Gérard Depardieu im Portrait
Urvieh, Urgestein und Charaktermonster: Gérard Xavier Marcel Depardieu, der fleischige Hüne mit dem Metzger-Gebaren und der melancholischen Mitte, überrascht immer wieder mit nuancierter Spielwucht und hilflos-heilloser Hingabe. Diese Spannung zwischen Kopf, Kraft, Körperfülle und sensitivem Gemüt, paart er stets mit Witz und Ironie. Keine Frage, der 49jährige Filmdino aus Châteauroux ist nicht nur aus dem europäischen Kino nicht mehr wegzudenken. Dabei sah es für den gelernten Bühnenschauspieler anfangs alles andere als rosig aus:
Als drittes von sechs Kindern eines Blechbearbeiters geboren, galt der Charaktermoloch nicht nur wegen seiner Sprachstörungen als schulischer Problemzögling; Hinzu gesellte sich ein gerütteltes Maß an Labilität und Renitenz. Die Druckerlehre ließ er auch sausen, boxte lieber in seiner Freizeit, lungerte durch Paris, wo er nach Molière-Aufführung beschloß, Schauspieler zu werden: „Das war eine der wenigen vernünftigen Entscheidungen in meinem Leben“, resümierte er im Interview mit Tele 5 in Cannes. Es folgten Engagements am Theater sowie kleinere Auftritte in Film und Fernsehen.
Dann traf er die berühmte Regisseurin und Schriftstellerin Marguerite Duras, mit der er in den folgenden Jahren gleich vier Filme drehte. 1971 erschienen die Dramen „Nathalie Granger“ und dann 1973 der schräge Outsider-Streifen „Die Ausgebufften“ mit Patrick Dewaere und Miou-Miou; die erste Filmhürde. Der ganz große Erfolg stellte sich jedoch erst ein Jahrzehnt später ein, als er die tödliche Amour Fou mit Fanny Ardant in Francois Truffauts „Die Frau von nebenan“ erleben durfte. Depardieu drehte emsig weiter, bis 1989 mit „Cyrano von Bergerac“ auch Hollywood endlich auf den hünenhaft wirkenden Ausnahmeprotagonisten aufmerksam wurde. Die Rolle des Cyrano brachte Depardieu eine Oscar-Nominierung als Bester Hauptdarsteller ein: Der Sprung über den Atlantik glückte und 1990 verdrehte er in der Liebes-Komödie “Green Card – Scheinehe mit Hindernissen“ der schönen Andie McDowell den gewellten Kopf. Von da an war Kino-Koloss Depardieu auch in den USA ein Star. Für seine Rolle erhielt der Freizeit-Winzer 1991 den Golden Globe. Als eigenwilliger Kolumbus, der Indien sucht, um Amerika zu entdecken, spielte er in Ridley Scotts bildmächtigem „1492 – Die Eroberung des Paradies“ alle übrigen in Grund und Boden. „Ich spiele die Figuren nicht einfach, ich verwandle mich total in sie“, bekräftigte Gourmet Depardieu auf die Frage, wie er sich auf die Rollen vorbereite. Der französische De Niro kann gleichsam aber auch in populären, simpleren Komödien überzeugen, wie als Obelix in den Asterix-Adaptionen.
Restaurant-Besitzer Depardieu kann einfach alles, in über 100 wegweisenden Filmen, wie „Danton“, „Die letzte Metro“, oder „Abendanzug“ interpretierte er die konträrsten Charaktere. Aber: Der große Blonde bleibt bodenständig: Im nächsten Festspielsommer in Salzburg wird er den Kochlöffel schwingen. Gemeinsam mit Roland Trettl, Küchenchef des „Ikarus“ will er im August 2008 ein mehrgängiges Menu kreieren und dafür auch einige Tage selbst am Herd des Nobelrestaurants stehen…
bearbeitet von Jean Lüdeke • Permalink • Kommentare (0) • Kommentar schreiben »


