark maltraitierten drei junge Männer aus dem rechtsradikalen Milieu einen befreundeten 17-jährigen. Einer von ihnen tötete ihn nach dem Vorbild einer Szene aus dem US-Film „American History X“.

DigitalVD.de: Warum war dieser Film Auslöser für die Tat?

Andres Veiel: „American History X“ ist von seiner Botschaft her ein Film gegen rechte Gewalt. Das hat auch Marcel Schönfeld – der Täter, der auf den Kopf des Opfers sprang – später einmal so beschrieben. Die Szene, in dem der Bordsteinkick gezeigt wird, konterkariert in ihren ästhetischen Mitteln diese Absicht. Der Täter in „American History X“ wird nach dem Sprung zu einem Held, er läuft in Zeitlupe auf seinen jüngeren Bruder zu, der ihn vorbehaltlos für das, was er getan hat, bewundert. Das Opfer und seine Leiden werden im Film ausgeblendet. Marcel Schönfeld hat sich also nicht mit der Botschaft identifiziert, sondern mit einer Gewaltästhetik, die diese quasi unterminiert.

DigitalVD.de: Kann man, wie in der Medienpädagogik beschrieben, von der sogenannten Animationsthese sprechen?

Andres Veiel: Der Mord war nicht geplant. Er ist aus der Situation heraus entstanden. Es kam zu einer Übersprungshandlung. Zunächst sollte Marinus „Angst eingejagt“, werden. Er sollte in die Kante eines Futtertroges beißen. Doch dann wurde aus dem grausamen „Spiel“ durch die Erinnerung an die Filmszene plötzlich blutige Realität: Der Täter sprang tatsächlich auf den Kopf des Opfers. Es gibt in Deutschland und der Schweiz zwei weitere Fälle, wo der Film als Handlungsauslöser für einen Bordsteinkick diente. Ich will damit nicht sagen, dass man solche Filme verbieten soll. Aber man muss sich bewusst sein, dass einige wenige Zuschauer danach nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden können.

DigitalVD.de: Wie hat Sie veranlasst, sich so intensiv mit den Ereignissen von Potzlow zu beschäftigen?

Andres Veiel: Während des Prozesses wurden die Täter auf kalte, unberührbare Monster reduziert, rechtsradikale Täter ohne Reue, ohne Reflektion. Das ganze Dorf stand unter dem Generalverdacht, die Tat zu decken. In den Medien und aus der Politik wurden formelhaft die üblichen Klischees als Ursache der Gewalt zitiert: Perspektivlosigkeit, Alkoholismus, Arbeitslosigkeit. Schon beim zweiten Blick auf den Fall wird deutlich, dass diese schnellen Zuweisungen nicht weiter helfen. In den meisten Debatten wurden die Täter in einen Monsterkäfig gesperrt. Ich wollte sie da von Anfang an herausholen. Wir müssen uns die Täter als Menschen vorstellen. Wir geben ihnen eine Biographie. Das ist die eigentliche Provokation. Das hat immer etwas Beängstigendes, aber auch Befreiendes. Die Täter kommen aus einem Elternhaus, wie es Hunderttausende in diesem Land gibt. Zwei der drei Täter hatten eine Perspektive: Sie hatten gerade eine Lehre begonnen. Dieser normal-unheimliche Hintergrund macht die Tat so bedrohlich und rückt sie gleichzeitig sehr nah an jeden von uns heran. Es ist in Potzlow passiert, aber Potzlow ist, fast, überall. Im Vergleich zu den neueren rechtsextremistischen Gewalttaten ist der Potzlower Mord singulär. Aber unsere Tiefenbohrung versucht, eine Art Werkzeugkasten zur Analyse der anderen Fälle zu liefern. Anders gesagt: Wenn man sich mit der Frage „Was kann man tun gegen rechte Gewalt, was kann man ändern“ auseinandersetzt, muss man sich erst einmal mit einem Fall kompromisslos beschäftigen. Das haben wir versucht..

DigitalVD.de: Wie sahen Ihre Recherchen vor Ort aus?

Andres Veiel: Von September 2004 bis April 2005 sind die Dramaturgin Gesine Schmidt vom Maxim Gorki Theater und ich regelmäßig in die Uckermark gefahren. Wir haben Fragen gestellt, den Tätern, den Freunden des Opfers, den Dorfbewohnern. Am Anfang wollte niemand mit uns reden. Selbst der Dorfpfarrer, bei dem wir vermuteten, er sei der Brückenkopf in die Außenwelt, hat gesagt: Bleiben Sie bitte in Berlin. Wir wollen hier niemanden. Da hatte bereits die Presse- und Medienwelle einen deutlichen Flurschaden hinterlassen. Es ist schnell von einem faschistoiden Dorf die Rede gewesen. Das ist ein Teufelskreis: Da wird ein ganzes Dorf erst mal mit dieser Tat in Verbindung gebracht Die Dorfbewohner ziehen sich zurück, sind wütend und verletzt und verschließen sich. Und das ist für viele Journalisten wieder eine Bestätigung: Es ist noch viel schlimmer, da redet niemand, die verdrängen alles. Wir konnten über Monate Vertrauen bei den Beteiligten aufbauen. Dabei machten wir die Erfahrung, dass es ein Bedürfnis gibt, zu sprechen. Es existiert diese Ambivalenz zwischen dem Schweigen, dem Verhüllen, und dem Wunsch, dann doch darüber zu reden. Wir haben unsere Gesprächspartner Ernst genommen. Das widersprach ihrer Erfahrung, nicht mehr gebraucht – und damit auch nicht mehr gehört zu werden. In unseren Gesprächen war dann bald von der angeblichen Dumpfheit und Nicht-Reflektion nichts mehr zu spüren. Geholfen hat uns dabei, dass wir sehr viel Zeit hatten. Uns ging es nicht ums sofortige Verwerten. Wir sind zu den Eltern der Täter dreimal ohne Aufnahmegerät hingegangen und haben mit ihnen gesprochen und zugehört. Erst beim vierten Mal haben wir gewagt, überhaupt ein Tonband aufzustellen.

DigitalVD.de: Aber wie kann überhaupt in einem ehemals sozialistisch regierten Land überhaupt Neonazismus entstehen?

Andres Veiel: Der Mord an Marinus Schöberl hat für mich auch eine politische Dimension. Indem über die Tat gesprochen wird, wird damit auch die Frage nach Verarbeitung von Wendeerfahrungen thematisiert. Wenn man den Fall Potzlow nimmt, dann fällt zunächst eine ökonomische und eine daraus abgeleitete soziale Verkarstung auf. Von ehemals 700 Arbeitsplätzen der LPG sind zunächst nur zwei übrig geblieben. Es gibt zu wenige Lehrstellen. Man muss wegziehen, um etwas zu werden. Schulen werden zusammengelegt, dörfliche Sozialerfahrungen fallen auseinander. Im Dorf findet nichts mehr statt. Das führt zu einer Monopolisierung der Jugendkultur, eine Richtung setzt sich durch, und das ist oft die rechte. Die politische Jugendkriminalität ist in strukturschwachen Regionen um 20 bis 30 Prozent höher als anderswo. Es gibt eine eindeutige Korrelation zwischen einer ökonomisch bzw. sozial vernachlässigten Region und einer auffälligen Zunahme von Jugendkriminalität. Doch die ökonomisch-soziale Verkarstung alleine erklärt die Tat nicht. Nur der älteste Bruder Marco Schönfeld war beruflich ohne Perspektive. – Wenn man sich mit der Tat auseinandersetzt, berührt man damit auch ein Stück deutscher Geschichte. Da gibt es Wurzeln, da gibt es Vorbilder, da gibt es Großeltern. Das Opfer wurde von den Tätern als Jude bezeichnet. Marinus sollte zugeben, dass er Jude ist und wurde daraufhin zusammen geschlagen. Es gab eine Menge von Versatzstücken historischer Zitate. Wir haben uns dafür interessiert, was die Täter, aber auch deren Eltern davon wissen.

DigitalVD.de: Wem folgten Sie denn in der Struktur von „Der Kick“; ist es verfilmtes Theater oder theatraler Film?

Andres Veiel: Ich habe bei den Proben für das Stück manchmal gemerkt, dass ich sehr nah an die Schauspieler herangegangen bin, quasi in Naheinstellungen gedacht habe. Das funktioniert für die Bühne nicht. Man muss im Theater immer einen großen Raum bespielen, also in Totalen denken. In diesem Moment war für mich klar, dass ich mit dem Stoff auch einen Film machen will. Die erste Idee war: Mit der Kamera will ich die mikroskopische Feinstruktur des Textes herausarbeiten. Ich wusste, dass ich damit eine scheinbar gleiche Geschichte neu erzählen kann. Was im Theater Leere ist, füllt im Kino die Leinwand. Der Film holt die Schauspieler nah ran, zeigt ihr Gesicht als Landschaft. Damit wird auf einer ganz anderen Ebene erzählt. Wir arbeiten im Film mit einem Augenaufschlag, einem Zucken der Mundwinkel, mit dem Zittern einer Hand.

DigitalVD.de: Mit welchen Überlegungen sind Sie an die filmische Umsetzung gegangen?

Andres Veiel: Bei der filmischen Inszenierung haben wir sehr auf reduzierte Mimik und Gestik geachtet. Letztendlich haben wir auf diese Weise auch die Großaufnahme gerettet. Wir sehen eben kein Grimassenstudio. Sondern da wird ein Gesicht zur Landschaft einer entwurzelten, verstörten Seele. Das hat mich interessiert. Ich wollte aus dem Korsett der Theater-Totalen ausbrechen. Dafür muss ich dem Kino-Zuschauer, der nicht mehr die Entscheidungsfreiheit hat, innerhalb der Totalen selbst auszuwählen, etwas anderes bieten. Wir haben Pausen gesetzt, Blicke verlängert, das Schweigen zelebriert. Darin entfaltet sich ein anderer Subtext der Figuren. Damit funktioniert der Film vollkommen anders als das Stück, er bekommt einen anderen Rhythmus. Wir öffnen einen anderen Resonanzboden. Dazu kommt die Tonebene, die immer unterschätzt wird. Ich habe mir schon während der Dreharbeiten überlegt, dass wir nicht mit Musik arbeiten, sondern nur mit Geräuschen klanglich etwas entwickeln werden. Der Ort war dafür eine riesige Fundgrube. Es hört sich an, als ob es zufällig auftretende Geräusche sind, aber es ist nichts dem Zufall überlassen worden. Die Reaktionen auf der Berlinale haben gezeigt: Der Film übt durch diese einfachen Mittel einen starken Sog aus. Dem können sich die Zuschauer nicht entziehen.

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Interview mit Alexandra Maria Lara


fischer und frau.thumbnail Interview mit Alexandra Maria Lara

DigitalVD.de: Was hat Sie an der Rolle besonders gereizt?

Alexandra Maria Lara: Vor allem Doris Dörrie. Ich hatte ja schon mit ihr in „Nackt“ zusammengearbeitet. Sie ist sehr professionell und es macht sehr viel Freude, mit ihr zu drehen. Interessant war natürlich auch für mich die Geschichte vom Fischer und seiner Frau; darin kann Ida filmisch eine tolle Position einnehmen, die sich immer wieder verändert.

DigitalVD.de: Sehen Sie Parallelen zu Ihrer eigenen Biographie?

Alexandra Maria Lara: Biographisch gesehen ist Ida Rumänin wie ich. Sicherlich gibt es da Ähnlichkeiten, wie meine Eltern, die 1983 aus Rumänien flohen. Das fließt natürlich irgendwo im Film ein. Das sind plausible Möglichkeiten, aber keine nennenswerten Parallelen.

DigitalVD.de: Lieben Sie Märchen?

Alexandra Maria Lara: Auf jeden Fall. Sie begleiten einen das ganze Leben und sind so wundervoll, weil es doch im Alltag viele Parallelen gibt. Besonders liebe ich „Die kleine Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen; das ist so ein trauriges Märchen…

DigitalVD.de: Wie sehen Sie die Beziehung im Film?

Alexandra Maria Lara: In einer Beziehung muß jeder seinen eigenen Raum haben, und jeder bewegt sich weiter. Das ist die Kunst jeder Beziehung. Wenn beide Partner auseinander driften, kann das natürlich sehr schwer werden, wie man sieht.
Ich finde es gut, wenn man sich weiter entwickelt, nicht nur stehen-bleibt, aber ab und zu sollte man sich eine Pause gönnen, um zu verschnaufen.

DigitalVD.de: Sind Sie so wie Ida?

Alexandra Maria Lara: Nein, nicht exakt, obwohl ich mich mit dem Charakter sehr gut identifizieren kann, nur treibt sie es bisweilen zu extrem und erreicht einen Punkt, den ich nicht für erstrebenswert halte. Trotzdem finde ich ihre Power und Ausdauer klasse. Im Film will Ida ja auch immer mehr, weil er überhaupt nichts will, dadurch entwickelt sie ja diesen Extremdrang. Das, was sich gut ergänzen könnte, driftet hier jedoch auseinander.

DigitalVD.de: Geben Sie denn den beiden keine Chance?

Alexandra Maria Lara: Doch schon. Es gibt sicherlich Paare, die es schaffen, wie Ida und Otto, zueinander zu finden, wenn sie wollen. Andere nicht, wenn sie nicht kompromissbereit sind oder nicht imstande sind, die eigenen Fehler einzugestehen.

DigitalVD.de: Ist Ida zu schwierig?

Alexandra Maria Lara: Na ja; sie verlieben sich, und keiner weiß, wie der andere ist. Beide haben plausible Gründe. Sie ist kreativ, aktiv und interessiert sich für alles, er aber nicht. Die Liebe zwischen den beiden beginnt zwar wundervoll, aber irgendwann haken die Interessen, weil Otto die andere, passive Richtung geht. Da entwickelt sich dann bei Ida der Drang noch extremer, immer mehr, immer Neues zu wollen. Sie verliert sich dann darin, findet keine Grenzen mehr. Und sie fordert Anerkennung, Emotionen von ihrem Mann, bittet darum, von ihm geliebt zu werden zu. Sie will ihn beteiligen, aber er regt sich nicht.

DigitalVD.de: Aber Ida erlebt doch zum Schluß auch eine Entwicklung?

Alexandra Maria Lara: Auf jeden Fall erfährt sie am Ende einen Lernprozeß und Kompromiß. So richtig glücklich war sie ja am Ende, als sie reich waren, doch nicht. Sie will ihr Glück finden, obwohl sie ihren Charakter doch nicht ändern kann. So träumt sie wieder davon, Camping-Mode zu entwerfen. Aber sie ist nicht mehr so exaltiert.

DigitalVD.de: Was war für Sie denn problematisch?

Alexandra Maria Lara: Besonders schwierig war für mich der Wechsel von Japan nach Deutschland. Ich musste mich knallhart umstellen, weil wir direkt die Schlossszenen drehten, also jenes Stadium, in dem Ida und Otto sehr reich sind. Vom Zelt in Japan in die Prachtvilla am See, da musste ich mich mental schon gehörig umstellen. Deutschland und Japan, das ist wie Feuer und Wasser.

DigitalVD.de: Welche Erfahrungen haben Sie in Japan gesammelt?

Alexandra Maria Lara: Ich bin sehr glücklich über diese drei Wochen in Japan. Die Eindrücke, die ich dort sammeln konnte waren fantastisch, ich war ja das 1. Mal dort. Wir haben sehr schnell Anschluß bekommen, die Japaner sind sehr höflich und hilfsbereit. Diese Höflichkeit hat wirklich viel Anrührendes. Aber das Kurioseste waren für mich die Touristenscharen aus Deutschland und England, die dort, mit Kamera und Reiseführer bewaffnet, genau so auftreten, wie die Japaner hier. Das war schon lustig. Es ist phänomenal, Großstädte wie Tokio zu erleben, es ist alles völlig anders als in Europa. Während des Drehs in Deutschland lernte ich übrigens so ganz nebenbei Stricken und Häkeln…

DigitalVD.de: Wie war die Zusammenarbeit mit Doris Dörrie?

Alexandra Maria Lara: Nach „Nackt“ ist es ja der zweite Film, den ich schon mit Doris gedreht habe: Ich muß sagen, dass ich jedes Mal reich an Erfahrung und mit vielen Erkenntnissen aus den Dreharbeiten gekommen bin. Doris hat den speziellen Kopf und Charakter, manchmal nicht einfach, jedoch immer wieder wunderbar, mit ihr zu arbeiten, denn sie hat ein wahnsinniges Wissen und eine Disziplin, die sie sehr gut vermittelt.
Was mich besonders fasziniert, ist ihr Sinn und das Feeling für jedes einzelne Detail; das sieht man beispielsweise an der japanischen Glückskatze im Film, die sich in ihrer Größe den jeweiligen Besitzverhältnissen angleicht. Es stimmt einfach alles bei ihr, die Dialoge, die Farben, das Dekor, die Stimmung. Es ist wirklich eine Freude, mit Doris zu drehen. Darüber bin ich sehr glücklich.

DigitalVD.de: Was planen Sie als nächstes?

Alexandra Maria Lara: Ich drehe einen Film an der Seite von Till Schweiger und Jürgen Vogel, worauf ich mich jetzt schon freue. Da geht es diesmal nicht um Fische…

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Interview mit Christian Ulmen zu “Der Fischer und seine Frau”

DigitalVD.de: Wie haben Sie die Dreharbeiten zu Der Fischer und seine Frau in Japan erlebt?

Christian Ulmen: Es war ein für alle Beteiligten tolles Erlebnis, allein schon diese gehörige Umstellung, nichts ist wieder erkennbar, das Globale ist weg. Besonders faszinierend fand ich, dass ich nichts von einer Globalität spürte; die Japaner leben in einem Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Moderne, einerseits ist es ja das Hightech-Land, auf der anderen Seite dieses antiken Riten mit dem ständigen Schuhe ausziehen. Es ist wirklich alles völlig anders, die Schilder, der Verkehr, die Sitten. Das hat mich sehr beeindruckt, und ich bin heute noch glücklich, wenn ich über diesen Aufenthalt nachdenke, denn ich hatte vorher noch nie so stark das Gefühl, ganz woanders zu sein.

DigitalVD.de: Fühlten Sie sich dadurch als Fremdkörper in einem fernen Land?

Christian Ulmen: Nein, auf keinen Fall. Während wir hier in Europa die Japaner als Exoten mit der Kamera vor Sehenswürdigkeiten angaffen und bestaunen, üben sie sich dagegen in höflicher Zurückhaltung; sie sind gegenüber uns europäische „Langnasen“ überaus höflich reserviert. Dadurch fühlten wir uns nicht als Fremde während der gesamten Dreharbeiten.

DigitalVD.de: Hatten Sie überhaupt keine Probleme?

Christian Ulmen: Doch schon, das ewig kalte und rohe Essen ist mir schon auf den Magen geschlagen, und ich musste mich schon daran gewöhnen, genau wie an das ewige Schuhe ausziehen. Zum Glück stellte man uns in manchen Restaurants heißes Wasser auf den Tisch, so konnte ich meinen Fisch nachkochen und selbst würzen. Eine neue Erfahrung war für mich in diesem Zusammenhang, dass es quasi in vornehmen Restaurants als Affront gilt, Reis oder gar viel Reis zu essen.
Das ist deren Meinung nach eine Füll-Beilage nur für arme Leute. Aber im Grunde genommen war so etwas kein Problem für mich.

DigitalVD.de: Wie war das Verhältnis zu den anderen Darstellern?

Christian Ulmen: Super! Die gesamte Crew hat nicht nur perfekt zusammengearbeitet, sondern auch extrem gut harmoniert, wobei Alexandra, Simon und ich ein eingefleischtes Trio waren, die sich freundschaftlich sehr nahe gekommen sind. Wir haben jeden Abend nach Drehschluss zusammen gesessen oder etwas unternommen. Das war eine sehr, sehr schöne Zeit, obwohl ich immer wieder dachte: „Hier bist Du wirklich ganz woanders.“

DigitalVD.de: Was Hat sie an Doris Dörrie gefallen?

Christian Ulmen: Besonders der unermüdliche Fleiß und die perfekt routinierte Arbeitsweise. Sie weiß genau, was sie will, und das mit viel Enthusiasmus und Engagement; da sprangen die Funken wirklich auf das gesamte Team über. Wir wurden ja auch besonders gut, besonders beim japanischen Filmteam akzeptiert, weil die sehr schnell merkten, wie sehr Doris dieses Land liebt und schätzt.

DigitalVD.de: Wie sehen Sie Ottos Rolle?

Christian Ulmen: Er ist ein Mann, der stehen bleibt und nicht irgendwelchen Vorstellungen nachrennt. Er lässt sich auch nicht von seiner Mutter beeinflussen, die auch immer mehr wollte, mit ihm nach Indien abhaute, in seinen Augen scheiterte. Otto jagt keinen Träumen nach und ist mit seinem Kind glücklich, er entwickelt sich aber langsamer als Ida und kommt letztlich zur Erkenntnis, dass er Zugeständnisse machen muß. Das Problem ist, dass Ida eine schnellere und größere Entwicklung durchmacht. Trotzdem ist Otto am Ende sehr zufrieden, dass er seine Frau hat. Sie träumt zwar immer, aber da muß er einfach durch.

DigitalVD.de: Sind Sie so wie Otto?

Christian Ulmen: Ja und nein. Otto hat eine andere Kindheit als ich. Meine Mutter war auch in Indien. Ich war im Großen und Ganzen auch zufrieden, aber Otto ist zu zufrieden. Das war ich in meiner Kindheit nie. Ich habe immer schon frühzeitig die Bremse getreten, wenn mir etwas nicht gefiel. Das macht Otto nicht. Der lässt sich einfach treiben. Ich hätte mich nicht so schnell mit allem zufrieden gegeben.

DigitalVD.de: Und wie sieht Otto dann Ida?

Christian Ulmen: Otto ist zunächst beeindruckt vom Elan und Tatendrang, den Ida mitbringt. Er hat nicht bedacht, dass sie immer mehr will, und er nicht mehr hinterher kommt Das nervt ihn. Aber besonders, dass er in ihren Augen wie ein Loser dasteht, der sich nicht rührt. Wäre er anders, würde sie weniger haben wollen, würde Otto vielleicht auch etwas mehr wollen. Otto will sie ja bremsen mit seinem Stillstand.

DigitalVD.de: Dieser Stillstand bringt ja alles ins Wanken…

Christian Ulmen: Ja klar, Ida ist ja auch wie Leo, der immer mehr will. Otto ist froh mit den kleinen Dingen, die er hat, während Ida und Leo sich immer mehr in ihre Wünsche versteifen und alles aufs Spiel setzen.

DigitalVD.de: Bringen denn die Ähnlichkeiten nicht unterschiedliche Resultate?

Christian Ulmen: Schon: Otto mit seinem Fachwissen und Leo mit seinem Geschäftssinn stehen in einem ähnlichen Verhältnis wie Ida und Otto. In einer Freundschaft sind solche Differenzen natürlich besser zu ertragen und zu bewältigen als in einer Liebes-Beziehung. Das ist einfacher, weil auch die Anforderungen nicht so hochgeschraubt sind. Ich finde im Allgemeinen Charaktere toll, die weniger wollen.

DigitalVD.de: Und wie finden Sie Ida in Wirklichkeit?

Christian Ulmen: Einfach klasse. Lara ist eine wunderbare Kollegin, die hervorragend spielt. Sie kann auf Knopfdruck sämtliche Emotionen vorspielen. Man merkt einfach, dass sie die ganzen Handwerklichkeiten gelernt hat. Sie ist einfach ein Profi, genau wie Doris Dörrie, die aus einem Märchen einen grandiosen Film gezaubert hat: Wie sie diese interessanten Assoziationsketten vom Buch, Drehbuch und Film unter einen Hut bringt, das ist einfach genial.

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Serienkiller Jigsaw in Saw 3 – wir sprachen mit Darren Lynn Bousman


saw3.thumbnail Serienkiller Jigsaw in Saw 3   wir sprachen mit Darren Lynn Bousman

Es ist wieder soweit, und es ist wieder nicht unumstritten: Der spaßig-quälfreudige Serienkiller Jigsaw (Tobin Bell, In the Line of Fire)) ist einfach nicht zu erledigen, die Polizei kann ihn einfach nicht schnappen. Doch eine schwere Krebserkrankung macht dem Berufssadisten schwer zu schaffen. Deshalb hat er sich auch rechtzeitig um eine würdeige Nachfolge bemüht. Die ehemalige Drogensüchtige Amanda (Shawnee Smith) ist Jigsaws gelehrige Schülerin. Ihre Reifeprüfung steht ins Haus, und die Ärztin Dr. Lynn Denlon (Bahar Soomekh) bekommt dies seelisch schmerzhaft zu spüren. Sie wird gekidnappt, um in Jigsaws Labor den Ulta-Psychopathen am kärglichen Leben zu erhalten. Als kleinen persönlichen Anreiz bekommt sie eine dekorative wie explosive Halskrause umgelegt, die in direkter Verbindung mit Jigsaws Herzschlag reagiert: Im Falle seines Ablebens, wird synchron dazu die schöne Frau Dr. explosiv enthauptet…

Keine Frage, zählt dieses dritte Sequel zur härtesten und unerträglichsten Folge der Killing-Parcour-Serie. Medienwissenschaftler werden wieder mit ihren Studenten die mediale Gewaltdarstellung und ihre Auswirkungen bis zum Erbrechen ausdiskutieren. Gerade in einer Zeit, in der Schüler mal eben schwer bewaffnet nicht nur in den USA Amok laufen….

Mit Darren Lynn Bousman sprach DigitalVD.de in München:

DigitalVD.de: Wieso unbedingt ein dritter Teil?

Bousman: Weil die ersten 2 weltweit Erfolg haben, eine mondiale feste und treue Fan-Gemeinde haben. Der Unterschied besteht darin, dass es nun in den Mainstream-Bereich gegangen ist. Im Gegenteil, zwei weitere Saw –Folgen sind bereits in der Planung. Warum auch nicht? Denken sie nur einmal an die „Rocky“ – Serie.

DigitalVD.de: Also geht es nur ums Geld, und die Kuh wird bis zur Trockenheit gemolken?

Bousman: Na ja, ganz so schlimm würde ich es aber nicht betrachten, Sie sehen ja, mit wie viel Sorgfalt und Enthusiasmus gerade dieser 3. Teil gedreht wurde. Das macht auch irgendwie Spaß, sich in immer neueren, schrägen Ideen zu verlieren. Geld das brauchen wir doch letztlich alle, oder? Und das habe ich schmerzhaft beim Dreh selber erfahren müssen.

DigitalVD.de: Wieso?

Bousman: Weil wieder einmal ein sehr schmales Budget hatten: Die Location war auf Kuba in einer verrotteten und verlassenen Fleischfabrik, und wir haben den gesamten Dreh in gut zwei Wochen hinter uns bringen müssen, mit allem Drum und Dran. Das bedeutete natürlich Stress rund um die Uhr. Und dafür kann sich meiner Meinung nach das Setting mehr als sehen lassen. Das war eine riesige Bastel- und Installationsarbeit, alleine diese hundsgemeinen Maschinerien und Accessoires noch pünktlich hinzubekommen.

DigitalVD.de: Ja, dass muß man freimütig zugeben; anscheinend waren die Schauspieler auch sehr diszipliniert…

Bousman: Genau, allein Tobin Bell und die anderen zwei Hauptdarsteller. Sie können mir glauben, das war kein einfacher Dreh, um im Fun-Ambiente einen Film zu drehen. Denken Sie nur einmal an den Richter im Trog, der in präzisen Abständen von Schweine-Innereien übergossen wird. Klar, die waren nicht echt, aber da muß man ja schon beim Hinschauen kotzen. Und Tobin Bell war der intensivste von allen, der sieht schon so hundsgemein aus, ist einer der nettesten Typen, die ich jemals getroffen habe; ein lieber Familienvater, der im Vorstand des Jugendbaseball-Vereines seines Sohnes sitzt. Ohne die Spielfreude meines Teams wäre Saw 3 nie so intensiv zustande gekommen….

DigitalVD.de: Intensiv, ja gut, aber ist die bestialische Quälerei nicht zu intensiv?

Bousman: Das muß ich natürlich mit einem klaren „Nein“ beantworten. Film reagiert ja immer auf die Bedürfnisse seiner Kundschaft. Denken Sie mal an „Caligari“ oder „Henry-Portrait of a Serial Killer“: Das hat es immer schon im Film gegeben und wird auch so für ewig bleiben. Man kann damit auch Frust abbauen, Aggressionen mindern, wenn das Sichten vernünftig ausgeglichen wird. Außerdem gibt es ja noch die Altersfreigaben und den Jugendschutz.

DigitalVD.de: Und warum werden dann die Kids immer gewalttätiger und skrupelloser? Da gibt es doch die verfestigten Animationsthesen…

Bousman: Ja klar, ich bin mir aber sicher, dass nicht dass nicht Kino und Video dafür zu verantworten sind, sondern vielmehr diese Brutalo-Games ohne Grenzen; die Erfahrung hat gezeigt, dass die jugendlichen Gewalttäter fast immer auch sehr intensiver Baller-Gamer waren. Das sind die potentiellen Mörder und Amokläufer. Wenn ein Jungendlicher so durchdreht, dann hat das zum größten Teil immer familiäre Ursachen gehabt, denn da stimmte es meistens schon nicht. Die kaputte Familie ist die Ursache für kaputtes Fehlverhalten der Kids.

DigitalVD.de: Was planen Sie als nächstes?

Bousman: Sie werden es mir nicht glauben, aber ein Musical über den Irak. Ich wollte immer schon ein solches Genre filmisch versuchen. Und Musical in Verbindung mit dem Irak, da ist es unschwer vorstellbar, dass es eine ziemliche groteske und durchgeknallte Sache wird. Ich freue mich schon darauf!

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Interview mit Ben zu “Der weiße Planet”


weisse planet.thumbnail Interview mit Ben zu Der weiße Planet

DigitalVD.de: Wie bist Du gerade auf diesen Film gestoßen?

Ben: Das war eben Zufall, wie es n der Branche mit Mundpropaganda so läuft. Dann bot man mir diese Sprecherrolle an, und ich habe natürlich sofort zugesagt.

DigitalVD.de: Was hat Dich denn daran derart begeistert?

Ben: Das Thema natürlich, weil es mit unserer Realität so wenig zu tun hat. Das ist eine völlig anerde Welt; wenn man die Bilder des Films betrachtet, bleibt ein großer Freiraum für Träume. Da ist das leben noch einigermaßen ok, ich betone aber das Wort „noch“. Die Menschen werden immer weniger die Fähigkeit zu träumen haben. Schau Dir doch nur mal diese Hektik hier vor den Feiertagen und zum „stillen, heiligen“ Fest an: Wie sollen die denn am Heiligen Abend noch rechtzeitig runterkommen, um das bewusst zu erleben und zu genießen?

DigitalVD.de: Ist denn der Weiße Planet nur Flucht, oder auch kritische Mahnung für Dich?

Ben: im Grunde genommen beides. Du schaust ihn Dir an, und kannst die Klappe halten. Die Bilder wirken ihrerseits auch gerade ohne viele Worte immens. Dann spürst Du schon nach wenigen Filmminuten, wie grandios und wunderschön die Natur beschaffen ist. Leider verlieren die Menschen immer mehr den Bezug dazu, die gesamte Gesellschaft wird immer künstlicher, die Generation meines Alters haben schon kaum etwas mit der Welt, Umwelt und Natur gemein. Das ist jammerschade.

DigitalVD.de: Wie kann man das lösen?

Ben: Indem jeder zum anderen sagt. „Dein Problem ist auch mein Problem!“ Denn ich möchte einmal eigene Kinder haben, mit denen ich die vier Jahreszeiten erleben will, wie sie waren und noch einigermaßen sind. Die Kinder sehen ja nur noch Wild in überfahrener Form auf den Straßen. Ein Reh zu entdecken, ist ja schon grandios. Und die armen Kreaturen im Zoo zu begaffen, ist mit Sicherheit nicht das, was die Leute auf Dauer wollen. Da muß sich einigermaßen etwas ändern. Ich gehe selbst mit mir ins Gericht. Ich bin auch als Vielflieger und Autofahrer eine richtige Umweltsau.

DigitalVD.de: Was plant die „Sau“ als nächstes Projekt?

Ben: Ich werde im Frühjahr für RTL in einer Sketsch-Comedy mitwirken. Mal sehen, wie das wird, und ob mir das überhaupt liegt. Ich denke aber, in meinem Alter hat man noch viel Zeit, alles zu erlernen und auszuprobieren.

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Interview mit Candela Pena zu Princesas mit DigitalVD.de in München


princesas.thumbnail Interview mit Candela Pena zu Princesas mit DigitalVD.de in München

DigitalVD.de: Was hat Dich an dem Projekt besonders gereizt?

Candela Péna: Das Drehbuch! Ich noch nie ein solches interessantes Drehbuch gelesen. Das war wie für mich geschrieben. Ich kannte Fernando nicht, ich hatte mir ein Bild von ihm gemacht, nachdem ich seinen Film „Familia“ bewunderte hatte. Es war wirklich eine tolle Sache, das Script zu studieren. Es war nicht nur das Aufregendste, was mir je in meinem Leben untergekommen ist, ich habe mich vor allem gefragt, wie jemand das schreiben konnte, ohne das entsprechende Pendant zu kennen. Wie konnte jemand meine Persönlichkeit in eine Filmfigur einbauen? Es war fast unglaublich, wie sehr sich die Art, wie Caye etwas sagt, wie sie sich schützt und zu retten versucht. Für mich eine sehr harte, aber einzigartige Erfahrung.

DigitalVD.de: Wie war überhaupt die Arbeit mit Fernando León de Aranoa?

Candela Péna: Schön heftig! Aber das liegt nicht an der mangelnden Erfahrung, sondern daran, dass jeder ein anderer Typ und jeder Regisseur eine eigene Welt für sich darstellt. Und seine Welt ist mit anderen Nuancen, mit anderen Farben ausgefüllt. Ich glaube, dass es manchmal nicht leicht für ihn war, einen Film mit lauter Weibern zu produzieren. Ich persönlich fand es manchmal wirklich richtig nervig. Die Kleiderproben zum Beispiel, bei denen es nicht darum ging, irgendein Kostüm anzuziehen, sondern es auszuziehen, oder unsere Zweifel und Unsicherheiten, mit denen er stündlich umgehen musste. Fernando war immer wie ein Zwilling bei uns. Und die zweite Drehwoche war unglaublich. Mit allen diesen Superfrauen in der kleinen Friseurbude eingesperrt zu sein, in dem es obendrein höllisch heiß war. Da lagen die Nerven manchmal blank.

DigitalVD.de: Haben Sie sich besonders auf das Thema vorbereitet?

Candela Péna: Aber wie, wochenlang, ja Monate! Zunächst über Bücher und Artikeln „schlau“ gelesen, dann vor Ort: Wir haben in Entrevías gedreht, einem Stadtteil von Madrid, gegessen wurde in kleinen Kneipen um die Ecke. Ab dem zweiten Drehtag dort waren wir die Prinzessinnen des Viertels. Den Dreh in Casa de Campo, dem Prostituiertenviertel, haben wir mit den Leuten von „Hetaira“ vorbereitet, einem Verein, der mit den Prostituierten dort zusammenarbeitet. Sie kommen mit einem kleinen Auto, um den Mädchen Getränke, Kekse und natürlich Kondome zu geben. Und die Prostituierten erzählen ihnen dann, wenn sie ein wenig vertrauen gefasst haben, ihre teilweise unglaublichsten und bizarrsten Geschichten.

DigitalVD.de: Wie kann man den Mädchen denn helfen?

Candela Péna: Das ist fast aussichtslos, weil gerade Spanien ein Immigrationsland in höchster Form ist. Hier trudeln und stranden aus aller Welt alle möglichen Menschen, Mädchen ein, die von einem kleinen bisschen Glück träumen. Im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten sind die spanischen Prostituierten nicht unbedingt an einen Zuhälter fixiert. Es ist wirklich unglaublich, aber die meisten Mädchen machen das freiwillig, teilweise sogar gerne. Das böse Erwachen kommt dann später. Man sollte die Frauen selbst besser, wie auch den Normalbürger, über deren Situation informieren. Dann würden sie von den Scheinheiligen Spießern auch nicht so böse vorverurteilt und verteufelt. Die Information und Kommunikation ist das Wichtigste in diesem Metier.

DigitalVD.de: Wer ist denn für Dich eine wahre „Princesas?“

Candela Péna: Alle Mädchen dieser Welt, die für ihre Träume kämpfen, ganz gleich, auf welche Art und Weise. Wenn ich erklären sollte, was eine Prinzessin ist, würde ich sagen: eine einzigartige und starkr Frau. Eine Prinzessin besitzt ein kleines Königreich, ein sehr kleines, aber es ist ihr eigenes. Das Königreich von Caye ist sehr einfach, viele würden es vielleicht „normal“ nennen. Ihr würde es schon gefallen, normal zu sein. Sie hat gar nicht den ganz großen Anspruch, anders zu sein oder einzigartig zu sein. Eigentlich möchte sie nur ganz normal sein und einfach leben. Diese Frauen, die weggehen, um ihren Familien etwas Besseres zu bieten, verdienen für mich ein gigantisches Denkmal. Das, denke ich, hat Fernando mit „Pincesas“ erzählt; mit tiefem Verständnis und einer großen Liebe zum Detail.

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DiogitalVD.de sprach mit Doris Dörrie in München über den magen, der durch die Liebe geht… Interview mit Doris Dörrie zu „How To Cook Your Life“


how to cook your life.thumbnail DiogitalVD.de sprach mit Doris Dörrie in München über den magen, der durch die Liebe geht… Interview mit Doris Dörrie zu „How To Cook Your Life“

….“Essen ist Politik und Kultur“….

Edward Espe Brown: Verfasser der berühmten Tassajara Kochbücher, Philosoph, Zen-Lehrmeister. Und Meisterkoch. Doris Dörrie hat Ed Brown getroffen und er hat ihr aus seinem Leben berichtet. Ein heiterer Dokumentarfilm, der von der Kunst des Kochens erzählt – und von der Kunst, sein Leben zu kochen, ohne dass man es anbrennen lässt, versalzt oder verkocht. Doris Dörrie und der kochende Zen-Priester Edward Brown zeigen, dass Essen mehr ist als bloße Nahrungsaufnahme , sondern ein Fest der Sinne, ein Akt der Liebe und Großzügigkeit ist. Im Sommer 2006 reiste Doris Dörrie mit einem kleinen Filmteam in das buddhis-tische Zentrum Scheibbs nach Österreich, dann weiter nach Kalifornien in das Tassajara Zen Mountain Center und in das San Francisco Zen Center. Dort begleitete sie Edward Brown, der dort Menschen aller Generationen unterrichtete. Die Kamera ist Koch-kursteilnehmer, wenn Edward Brown seine Lektionen hält, nach den Lehren des Zen-Meisters Dogen von 1238.

DigitalVD.de: Wo sind die Ursprünge dieser buddhistischen Koch- und Lebensweisheiten zu finden?

Doris Dörrie: Da ist Suzuki Roshi, der Lehrer von Edward Brown. Er kam den 60er Jahren aus Japan nach San Francisco und gründete in den Bergen Kaliforniens ein Zen Center: i Roshi steht in der Tradition von Meister Dogen, der im 13. Jh. den Buddhismus aus China nach Japan gebracht hatte. Morgens in der Küche in Tassajara wird heute noch der uralte Text von Meister Dogen gesungen: „Wenn du Reis wäschst, wasch den Reis. Vergeude kein einziges Reiskorn. Behandle Lebensmittel wie dein Augenlicht. Bemüh dich aufrichtig und verpass deine Chance nicht, das Leiden zu verringern, anstatt es zu vermehren.“ Kochen wie es Edward Brown tut, ist praxisnahes Leben, eine Aufforderung zur Vorsicht und Bedächtigkeit, sich wirklich in diesem Moment bei der Sache aufzuhalten.

DigitalVD.de: Gehört denn Für Sie Essen unbedingt in den Film?

Doris Dörrie: Mit Sicherheit ja, ich bin selber verfressen und in einen Spiel- oder Doku-mentarfilm gehört das Essen, weil es doch eine sehr zentrale Rolle in unserem Leben spielt. Doch muß man sich im Klaren sein, was man sich da aufhalst: Ich wollte Kochen und Essen unbedingt zugänglich machen. Da sollte aber keineswegs dahingehend führen, daß wir Deutschen mittlerweile das dickste Volk in Europa sind. Es geht darum, bewußter und auch genüsslich zu essen. Da hängt soviel Lebensweisheit mit dran, Essen ist Politik und Kultur.

DigitalVD.de: Da haben wir Deutschen ja nicht gerade den anspruchsvollsten Stellenwert…?

Doris Dörrie: Genau das ist der springende Punkt. Wir sind billige Nahrungsmittel gewöhnt, kaufen extrem billig ein und rangieren im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn bei den Ausgaben für Nahrungsmittel ganz weit hinten. Hauptsache viel und preisgünstig. Es geht um die grundsätzliche Frage: „Wieviel bin ich mir selbst überhaupt wert?“ Der Buddhismus schreibt da beispielsweise eine große Eigen-verantwortung dem Menschen zu. Da frage ich mich, wo findet dann noch die für uns alle so wichtige Kommunikation noch statt? In der Küche natürlich, in der die Menschen gemeinsam essen.

DigitalVD.de: Und wie soll diese in der Praxis aussehen?

Doris Dörrie: Wichtig in diesem Zusammenhang ist vor allem die Zeit, die man beim Essen zusammen verbringt. Jeder ißt doch nur noch für sich allein, morgens ein Plunderteilchen und der Kaffe e im Plastikbecher, abends das schnell gerichtetes Fast-Food-Essen, Hauptsache, man verliert ja nicht zuviel Zeit dabei. Genau da ist der springende Punkt. Sitzen die Menschen zusammen, kommunizieren sie auch. Das wird immer seltener, selbst in Ländern, wo das Essen noch mehrstündige Tradition besaß. Das werden Sie heute auch nicht mehr in Frankreich, Italien oder Spanien mehr sehen. Die Siesta ist passée. Die Kardinalfrage bleibt: “Womit verbringen wir Zeit, was ist uns besonders wichtig, wie können wir die Zeit zurückerobern, anstatt uns immer mehr in isolierten, virtuellen Welten zu bewegen, um auch zu vereinsamen? Eine starke Prise Eigenverantwortung gehört für mich dazu.

DigitalVD.de: Und was denken Sie von Popcorn, Nachos und Cola im Kino?

Doris Dörrie: Na ja, da bin ich auch eher buddhistischer eingestellt und meine, daß man sich doch hauptsächlich auf die Sache, also auf den Film selbst konzentrieren sollte. Für mich bedeutet das: Zuerst den Film anschauen, dann erst essen. Abgesehen davon finde Popcorn kauen auch sehr nervend und störend. Wenn so jemand neben Ihnen sitzt, dann viel Spaß beim Zuschauen… Das ist genau so, wie all die anderen netten „Köstlichkeiten“ die man da in sich hineinschlingt.

DigitalVD.de: Würden Sie sich als überzeugte Buddhistin bezeichnen?

Doris Dörrie: Ich glaube kaum, denn weiß ich zu wenig; ich bemühe mich aber darum. Aber was soll eigentlich Buddhismus in reinster Form überhaupt sein. Das bedeutet für mich ein Lebenskonzept, eine Sicht der Dinge, keine Glaubensreligion im herkömmlichen Sinne. Im Buddhismus existiert auch kein Gottesbegriff, und kein Mensch so oder so gestaltet sein muß, an irgendetwas überhaupt fest zu glauben. Auf der anderen Seite bin ich auch nicht aus der Kirche ausgetreten, habe ich auch nicht vor, weil es mit dem Christentum keinerlei Schnittmengen gibt.

DigitalVD.de: Ihr Film besitzt einen amüsanten und lockeren Nimbus. Er wirkt nicht pädagogisierend…

Doris Dörrie: Das kann ich auch absolut nicht ab, den stets erhobenen Zeigefinger mag ich gar nicht. Ich ergreife auch immer sofort die Flucht, wenn mir jemand zu didaktisch ist. Ich mag das nicht, wenn man mir sagt, wie ich zu leben habe, oder was ich tun oder essen soll. Aber womit man mich immer begeistern kann, ist eben Humor. Das war auch für mich der Hauptgrund, warum ich Edward Brown mochte, weil er so voller Humor und so ambivalent ist. Er ist Zen-Priester, aber ganz und gar „unheilig“.

DigitalVD.de: Was bedeutet für Sie dann Glück?

Doris Dörrie: Glück ist für mich situativ, ein Augenblick. Den Moment zu leben, dann existent zu sein, sich auf das gesehene, gehörte und Gefühlte zu konzentrieren, das ist ein gutes Glücksrezept für mich. Das kann nur ausprobiert werden, diesen Moment auch wirklich genau wahrzunehmen, und ihn dann zum Guten verändern zu können. Ich kann für mich selbst beschließen. glücklich zu sein. Das ist die entscheidende Frage, wie wir etwas wahrnehmen, um dann damit umgehen. Verbunden, vertraut zu sein, ist für mich auch eine Form von Glück.

DigitalVD.de: Sie sind ja Regisseurin, Kamerafrau und Buch-Autorin in Personalunion: Was machen Sie lieber?

Doris Dörrie: Das ist gar nicht so schwer zu beantworten, weil sich alles so sehr unterscheidet. Ich gehe einfach immer davon aus, was mich im Moment interessiert, um dann sogleich an die Arbeit zu gehen. Eigentlich geschieht alles nach Lust und Laune. Hinzu kommt meine unbändige Neugierde. Die treibt mich immer wieder nach vorne. Dadurch lerne ich ja auch sehr viel Neues. Ich finde es gut, das zu bewerkstelligen, wonach man sich gerade fühlt. Das unterliegt natürlich gewissen, immer wiederkehrenden Phasen, nach denen ich mich emotional richte. Habe ich Zeit und Muße, schreibe ich, bin ich aktiv und wissensbegierig, drehe ich Filme, um damit wieder Neues zu erschließen, was wiederum nach geraumer zeit literarisch zu Buche schlagen kann.

DigitalVD.de: Was ist denn für Sie interessanter, Spielfilm oder Dokumentation?

Doris Dörrie: Ich mache beides gerne, wie ich auch hin und wieder selbst hinter der Kamera stehe. Der Dokumentarfilm erfordert mehr Achtsam-keit und Bedächtigkeit, weil er anders strukturiert ist. Es geht um das rein gefilmte Sujet, ohne große Spielereien. Wir haben für „How To Cook Your Life“ eine Unmenge an Rohmaterial, die dann erst einmal bearbeitet werden mußte. In Dokumentationen sollte alles sehr gut passen, zugunsten der Wahrheit, die Dokumentarfilme verlangen, ohne viel Ornamente und Spielereien.

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Gucha: Dušan Mili? über Trompeten, verbotene Lieben und einem glücklichen Happy End

Der 38jährige Regisseur Dušan Milic aus Belgrad ist nicht nur Filmemacher, sondern selbst ein begeisterter Kinofan, der von einem guten Film „Lachen und Weinen“ verlangt. Für seinen Mentor, Emir Kusturica, verfaßte er mehrere Drehbücher, drehte eine Fernsehserie und produzierte diverse Low- Budget-Werbefilme und Musikclips für einige serbische Undergroundbands. 2003 lief sein Regiedebüt “Jagoda u supermarketu” im Berlinale-Panorama. In „Gucha“ kämpft der 16jährige Romeo (Marko Markovic), ein serbischer Roma, um die Liebe von Juliana, 16 (Aleksandra Manasijevic´, der Tochter eines konkurrierenden Jazzmusikers. Nur wenn Romeo den Musikwettbewerb in „Gucha“, das ist Veranstaltungsort des weltbekannten Trompeten-Festivals, gewinnt, ist Julias Vater bereit, der Verbindung zuzustimmen.

DigitalVD.de: Wie sind Sie auf das Thema gekommen?

Dušan Milic: Diese kleine Stadt Gucha, die es wirklich gibt, würde wohl keiner kennen, würden hier nicht jedes Jahr hier die “Weltmeisterschaft der Blechbläser” stattfinden. Seit 40 Jahren treffen sich hier alljährlich mehr als eine Viertelmillion Besucher und die Allerbesten der Gypsy-Blechbläserszene des Balkans. Vor einer Jury spielen mehrere Dutzend Kapellen um die „Goldene Trompete“. Das war für mich der Rahmen. Der Plot sollte eine schöne und herzergreifende Romeo und Julia-Story sein, unheimlich rührig wie ein Bollywood-Film, sehr bunt, mit viel Musik und vor allem aber nicht so traurig und blutig wie bei William Shakesspeare.

DigitalVD.de: Was bedeutet dieses Gucha-Festival für die Teilnehmenden und die Zuschauer?

Dušan Milic: Das Festival gibt es jetzt seit über einem halben Jahrhundert. Es ging und geht um Musik, Folklore, gute Laune und Wettbewerb. Und selbst zu harten Titos-Zeiten bliesen die Kapellen patriotische Lieder und Märsche. Dieses kleine Dorf ist im Laufe der Zeit zum Inbegriff für die Blasmusik geworden. Besonders witzig und teilweise sehr hart wird es, wenn Serben gegen Roma antreten. Roma können pro-blemlos nach ihrem Gehör spielen, Serben dagegen oft nach Plan. Man kann sich leicht vorstellen, dass gerade die Roma, und auch ihre Musik ziemlich niedergemacht und diskriminiert werden. Und nur Gucha ist für sie die Trompeten-Pattform schlecht-hin mit ihrer „schwarzen“ Musik aus dem Süden und Südosten Serbiens gegen die „weißen“ Orchester aus dem Westen Serbiens anzuspielen. Da ist richtig was los, da kommen über eine halbe Million Menschen zusammen. Und jedes Jahr macht es wieder jedes Mal von neuem sehr große Freude, da auch nur zuzusehen. Das können Sie mir glauben.

DigitalVD.de: Was können Sie über beiden rivalisierenden Gruppen sagen?

Dušan Milic: Der Preisträger lautete fünfmal hintereinander Boban Markovic. Dann durfte er als überragender Vertreter dieser “Balcan Fusion”-Musik mit seinem Orchester nur noch außer Konkurrenz auftreten. Zum “Boban Markovic Orkestar” gehört als Solist und Arrangeur auch Boban Markovics 1988 geborener Sohn Marko, der in diesem Musik-Melodrama, einer filmischen Fiktion vor authentischem Hintergrund, die männliche Hauptrolle spielt: einen aufsteigenden Trompeten-Star und Gypsy-Romeo, in den sich unser schönes serbisches Mädchen verguckt…

DigitalVD.de: Wie bekommt man 1.5 Millionen für ein solches Projekt zusammen?

Dušan Milic: Ohne Zuschüsse ist es gerade in Serbien unmöglich, einen guten, ansprechenden und vernünftigen Film zu drehen. Es dauerte schließlich über drei Jahre von der Idee bis zum fertigen Film. Mein Glück war, dass sich der Produzent Karl Baumgartner stark involvierte. Er half mir auch bei der Entwicklung des Projek-tes, bevor andere Koproduzenten mitmachten. Danach dann die Fördergelder von Eurimages, Filmfonds Wien, Bulgarien National Film Center, und so weiter. Dann legten wir los.

DigitalVD.de: Wie sehr und wie schnell legten Sie dann los?

Dušan Milic: Wir filmten mehr als 10 Tage in Gucha über das sogenannte „Brass Festval“, mit 130 Leuten im Film-Team. Das war schon ein sehr großes Unterfangen. Dafür wurde dieses grandiose Ereignis in Gucha vor 2 Jahren extra noch drei Tage verlängert, so daß es ganze sieben Tage lief. Wenn das nicht so gelaufen wäre, hätten wie die interessantesten Szenen, wie beim nächtlichen Finale, gar nicht auf Film bekommen. Das war schon alles recht abenteuerlich. Wenn jetzt auch nur ein wichtiges Take oder eine Einstellung nicht dabei gewesen wäre, hätte das eine Katastrophe gegeben, weil wir dann noch ein Jahr bis zum nächsten Fest hätten warten müssen.

DigitalVD.de: Wie lief es mit „Romeo und Julia?“

Dušan Milic: Sehr gut, muß ich sagen. Die beiden haben sich auch prächtig verstanden. Juliana Manasijevic´ und Marko Markovic sind noch sehr jung und lernfähig. Sie ist 16, er 19 Jahre alt. Das hat uns schon verblüfft, wie gut die beiden da kapierten. Marko ist besonders talentiert, mit knapp 16 Jahren trat er schon in das Orchester seines Vaters Boban Markovics ein und ist ein Virtuose, klar, der trompetete schon im Kindergarten leidenschaftlich gerne, wie mir sein Vater berichtete. Marko hatte überhaupt keine Erfahrung, Juliana hatte wenigstens schon im Amateur-Theater ihre Erfahrungen gemacht. Aber nach den ersten Proben war mir klar. Die nehme ich ohne groß zu überlegen beide. Das habe ich auch absolut nicht bereut.

DigitalVD.de: Gehen denn der Plot Ihrer Geschichte nicht vor lauter Trompeterei mit Sang und Klang unter?

Dušan Milic: Für mich war es von Anfang an, ein sehr emotionales Melodram zu drehen, keine Tragödie. Deswegen auch nicht dieses schreckliche Ende wie bei Shakesspeare. Musik ist das zweite, aber nicht unwichtigere Element gewesen. Die Story ist in ihr eingebettet. Und nur durch die Musik kommen die beiden ja endlich zusammen. Die fröhliche, tragisch-melancholische Musik spiegelt ja auch den Tenor von Gucha wieder. Und Marko wir durch sie zum Mann, indem er mit seinen neuen Ideen, die traditionelle Roma-Musik seines berühmten Vaters mit eigenen Zwischen-tönen revolutioniert. Und obendrein gewinnt er durch seinen beharrlichen Einsatz auch noch die liebe seines Lebens, nämlich Juliana. Und das sie gerade die Tochter vom Chef der „weißen“ Band ist, macht es ja so spannend. Der Soundtrack spielt ja schlechthin auch bei Kusturica in „Time Of The Gypsies“ eine entscheidende Rolle. Ohne den funktioniert ja gar nichts.

DigitalVD.de: Ist Emir Kusturica denn nicht ohnehin ihr Vorbild?

Dušan Milic: Klar, er ist ein grandioser Regisseur, der den osteuropäischen Film revolutionierte und ihn in den Westen brachte. Denken Sie nur an „Arizona Dream“. Mein Lieblingsfilm von ihm ist jedoch „Schwarze Katze, Weißer Kater“. Da gibt es Einflüsse und Ähnlichkeiten, aber keine Kopien und Abbilder. Ich habe doch etwas anderes auch gelernt, und für Underground-Musik-Gruppen Clips gedreht. Die Tech-nik hat sich ja ebenso rasend gewandelt, wir haben ja als jüngere Regisseure viel mehr Möglichkeiten, vor allem viel einfachere Möglichkeiten. Das Equipment ist digitaler, die Kameras nicht mehr so behäbig und schwer. Das verändert schon einen Film ganz entscheidend.

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Interview: Heino Ferch zu Troja


schatz von troja.thumbnail Interview: Heino Ferch zu Troja

Der geheimnisvolle Schatz von Troja“: Auf den anstrengenden Spuren des Archäologen Heinrich Schlieman. Heino Ferch sprach mit DigitalVD.de über den enormen Kraftakt, ein guter Schauspieler zu werden…

Ein sehr ehrgeiziges und ein immens an den Kräften zehrendes Projekt, den Zweiteiler „Der geheimnisvolle Schatz von Troja“ über das Leben des besessenen Hobby-Archäologen Heinrich Schliemann (1822-1890), strahlte im März aus. Die Titelrolle spielt kein geringerer als Heino Ferch. An seiner Seite ist der französische Shooting-Star Mélanie Doutey als Heinrich Schliemanns junge griechische Ehefrau Sophie Angastromenos zu bestaunen:

DigitalVD.de: Wie sind Sie auf Heinrich Schliemann gestoßen?

Ferch: Vor einigen Jahren las ich im Flugzeug das Buch „Der Schatz des Priamos“; das faszinierte mich derart, daß mir sogleich eine Verfilmung durch den Kopf ging. Da war die Idee geboren, in die Rolle des Geschäftsmannes und Archäologen zu schlüpfen. Es gibt gewisse Bücher, Serien und Filme, die einen von Kind auf begleiten, wie beispielsweise „Meuterei auf der Bounty“ oder „Robinson Crusoe“.

DigitalVD.de: Was hat Sie dann an den großen Schliemann näher herangebracht?

Ferch: Die Idee für einen Film, oder Zweiteiler stammt eigentlich von meiner Agentin und mir. Ariane Krempe von „teamWorx“ war davon sofort begeistert. Dann kniete ich mich, wie gesagt, sehr intensiv in die Bibliographien und Romane über Heinrich Schliemann. Besonders beeindruckte mich, dass er wirklich nicht in eine Schublade passte, er war sehr bewundernswert, zum anderen auch sehr ungemach, grenzenlos selbstsüchtig. Das war eine gewisse graue Aura, die ihn umgab. Und die machte für mich die Sache noch viel interessanter.

DigitalVD.de: Da war dann noch der Handel mit der wesentlich jüngeren Braut…

Ferch: Ganz genau, eine 18jährige griechische Braut zu kaufen, ist schon ziemlich heftig, finde ich und zeigt, was für ein grenzenloser Macho er doch war. Es musste „seine Helena“ sein, mir der er gemeinsam den Schatz ausgraben wollte. Klar, dass die über Homer bescheid wissen musste! Die beiden streiten, vertragen sich, sie reist ab, kommt wieder, usw. Da ging es schon drunter und drüber.

DigitalVD.de: Wer waren denn Ihre ganz persönlichen Helden?

Ferch: Als Kind schon, aber die beiden Meeresforscher Jacques Cousteau auf seiner „Calypso“ und Hans Hass haben mich schon immer stark und nachhaltig beeindruckt. Ich fand es toll, dass die so wagemutig, ja fast todesmutig ihre Sache, an die sie fest glaubten, durchzogen, ohne Rücksicht auf eigene Verluste. Und obendrein erwiesen sie durch ihre Forschung den Menschen einen großen Dienst. Die beiden haben wirklich ein großartiges Erbe hinterlassen. Man kann das gar nicht genug bewundern, wenn sich Menschen ganz arg für ihre Sache einsetzen, um die mit absoluter Kraft und Disziplin zu erfüllen.

DigitalVD.de: Dann haben Sie auch Kraft und Disziplin?

Ferch: Das habe ich auf jeden Fall sehr strapaziös gelernt und dabei auch viele Federn lassen müssen. Mein Leistungs-Sport hat mir dabei die nötige Disziplin und den Respekt beigebracht, weil man unendlich lange trainieren und üben muß, um sein Ziel endlich zu erreichen. Das verhält sich beim Schauspielern ganz ähnlich. Üben, üben und noch mal üben…

DigitalVD.de: Wer hat Ihnen dann den Weg geebnet, diese Fähigkeiten effektiv einzusetzen?

Ferch: Das war der Regisseur Franz Baur-Pantoulier von der bayerischen Staatsoper. Der inszenierte als Regisseur viele Musicals, Opern und andere Events, wie die Eröffnung der Olympischen Spiele 1972. Ende der 70iger Jahre suchte er in Bremerhaven Artisten, die tanzen konnten und auch noch akrobatisch sein mussten. Es ging um das Musical „Can Can“; da bekam ich eine Rolle, und er hat mir dann die Möglichkeiten vor Augen geführt, auf der Bühne zu agieren.

DigitalVD.de: Apropos Sport: Sie reiten ja selbst sehr gerne, da kamen Ihnen doch die Reitszenen in Kroatien sehr zupaß…r?

Ferch: Aber natürlich, ich saß auch in den meisten Szenen selbst auf dem Pferd, und habe mich nicht doubeln lassen. Das war schon sehr spannend. Und für die Dreharbeiten selbst war es ebenso erleichternd, mich in Großaufnahmen filmen zu können. Da ich seit mehreren Jahren sehr gerne Polo spiele, war das dann sehr vorteilhaft für die gesamte Filmcrew.

DigitalVD.de: Wie definieren Sie den Begriff „Star“ oder gar „Superstar?“

Ferch: „Superstar?“ – Das ist doch lächerlich, ein Star wird gemacht, vom Publikum und den Medien. Ich kann diesen Rummel gar nicht so nachvollziehen. Das will ich auch nicht. Die Schauspieler sollen ihre Arbeit gut machen und mehr nicht. Wenn ich diese Show und die millionenschweren Partys sehe, wird mir ganz anders.

DigitalVD.de: Was ist denn Ihre eigene größte Schwäche?

Ferch: Das ist mit Sicherheit das Ungeduldige, oft konnte es gar nicht schnell genug gehen, und ich wollte alles geben, was ich aufzubieten hatte. Dennoch zeigte ich natürlich einige Unsicherheiten, wie halt jeder Mensch bei einer unbekannten Sache. Manchmal ist es wirklich gut, wenn die Ungeduld durch andere und äußere Umstände gebremst wird.

DigitalVD.de: Wie beurteilen Sie nun, nach getaner Filmarbeit, den „großen“ Heinrich Schliemann?

Ferch: Ich habe mich immer gefragt, was das für ein Mensch gewesen sein muß. Besonders reizvoll ist es in diesem Sinne, dass ihn eine gewisse Grauzone umgibt. Das war kein einfacher Typ, sehr egoistisch, für seine Ideale ist Schliemann über Leichen gegangen. Böse Zunge behaupten auch, er habe sich den Ruhm nur ergaunert. Tatsächlich hat er sich nicht nur seine Frau, sondern auch seinen Doktortitel gekauft. Er war kein Akademiker im klassischen Sinn. Im Gegenteil, ein Chauvi der hoch stapelte. Dennoch bleibt Schliemann ein Mythos, der bis in unsere Zeit reicht, und ein Mann, der für seinen Traum weit über die Grenzen seiner physischen Kapazität gegangen ist. „Dieser Mann hatte eine Obsession, für die er alles aufgab. Trotz des Gelächters um ihn herum jagte er seinem Traum nach.

DigitalVD.de: Welchem Traum jagen Sie denn nach?

Ferch: Keinen großartigen Traum bin ich je nachgejagt, denn die Träume werden ja nun wirklich im Laufe der Zeit immer kleiner. Aber schon als Kind habe immer schon Sport geliebt, dann ja auch sehr stark ausgeübt, zum anderen insbesondere den Zirkus mit all seinen Begleiterscheinungen abgöttisch bewundert. Die riesigen Zelte zogen mich magisch an. Wenn Busch-Roland, Krone, Knie oder Althoff in unsere Stadt kamen, war ich immer sofort zur Stelle, habe sogar teilweise mit Hand angelegt, mit aufgebaut und auch im Zelt geschlafen. Das war manchmal ganz schön ungemütlich. Aber die unterschiedlichen Schicksale in diesem bunten Milieu faszinierten und faszinieren mich immer noch, weil ich Artisten und Künstler, vor allem aber die zirzensische Atmosphäre liebe, die die Zirkuswelt umweht. Diese Welt ist für mich sehr ehrlich, zumal die jeden Abend scheitern und verunglücken könnten. Auf der anderen Seite finde ich Dirigenten klasse, die allein auf sich gestellt ein gesamtes Orchester leiten können, etwas auf die Beine Stellen, so daß sie einen kompletten Konzertsaal oder ein Opernhaus erzittern lassen können. Es ist immer eine tolle Sache, wenn man Menschen mitreißen und ihre Emotionen aufwecken kann.

Zu Heino Ferch: Der Sohn eines Kapitäns stand im Alter von fünfzehn Jahren für „Can Can“ zum ersten Mal auf der Bühne und reiste als Leistungsturner durch Europa. Sein großer Durchbruch als Filmschauspieler gelang ihm 1997 mit Hauptrollen in „Comedian Harmonists“(Regie: Joseph Vilsmaier), „Das Leben ist eine Baustelle“ (Regie: Wolfgang Becker) und „Winterschläfer“ (Regie: Tom Tykwer). Ein Jahr später hatte er eine Gastrolle als Gangster Ronnie in Tom Tykwers Lola rennt: Ferch hat in einigen Filmen mit Alexandra Maria Lara gespielt: „Der Untergang“ (Regie: Oliver Hirschbiegel), „Vom Suchen und Finden der Liebe“ (Regie: Helmut Dietl), „Napoléon“ (Regie: Yves Simoneau), „Der Tunnel“(Regie: Roland Suso Richter). Der Bremerhavener gehört zweifelsohne zur Männer-A-Riege des deutschen Films.

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Jutta Speidel über ihre Rolle als Friederike Heise

“Analytisch, professionell, aber mit Flipflops in der Handtasche”

DigitalVD.de. Frau Speidel, Sie spielen in der neuen ZDF-Miniserie “Donna Roma“ die Kommissarin und Fallanalytikerin Friederike Heise, die aufgrund einer Überschneidung bei spektakulären Mordfällen in Berlin und Rom von den italienischen Kollegen wegen ihrer besonderen Fähig¬keiten als Kriminalistin zur Unterstützung angefordert wird. Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Jutta Speidel: In erster Linie habe ich versucht, ihr einen Namen und eine Biografie zu geben. Friederike Heise arbeitet als Freelancer und ist in ganz Eu¬ropa unterwegs. Im Privatleben ist sie sehr chaotisch, sucht immer ihre Brille und leert ihre Handtasche immer und überall aus, um ihre Brille oder ihr Handy zu finden. Aber sie ist auch ein richtiges “Weib” mit hohen Hacken, die gleichzeitig immer ihre Flipflops in der Handta¬sche dabei hat. Im Beruf dagegen ist sie ein stark analytischer Mensch, mit einer großen Spiritualität und Professionalität.

DigitalVD.de. Mit “Donna Roma” vollziehen Sie erneut einen Image-Wechsel. Wollten Sie immer schon mal gerne eine Kommissarin spielen?

Jutta Speidel: Schon ewig! Ich habe mich 20 Jahre darüber aufgeregt, dass alle Kommissare Männer waren. Seinerzeit habe ich einem Produzenten vorgeschlagen, wie es mit einer Frau wäre, da hat er mich nur ausge¬lacht. Ein Jahr später gab es die erste weibliche Kommissarin im deut¬schen Fernsehen. Mittlerweile gibt es viele Fernseh-Kommissarinnen, da wollte ich mich nicht einfach einreihen. Eine Profilerin, die im Ausland ermittelt, das ist etwas Neues, das hat mich gereizt.

DigitalVD.de. Wie würden Sie Friederike Heise charakterisieren? Kommt sie Ihnen als Persönlichkeit sehr nahe?

Jutta Speidel: Nein, natürlich ist in ihr wie in allen meinen Rollen ein Schuss Jutta –sie hat sehr viel Humor und ist sehr liebenswert. Aber auf der anderen Seite ist sie auch knallhart in ihrer Art, in der sie ihre Fälle löst – und sehr distanziert.

DigitalVD.de. Was ist das Besondere an den Mordfällen, die Friederike Heise gemeinsam mit dem italienischen Kriminalteam um Luca Barba¬reschi alias Kommissar Marcello Pascarella und Bruno Maccallini alias Franco aufklärt?

Jutta Speidel: Man ruft ja erst nach einer Profilerin, wenn ein Fall unlösbar erscheint. Die Fälle sind sehr mysteriös und auch besonders gruselig. Also es geht nicht nur um den klassischen Fall “Leiche ohne Mörder”. Bei¬spielsweise gibt es den Fall, in dem der Mörder – ein besonders gefährlicher Serienkiller – eigentlich keiner sein kann, weil der Betref¬fende bereits im Gefängnis sitzt, da Friederike ihn in ihrem ersten Fall hinter Gitter gebracht hat.

DigitalVD.de. Aufgrund welcher besonderer kriminalistischer Fähigkeiten hat Friederike Heise häufig den richtigen Riecher, während ihre Kol¬legen noch im Dunklen tappen?

Jutta Speidel: Sie ist sehr spirituell, das heißt sie setzt alle ihre Sinne ein.

DigitalVD.de. Schon in der zweiten Folge von “Donna Roma” beschließt Friede¬rike Heise, aus verschiedenen Gründen dauerhaft nach Rom zu ziehen. Privat leben Sie bereits zum Teil dort. Was ist das Be¬sondere dieser Stadt für Sie?

Jutta Speidel: Rom ist auf alle Fälle etwas anderes als alle Städte auf der Welt! Auf der einen Seite sehr chaotisch, auf der anderen Seite diese unendli¬che Schönheit. Es ist eine Stadt der Gegensätze, wo sich das heutige Leben mit einer 2000 Jahre alten Kultur mischt. Es ist immer noch wie in der Zeit der Gladiatoren, pane et circenses – Brot und Spiele – Gewalt und Lieblichkeit – so ist Rom in seiner ganzen Art.

DigitalVD.de. In “Donna Roma” stehen Sie zum zweiten Mal mit ihrem Lebens-partner Bruno Maccallini gemeinsam vor der Kamera. Noch dazu an ihrem gemeinsamen Wohnort Rom. Ist das nicht ein Heimspiel für Sie?

Jutta Speidel: Ich habe Rom erst richtig kennen gelernt durch die Dreharbeiten zu “Donna Roma”, ein Heimspiel würde ich das also nicht nennen.

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