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DigitalVD.de – Kino, Filme und Fakten

In Zukunft möchten wir Euch über Kino und alles, was damit zu tun hat, informieren. Die Zelluloid-Palette reicht vom Blockbuster über das Mainstream-Movie bis hin zur Arthaus-Produktion, jene kleinen Programmkino-Perlen, die allzu oft im filmischen Haifischbecken baden gehen müssen. Aber nicht nur das; wir versuchen Euch Tipps über Trends, über Stars und Sternchen zu geben und weisen auch auf Festivals, Events und ähnliche Ereignisse hin.

Film ist in seiner kleinen "Definition" einsehbar, aber doch unendlich gross in seiner Wirkung und Vielfalt. Keine Frage, über Kritik und Anregungen sind wir Euch natürlich mehr als dankbar.



Archiv Kategorie 'Portraits'

Gérard Depardieu im Portrait


cyrano.thumbnail Gérard Depardieu im Portrait

Urvieh, Urgestein und Charaktermonster: Gérard Xavier Marcel Depardieu, der fleischige Hüne mit dem Metzger-Gebaren und der melancholischen Mitte, überrascht immer wieder mit nuancierter Spielwucht und hilflos-heilloser Hingabe. Diese Spannung zwischen Kopf, Kraft, Körperfülle und sensitivem Gemüt, paart er stets mit Witz und Ironie. Keine Frage, der 49jährige Filmdino aus Châteauroux ist nicht nur aus dem europäischen Kino nicht mehr wegzudenken. Dabei sah es für den gelernten Bühnenschauspieler anfangs alles andere als rosig aus:

Als drittes von sechs Kindern eines Blechbearbeiters geboren, galt der Charaktermoloch nicht nur wegen seiner Sprachstörungen als schulischer Problemzögling; Hinzu gesellte sich ein gerütteltes Maß an Labilität und Renitenz. Die Druckerlehre ließ er auch sausen, boxte lieber in seiner Freizeit, lungerte durch Paris, wo er nach Molière-Aufführung beschloß, Schauspieler zu werden: „Das war eine der wenigen vernünftigen Entscheidungen in meinem Leben“, resümierte er im Interview mit Tele 5 in Cannes. Es folgten Engagements am Theater sowie kleinere Auftritte in Film und Fernsehen.

Dann traf er die berühmte Regisseurin und Schriftstellerin Marguerite Duras, mit der er in den folgenden Jahren gleich vier Filme drehte. 1971 erschienen die Dramen „Nathalie Granger“ und dann 1973 der schräge Outsider-Streifen „Die Ausgebufften“ mit Patrick Dewaere und Miou-Miou; die erste Filmhürde. Der ganz große Erfolg stellte sich jedoch erst ein Jahrzehnt später ein, als er die tödliche Amour Fou mit Fanny Ardant in Francois Truffauts „Die Frau von nebenan“ erleben durfte. Depardieu drehte emsig weiter, bis 1989 mit „Cyrano von Bergerac“ auch Hollywood endlich auf den hünenhaft wirkenden Ausnahmeprotagonisten aufmerksam wurde. Die Rolle des Cyrano brachte Depardieu eine Oscar-Nominierung als Bester Hauptdarsteller ein: Der Sprung über den Atlantik glückte und 1990 verdrehte er in der Liebes-Komödie “Green Card – Scheinehe mit Hindernissen“ der schönen Andie McDowell den gewellten Kopf. Von da an war Kino-Koloss Depardieu auch in den USA ein Star. Für seine Rolle erhielt der Freizeit-Winzer 1991 den Golden Globe. Als eigenwilliger Kolumbus, der Indien sucht, um Amerika zu entdecken, spielte er in Ridley Scotts bildmächtigem „1492 – Die Eroberung des Paradies“ alle übrigen in Grund und Boden. „Ich spiele die Figuren nicht einfach, ich verwandle mich total in sie“, bekräftigte Gourmet Depardieu auf die Frage, wie er sich auf die Rollen vorbereite. Der französische De Niro kann gleichsam aber auch in populären, simpleren Komödien überzeugen, wie als Obelix in den Asterix-Adaptionen.

Restaurant-Besitzer Depardieu kann einfach alles, in über 100 wegweisenden Filmen, wie „Danton“, „Die letzte Metro“, oder „Abendanzug“ interpretierte er die konträrsten Charaktere. Aber: Der große Blonde bleibt bodenständig: Im nächsten Festspielsommer in Salzburg wird er den Kochlöffel schwingen. Gemeinsam mit Roland Trettl, Küchenchef des „Ikarus“ will er im August 2008 ein mehrgängiges Menu kreieren und dafür auch einige Tage selbst am Herd des Nobelrestaurants stehen…

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Legend Films im Portrait


cargo.thumbnail Legend Films im Portrait

Klein, aber klasse: Der Kölner Programmanbieter Legend Films International GmbH: 2001 in der Rhein-Metropole von Gerhard Borman und Marcus Popescu gegründet, fokussiert das Ausnahme-Unternehmen den Home-Entertainment-Bereich im Verleih- und Kaufmarkt. Das Angebot springt sofort ins Auge, ist es doch vielfältig, weitfacettiert und äußerst ansprechend: Von Action und Thrillern über Komödien und Dramen bis hin zu Horrorfilmen werden alle Produktionen wohltemperiert abgedeckt, um unter dem eigenen Label “Legend Home Entertainment” auf den Markt lanciert zu werden. Der Vertrieb der extraordinären Filme erfolgt über die Bertelsmann-Tochter Universum Film/UFA (ehemals BMG Video). Besonders erwähnenswert ist es zudem, daß Legend Films ebenso Titel im Lizenzstock sowie die Rechte für die Kino- und TV-Auswertung. Im Regelfall umspannt dieses Lizenzgebiet alle deutschsprachigen Territorien.

hardcore2.thumbnail Legend Films im Portrait

Keinen Zweifel, Legend Films kommt sehr gut an, das liegt nicht zuletzt an den mehr als nur interessanten Movies wie beispielsweise Gaspard Noe’s IRREVERSIBLE (der offizielle französische Wettbewerbsbeitrag beim Filmfestival in Cannes 2002), Neil Marshall’s UK-Hit DOG SOLDIERS (Festivalgewinner in Brüssel und Luxemburg), Ryuhei Kitamura’s japanischer Kultfavorit VERSUS oder australische Sensationserfolg CHOPPER, eine schwarzhumorige Gangsterballade von Andrew Dominik. Dabei gelingt der schwierige Spagat, die Balance zwischen anspruchsvollen Filmperlen einerseits, und erfolgreichem Genrefilm auf der anderen Seite kontinuierlich zu halten.

Wahre Movie-Juwelen verbergen sich hinter dem Schlagwort: „KINO KONTROVERS“: hier definieren sich Arthaus-Produktionen bei Legend Home Entertainment über mannigfaltige Kriterien. Die DVD-Reihe „Kino Kontrovers“ hat sich zur Aufgabe gemacht, dem kontroversen Film in Deutschland zu mehr Ansehen zu verhelfen, und präsentiert alte und neue Kellerkinder der Filmgeschichte im genauen historischen Kontext, mit erklärenden Essays bekannter Filmwissenschaftler, in seriösem Design und eben generell von allen Soßen der Sensationshascherei entfettet.

Kontroverse Filme (wie z.B. Ken Park, Santa Sangre, Ich bin neugierig – gelb / blau oder Twentynine Palms) sind jedoch nicht die spezifische Rezeptur, denn dazu lassen sich die rührigen Rheinländer unmöglich in die greifbare Genre-Schublade pressen. Aber gerade die Kontroversen gebären nicht selten herausragende Talente, eine intellektuelle Abwehrformation gegen reine Mitläuferschaft in einer Kinolandschaft, die zunehmend vom amerikanischen und teils auch einheimischen Major-Produkt bestimmt und beeinflusst wird.

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BUROSCH Audio-Video-Technik: Herr der Signale


avec144.thumbnail BUROSCH Audio Video Technik: Herr der Signale

Wir lassen uns gerne in die Welt „Der Herr der Ringe“ entführen, und freuen uns auf herrliche Landschaften und faszinierende Gestalten. Aber mancher Filmgenuss scheitert schon an nicht richtig eingestellten Fernsehern. Die Redaktion von digitalvd.de besuchte das Unternehmen „BUROSCH Audio-Video-Technik“, um sich davon zu überzeugen, wie groß der Einfluss nicht richtig eingestellter Fernseher sein kann. Auch mit dem Hintergrund, das in den letzten Monaten zahlreiche User von unbefriedigenden Bildergebnissen in einigen Internetforen berichteten.

Überall dort, wo es um Testbilder und Testsignale geht, steht das Unternehmen „BUROSCH Audio-Video-Technik“ den Entwicklungsabteilungen aus der Industrie beratend zur Seite. Mit seinen Testbildern werden Monitore, Fernseher und Displays auf Herz und Nieren geprüft.

Bei unserem Besuch präsentierte uns Herr Klaus Burosch Fernseher der neuesten Generation. Er stellte die Geräte den Herstelleranforderungen entsprechend ein, und zeigte uns ein erstes Testbild. Auf den ersten Blick: toll. Was dann folgte, war jedoch umso ernüchternder. Herr Burosch lud seine eigens entwickelten Testbilder auf jeden einzelnen Fernseher, und wir sahen plötzlich zitternde Fernsehbilder, flaue Farben, und eklatant hohe Bildunschärfen. Damit hatten wir nun doch nicht gerechnet. Hierzu Klaus Burosch: „Es ist immer wieder ärgerlich, dass gerade bei kostspieligen Flachbildschirmen der fliegende Ball, beispielsweise im Spiel Stuttgart gegen den HSV, aussieht wie ein Komet.“

Gerade bei Ausstellungsgeräten werden Kontrast, Schärfe, Farbe, Helligkeit und Ton so eingestellt und vorgeführt, dass der Kunde die tatsächliche Qualität nicht beurteilen kann. Klaus Burosch und sein Testbild – Entwicklerteam empfiehlt daher, sich die kleine Version seiner Test-DVD, welche eine Grundausstattung von Testbildern enthält und als Imagedatei vorliegt, kostenlos unter www.burosch.de herunter zuladen. Diese müssen Sie nur noch auf eine DVD brennen, und schon steht einer ersten Qualitätsprüfung nichts mehr im Wege.

Bitte bedenken Sie, dass ein Fernseher oftmals nach visueller Bewertung gekauft wird. Hierbei gibt es jedoch eine Einschränkung: wir nehmen mehr wahr, als wir sehen. Und wir haben Vor-Ort keine technischen Bewertungskriterien, nach denen wir uns orientieren können. Zumindest bis gestern. Denn ab heute stehen uns die Testbilder von „BUROSCH Audio-Video-Technik“ zur Verfügung.

Gestatten Sie uns noch den Hinweis auf eine Studie des Allensbacher Instituts: „Sehschwächen nehmen seit 1991 dramatisch zu. Insbesondere die Altergruppe 21-29 Jahre ist hiervon betroffen. Hervorgerufen wird dieser Trend aus der vermehrten Zunahme von Bildschirmarbeitsplätzen, dem zu hohen Konsum von Fernsehabenden, und, dies ist der eigentlich schlimmere Teil, einer Zunahme von technisch nicht ausgereiften Bildschirmen und Fernsehgeräten.“

Nehmen Sie beim nächsten Neukauf eines Fernsehers Ihre Test-DVD mit. Und schauen Sie, am Besten noch heute, ob Ihre derzeitigen Fernseheinstellungen nicht noch optimiert werden können.

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Francis Ford Coppola – Erinnerung an ein Meisterwerk


der pate.thumbnail Francis Ford Coppola   Erinnerung an ein Meisterwerk

Am 11. 10. 2001 war es endlich soweit. Ein Meisterwerk der Filmgeschichte erscheint auf den runden kleinen Scheiben, die wir alle so gerne haben. Drei der Scheiben sind es an der Zahl, bis obenhin voll gestopft mit Bonusmaterial. Haben wir nicht alle darauf gewartet; es war doch längst überfällig.

Der Pate“ – The Godfather, für mich einer der besten Filme aller Zeiten! Was sage ich, eine der besten Sagen aller Zeiten. Alle drei Teile sind phantastisch, zeugen von einer meisterlichen Brillanz. Ich könnte eine Hommage schreiben, eine Liebeserklärung an einen Film, der so liebvoll und detailreich inszeniert wurde. Das Leben der Familie rund um Don Vito Corleone ist einfach ein Meilenstein der Filmgeschichte…

Regie führte bei diesen Filmen ein Mann namens Francis Ford Coppola. Er verfilmte das Epos nach dem gleichnamigen Roman von Mario Puzo. Rechtzeitig zum DVD-Start des Paten möchte ich einmal das Leben und die Werke des Francis Ford Coppola beleuchten.

Geboren wurde Francis am 7. April 1939 in Detroit. Schon seine Eltern waren ein kreatives Paar und gaben dem jungen Francis somit beste Voraussetzungen. Seine Mutter war Schauspielerin und der Vater war Musiker und Komponist. Im Alter von zehn Jahren erkrankte Francis an Polio und verbrachte viel Zeit in seinem Bett und seinem Zimmer. Hier beschäftigte er sich zum ersten Mal mit 8-mm Filmen und machte seine ersten Gehversuche. Bis zum heutigen Tage kann er fünf Oscartrophäen und zehn Nominierungen für diesen Preis sein Eigen nennen. Außerdem gewann er als Regisseur zweimal die goldene Palme von Cannes.

1960 ging er studieren an der UCLA und schaffte einen erstaunlichen Abschluss. Sein Abschlussfilm für die UCLA “Big Boy, jetzt wirst Du ein Mann”, der 1968 von Warner Bros verliehen wurde, bringt Coppola den ersten Studiovertrag. In den folgenden Jahren sammelt Coppola viel Erfahrung und dreht einige Kurzfilme. In der Zeit zwischen 1960 und 1970 entstehen Filme wie „Big Boy – Jetzt wirst du ein Mann“, „Der goldene Regenbogen“ und „Liebe niemals einen Fremden“. Außerdem wirkt er an diversen Drehbüchern mit. 1970 ist dann der erste Höhepunkt seiner Karriere: er bekommt einen Oscar für das Drehbuch zu „Patton“.

1971 gelang Coppola schließlich der ganz große Durchbruch als Regisseur. Seine grandiose Verfilmung von Mario Puzos Bestseller “Der Pate” stieg zum damals erfolgreichsten Film aller Zeiten auf und wurde mit drei Oscars für den besten Film, das beste adaptierte Drehbuch (Coppola und Mario Puzo) sowie den besten Hauptdarsteller ausgezeichnet. Zwischen „Der Pate“ und „Der Pate II“, der mit sechs Oscars ausgezeichnet wurde, lagen Filme wie „Der große Gatsby“ mit Robert Redford oder „Der Dialog“, der Coppola seine Goldene Palme brachte. Der Cannes Sieger von 1979 „Apocalypse Now“ entsprang ebenfalls aus der Feder des Regisseurs, der sich nunmehr zur ersten Garde in Hollywood zählen konnte.

In den achtziger Jahren inszenierte Coppola “Einer mit Herz” (1981), “Die Outsider – Rebellen ohne Grund” (1982), “Rumblefish” (1982), “Cotton Club” (1984), “Peggy Sue hat geheiratet” (1986), “Der steinerne Garten” (1986), “Tucker” (1988) sowie die Episode “Life Without Zoe” der “New Yorker Geschichten” (1989). 1990 schloss Coppola seine Mafia-Trilogie mit “Der Pate III” ab. Danach machte die Hollywood-Institution vier Jahre Regiepause, produzierte eifrig und viel und nahm dann den Film „Jack“ in Angriff. Den letzten Film, den ich von Coppola gesehen habe, war „The Rainmaker“ mit Matt Damon. Ein Film, der nicht sehr spektakulär war, aber durch gute Inszenierung glänzte.

Francis Ford Coppola ist wahrhaftig eine Legende. Mit der „Godfather“ Trilogie hat sich der Altmeister unsterblich gemacht. Wir freuen uns alle so sehr auf Marlon Brando, Al Pacino, Robert de Niro, all diese großen Namen, die Don Vito Corleone und seine Familie zum Leben erweckt haben…

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Tom Tykwer – Die Sicht der Dinge

Schon sehr lange interessiere ich mich für Filme, deren Interpretationen und Inspiration. Doch eine ebenso lange Zeit hatte ich nicht viel übrig für den deutschen Film. Ich hatte das Gefühl, dass Deutschland es nicht versteht, abwechslungsreiche Handlungsstränge zu kreieren. Schauspieler wiederholen sich in jedem Film und richtig gute Künstler sind rar. Irgendwann geschah dann ein Ruck in der Zunft des deutschen Films: Tom Tykwer mischte sich ein.

Er machte irgendetwas anders als alle anderen. Er hob sich ab und war sehr eigenwillig in seinen Kreationen. Ich glaube das erste Mal wurde ich wirklich aufmerksam, als Franka Potente mit feuerroten Haaren als Lola über den Bildschirm rannte…
Tom Tykwer – ein Mann, der Dinge anders sieht als andere!

Der gute Mann wurde im Mai 1965 in Wuppertal geboren und kam früh mit dem Film in Berührung, denn er jobbte in Kinos und konnte sich hemmungslos alle möglichen Streifen für lau anschauen. 1984 macht Tom sein Abitur und holt alles raus; sein Schnitt lag bei 3,6… Warum denn auch die irgendwelche Kurven und intransitiven Vakuen im öden Physikunterricht lernen, wenn das Leben selbst der beste Lehrstoff ist, dachte sich wohl der stets dunkel gekleidete Tykwer.

Während seines Zivildienstes arbeitete er erneut im Kino in Berlin und knüpfte hier erste Kontakte zum späteren Stamm der X-Film Crew. Die Jahre ziehen ins Land und der fleißige Tom macht sich an seine ersten Filme und beginnt mit einem Kurzfilm namens „Because“. Sein Regiedebut „Die tödliche Maria“ folgt auf dem Fuße. 1994 gründen der Produzent Stefan Arndt und Tom Tykwer die Produktionsfirma X-Filme Creative Pool. Ein Grundstein für phantastische Produktions- und Regiearbeit wurde hiermit geboren.

Toms zweite Regiearbeit hatte es dann schon wirklich in sich; „Winterschläfer“ kam in die Kinos. Hierbei wird deutlich, worum es sich hauptsächlich bei Toms Arbeiten dreht: Schicksale und Geschichten der Menschlichkeit. Er arbeitet bei diesem Film auch stark an dem Zusammenwirken zwischen Natur und menschlicher Emotion, was sich später noch einmal in „Heaven“ wiederholen wird.

1998 werden Tom Tykwer und seine Lieblingsschauspielerin Franka Potente ein Paar, und ein Jahr später wird „Lola rennt“ in Deutschland veröffentlicht. Wir lernen hier einen anderen Tykwer kennen, der ein farbenprächtiges, teilweise an einen Werbefilm erinnerndes Märchen entwickelte. Sehr innovativ und experimentierfreudig öffnete uns Tykwer bei „Lola rennt“ eine Tür voller skurriler Ideen und wilder Kameraführung.
„Endlich mal etwas anderes“, dachte ich mir nach „Lola rennt“, der kurze Zeit später äußerst erfolgreich seinen Siegeszug in den USA fortsetzte.
Acht Auszeichnungen beim Deutschen Filmpreis und Beachtung in Hollywood kann Tykwer also nach „Lola rennt“ vorweisen. Im Jahre 2000 kommt dann das Kunstwerk „Der Krieger und die Kaiserin“ in unsere Kinos. Ich mache hier einen Schnitt und schließe die biographische Schreibweise ab und konzentriere mich auf zwei seiner größten Werke.

Der Krieger und die Kaiserin“, sowie „Heaven“ sind nicht nur Filme, die man schaut und danach wieder vergisst, denn sie bieten weitaus mehr für den Fan des intellektuellen Kinos. Manchmal frage ich mich, ob ich die beiden Filme überhaupt verstanden habe? Klar ist jedoch, dass es sehr viele Interpretationsansätze gibt, und das ist schon eine Kunst für sich. Schlüsselszene des Films „Der Krieger und die Kaiserin“ ist eine „Liebesszene“. Diese Szene ist nicht alltäglich, sondern Tom Tykwer-like: Benno Führmann begegnet Franka Potente unter einem Lastwagen und führt einen Luftröhrenschnitt durch. Dieser Prozess bringt zwei Menschen weitaus näher zueinander als irgendein Hollywood Tete-a-Tete. Tykwer mag es schicksalhaft und bedeutungsschwanger. Daß beide Figuren eine schwierige Vergangenheit haben und nicht so richtig in unsere Welt passen, macht die Geschichte noch schicksalhafter und auf eine gewisse Weise mystisch.
Das Szenario beginnt in einer Irrenanstalt, und Tykwer stellt diese Anstalt bewusst in ein helles, grelles Licht, um zu zeigen, dass die Dunkelheit in den Köpfen der Insassen auch Hoffnung birgt und eine Nervenklinik kein dunkles Loch ohne Perspektive ist. Menschen leben in ihrer Welt, sie mögen ihre Welt und ihr Leben ist lebenswert. Siss, gespielt von Franka Potente, die als Pflegerin in dieser Anstalt lebt, wirkt hierbei quasi als Bindeglied zwischen zwei Welten. Phantastisch spielen Führmann und Potente ihre Rollen der gestörten Persönlichkeiten, die schicksalhaft zueinander finden.
Tykwer rundete die Inszenierung durch innovative Perspektiven und Kameraführung sowie einem unglaublichen Soundtrack ab. Minimalistisch und geheimnisvoll, aber voller Details ist Tykwers Regiearbeit bei dieser Novelle.

Betrachtet man sein jüngstes Werk „Heaven“ so sind erneut Parallelen zu seinen älteren Werken zu entdecken. Schicksal, Minimalismus und Ruhe! Heaven, der nach dem letzten Drehbuch des 1996 verstorbenen polnischen Regisseur Krzysztof Kieslowski und dessen Co-Autor Krzysztof Piesiewicz entstand, wurde in Deutschland und Italien in englischer und italienischer Sprache gedreht.

Der Film beginnt wie ein Thriller oder ein Kriminalfilm und endet in purer Poetik.
Der Film wurde vom Meister bewusst in zwei Teile geteilt. Die beiden Protagonisten lernen sich kennen und fliehen später in die Toskana, die so liebevoll und wunderbar von Tykwer gefilmt wurde. Etwas irritierend aber zum Plot passend ist die eisige Stille, die den Film kennzeichnet. Die tragische Figur gespielt von Cate Blanchett sitzt am Verhörtisch und bricht in Tränen aus als sie hört, dass sie 4 unschuldige Menschen auf dem Gewissen hat. Kaum eine filmische Szene ist intensiver als dieser Nervenzusammenbruch einer gebrochenen Frau. Ohne musikalische Untermahlung, auf menschliche Emotion reduzierte Optik, wird der Zuschauer mit einer in Ohnmacht endender Situation konfrontiert. Später zeigt Tykwer, wie gut er Landschaften filmen kann und diese in Harmonie mit der Geschichte verknüpfen kann.
Tom Tykwer liebt es, schwierige Persönlichkeiten auf ihrem Lebensabschnitt zu begleiten; Er liebt es, das Publikum langsam und behutsam in eine Richtung zu bringen – in seine Sichtweise der Dinge. (Christian Schmidtchen)

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Ethan & Joel Coen – Die Definition von Skurril


coen brothers box.thumbnail Ethan & Joel Coen   Die Definition von Skurril

Ethan und Joel Coen können nunmehr auf insgesamt acht Filme zurückblicken, die sie jeder Stück für Stück dem Filmolymp näher brachten, wo sie ihren wohlverdienten Platz eingenommen haben. Ihre Filme handeln von skurrilen Charakteren, die vielschichtig und mit viel Liebe, manchmal auch Ironie, gezeichnet werden und von einem eingespielten Team zum Leben erweckt werden. Was wären Filme wie „Fargo“, „Barton Fink“, „The Big Lebowski“ oder „O Brother, Where Art Thou?“ ohne Steve Buscemi, John Turturro oder John Goodman? Dazu gesellt sich ein Team, dass seit mehreren Jahren gemeinsam Filme macht: Seit ihrem ersten Film „Blood Simple“ im Jahr 1984 vertrauen sie auf den Komponisten Carter Burwell, dessen Score zu „Blood Simple“ seine erste Filmarbeit war. Es folgten Dutzende Soundtracks (u.a. zu „Being John Malkovich“, „Rob Roy“, Fletcher’s Visionen) und Carter Burwell zählt heute zu den renommiertesten Komponisten Hollywoods, denen es gelingt, Filmen einen unverwechselbaren Klang zu geben.

Aber Carter Burwell ist nur einer von wenigen, die der Talentschmiede Coen entstiegen sind: Ihre ersten drei Filme verwirklichten sie mit Kameramann Barry Sonnenfeld, der sich inzwischen als Regisseur einen Namen gemacht hat („Men in Black“, „Schnappt Shorty!“ „Addam’s Family“ uva.). Und auch für Steve Buscemi und John Turturro waren die Coen-Filme die erste Gelegenheit, einem breiteren Publikum bekannt zu werden. Steve Buscemi, der sich vor zwei Jahren als H&M-Model prostituiert hat, lieferte mit „Trees Lounge“ ein beachtliches Regiedebüt ab, und genau das gleiche gelang John Turturro mit „Mac“. Frances McDormand, die für ihre Rolle in „Fargo“ mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, ist inzwischen mit Joel Coen verheiratet. Mit Roger Deakins wurde Barry Sonnenfeld als Kameramann bei „Barton Fink“ abgelöst. Deakins hat unter anderem mit Martin Scorsese („Kundun“) zusammengearbeitet und war verantwortlich für die wunderbaren Bilder von „Die Verurteilten“ und „Dead Man Walking“.

Zusammen mit dem ungeheuren Ideen-Reichtum der Coens entstanden so Filme, die von Cineasten weltweit geschätzt werden, während sie vom „normalen“ Publikum weitgehend ignoriert wurden. Ihre Filme sind außerdem in Europa weitaus erfolgreicher als in den USA, was sich zuletzt darin zeigte, dass sowohl der Director’s Cut von „Blood Simple“ als auch „O Brother, Where Art Thou?“ in Europa früher starteten als in den USA. Diese Abneigung lässt sich am ehesten durch den Humor der Coen-Filme erklären, der oftmals grob und skurril, aber dennoch intelligent und subtil ist. Auch ihr Spiel mit den verschiedenen Genres, besonders dem „film noir“ ist eher für ein eingeweihtes Publikum verständlich, denn ohne Kenntnisse der Filmgeschichte bzw. der verschiedenen Filmgenres verlieren viele der Coen-Filme ihren Reiz. Ihre Filme sind Werke voller Detailverliebtheit, die sich oftmals über mehrere Filme hinweg zieht: Schon im 1985 gedrehten „Crimewave“, zu dem Ethan & Joel Coen das Drehbuch verfassten, gibt es ein „Hudsucker State Penitentiary“. In „Arizona Junior“ arbeitet Nicolas Cage bei „Hudsucker“, und im 1994 gedrehten „Hudsucker“ lernen wir ihn schließlich wirklich kennen.

Diese Details sind ein wesentliches Indiz für die Arbeit von Ethan & Joel Coen. Ihre erste Filmarbeit unter der Regie von Sam Raimi („Crimewave“) kann man am besten als 80-minütigen Insider-Witz voller Albernheiten und Anspielungen auf die eigenen Sehgewohnheiten beschrieben werden. Während Orson Welles lediglich den Schlitten als Symbol der Kindheit eingesetzt hat, so ist bei „Crimewave“ fast der gesamte Film ein Spiel mit „Rosebud“, mit den Erinnerungen an eine cineastische Kindheit, die niemals in Vergessenheit geraten ist. Es fällt ziemlich schwer, „Crimewave“ adäquat zu beschreiben, da sich die Kritiken zu dem Film im Laufe der Jahre von totaler Ablehnung zu kultischer Verehrung hin gewandelt haben: Je bekannter Joel & Ethan Coen wurden, desto mehr beschäftigten sich Filmkritiker mit ihren früheren Werken und als dann auch noch Sam Raimi der Sprung vom Horrorfilm-Regisseur zum ambitionierten Independent-Regisseur gelang, war für fast alle Kritiker klar, dass schon immer Genies am Werke waren. In den Büchern und Artikeln, die ich über Joel & Ethan Coen und Sam Raimi gelesen habe, herrschte immer die Ansicht, dass man ihre Handschrift stets erkennen konnte, eine Ansicht, die ich nicht vollständig teile. Für mich ist „Crimewave“ vielmehr eine kreative Spielwiese für alle Beteiligten gewesen, auf der ohne Rücksicht auf Verluste mit sämtlichen filmischen Mitteln experimentiert wurde. Einige Jahre später schrieb Sam Raimi dann das Drehbuch zu „Die total beknackte Nuss“, welcher die konsequente Weiterführung von „Crimewave“ ist, allerdings musste „Die total beknackte Nuss“ unter einem untertalentierten Regisseur leiden. Nach dieser ersten Fingerübung war es an der Zeit, selbst Regie zu führen: Bei der Entstehung von „Blood Simple“ und ihren folgenden Filmen waren die Rollen stets strikt verteilt: Ethan fungiert als Produzent, während Joel Regie führt. Diese Trennung dürfte allerdings nur für die Nennung im Abspann sinnvoll sein, denn in Wirklichkeit lassen sich die Einflüsse beider auf den Film nicht trennen. Beide feuern ein wahres Feuerwerk an Ideen auf den anderen ab, der sie mit seinen eigenen Ideen verfeinert und erweitert, bis sie schließlich im Film verwendet werden. Ihre Ideen beziehen sie aus allem: Filmen, aktuellen Geschehnissen, Büchern, Gesprächen und Musik. Aus diesen Gründen ist klar, warum die Coens die Drehbücher zu ihren Filmen stets selbst und gemeinsam schreiben. Diese Neugierde auf alles wurde durch ihre Eltern gefördert: Der Vater war Wirtschaftskunde-Professor, ihre Mutter lehrte Kunstgeschichte. Diesen familiären Hintergrund will ich jetzt nicht glorifizieren, aber es dürfte klar sein, dass ein akademisches Elternhaus ein starkes Interesse daran entwickelt, dass ihre Kinder ebenfalls ein hohes Bildungs-Niveau erreichen. (Tino Hahn)

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