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Der flüsternde Tod

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Der flüsternde Tod

Der flüsternde TodMitte der 70er Jahre war das bundesdeutsche Kino in zwei Lager gespalten. Zum einen gab es die Nachwuchs-Autorenfilmer, die für die hehre Filmkunst standen, mitunter auch im Ausland erfolgreich waren und trotzdem nur selten Publikum in die Lichtspielhäuser zu locken verstanden. Wim Wenders („Im Lauf der Zeit“), Rainer Werner Fassbinder („Faustrecht der Freiheit“) und Werner Herzog („Herz aus Glas“) waren noch die populärsten Vertreter des Neuen Deutschen Films, wohingegen die meisten Werke ihrer Regiekollegen eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Das andere Extrem bestand in den Sexkomödien, die nach wie vor ein Millionenpublikum ansprachen, und deren Erfolg erst mit Beginn der 80er Jahre abzuebben begann. Der neunte „Schulmädchen-Report“, „Reifeprüfung vor dem Abitur“, lief Seite an Seite mit unzähligen und unsäglichen Lederhosen-Filmen, von „Wenn’s juckt, wird gejodelt“ über „Auf ins blaukarierte Himmelbett“ bis hin zu den „Liebesgrüßen aus der Lederhose 2. Teil: Zwei Kumpel auf der Alm“. Genrekino hatte nach dem Niedergang der Edgar-Wallace- und Karl-May-Filmserien kaum mehr eine Chance. Und dennoch gelang es Jürgen Goslar, einem Schauspieler („Der letzte Zeuge“) und Regisseur („Diamantendetektiv Dick Donald“) aus Oldenburg, 1975 einen völlig anderen Film in die deutschen Kinos zu bringen: „Whispering Death – Der flüsternde Tod“.

In Südafrika treibt eine Gruppe terroristischer Schwarzer ihr Unwesen. Während eines Saufgelages von Polizist Terick (James Faulkner) und seinen Kollegen, fällt die Truppe über sein Haus her, das es niederbrennt. Tericks Braut Sally (Sybil Danning) wird vom Anführer der Gang, einem Albino-Neger (Horst Frank), brutal vergewaltigt und anschließend ermordet. Terick ist völlig außer sich und nimmt mit Hilfe der Gewehre von Sallys Vater Johannes (Trevor Howard) und seinem dunkelhäutigen Freund Katchemu (Sam Williams) die Verfolgung der Verbrecher auf. Polizeichef Bill (Christopher Lee) kann die versuchte Selbstjustiz nicht gutheißen und schickt seine Männer, darunter Tericks besten Freund Peter (Sascha Hehn), hinter ihnen her, um sie aufzuhalten. Als Bill die Situation zu entgleiten droht, wird mit Captain Turnbull (Erik Schumann) ein beinharter Kommandant eingeschaltet, der ohne Rücksicht auf persönliche Freundschaften und langjährige Zusammenarbeit zur Sache geht.

In diesem Filmkuriosum deutscher Herkunft inszenierte Jürgen Goslar eine brutale Rachegeschichte, die ihre Vorbilder bei den Sam-Peckinpah- und Italowestern hatte. Neben einer ganzen Reihe internationaler Kassenstars ragt aus der Besetzungsliste insbesondere Horst Frank hervor, der mit geschminktem Gesicht und künstlichem Überbiss den durchtriebenen Terroristenführer mit Bravour darstellt. Der Film entwickelt eine ansehnliche Spannung und hat auch aus der Retrospektive kaum etwas von seiner Wirkung eingebüßt. Die DVD-Erstveröffentlichung des Films ist in technischer Hinsicht akzeptabel ausgefallen. In den ersten 15 Minuten weist die Kopie nicht nur zahlreiche Verunreinigungen, sondern auch einen durchgehenden Laufstreifen im Bild auf. Später wird das Material dann deutlich besser, ist aber noch immer nicht in makelloser Qualität. Der Ton ist wahlweise in der deutschen Synchron- oder der englischen Originalfassung verfügbar. Als Extras sind der deutsche Kinotrailer zum Film und eine umfangreiche Foto- und Werbematerialiengalerie mit auf die Disc aufgespielt.

Hinzu kommt bei dieser Veröffentlichung allerdings noch eine Bonus-DVD, die mit drei exklusiven Interviews aufwarten kann, bei denen man mit den Beteiligten tiefer in die Entstehungsgeschichte des Films eintauchen kann. Uwe Huber realisierte „Tod in der Sonne: Ein Interview mit Jürgen Goslar“, bei dem der Regisseur seine Ambitionen als Kinofilmregisseur erläutert und auf die Widrigkeiten seiner Afrika-Filme zurückblickt (41 Minuten). In „Wie fotografiert man den flüsternden Tod? Interview mit Wolfgang Treu“ traf sich Elmar Podlasly mit dem damaligen Chefkameramann, der gleichermaßen ausführlich wie anschaulich seine Arbeitsweise rekonstruiert (28 Minuten). Ein 14minütiges Interview mit Darsteller Erik Schumann aus dem Jahr 1999 entstand lediglich im privaten Kreis und war eigentlich nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Deswegen ist es zwar technisch nicht in einwandfreier Qualität, bietet aber einige seltene Einblicke in das Erzähltalent und die Liebenswürdigkeit des Schauspielers, der 2007 verstarb.

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