Bärige Bilder aus klirrender Kälte – Königreich Arktis
Der Nordpol in Not: Eine bärig berührende Filmdokumentation über die schmelzenden Schrecken des Klimawandels
Fressen und gefressen werden sind beileibe nicht die einzigen Gefahren in der Kälte nördlich des 66. Breitengrades: Es ist die alles bedrohende Bestie Mensch. Adam Ravetch und Sarah Robertson erforschten das Aufwachsen des Eisbär-Mädchens „Nanu“ und des Walrosses „Seela“ im nordischen Eis. Sie erlernen den Umgang mit einer neuen tödlichen Gefahr: dem Klimawandel. Konzentriert verbindet diese engagierte und couragierte Hommage an die Artenvielfalt seine grandiosen und zu Tränen rührenden Tier-Tableaus mit der tragischen Bestandaufnahme einer stetig schleichenden Umweltkatastrophe.
Auf dezente, einfühlsame, bisweilen allzu menschelnde Manier lernt der Betrachter den bedrohten Lebensraum der Eisbären und Walrösser kennen. Denn der menschlich kreierte Klimawandel zerstört die Lebensgrundlagen vieler Lebewesen. Um diese Fehler aufzuhalten, muß sich unser Verhalten ändern. Der heißgeliebte Eisbär ist dabei zum („Knut“)-Symbol des globalen Klimawandels geworden.
Wie lange darf der Mensch derart bombastische Bilder in natura noch erleben? Das Walross lernt das Fischen, das Spiel unter Wasser und den Schutz der Gruppe. Seela hingegen paukt das Jagen von Robben. Wir sehen die Angst vor männlichen Eisbären und den unberechenbaren Eisstürmen. Doch niemand kann die animalischen Stars auf die sich drastisch veränderten Bedingungen ihres Lebensraumes vorbereiten. Bedenklich sinken die die Temperaturen nicht mehr so tief, daß ausreichend festes Eis im Winter entstehen kann. Die über 15-jährige selbstlose Arbeit, die das Ehepaar Adam Revetch und Sarah Robertson an der lehrreichen Produktion von National Geographic Films aufgewendet hat, sieht man dem gerade für Kinder und Heranwachsenden wichtigen Film sofort an. Unterstützt wurden die beiden von einem aus renommierten Tier- und Dokumentarfilmern bestehenden Produktionsteam, z.B. der Autorin Linda Woolverton („Die Schöne und das Biest“) sowie Mose Richards, der zwei Jahrzehnte lang mit dem Meeresforscher und Unterwasser-Papst Jacques Cousteau tauchte. Sehr nah wagte sich das Team an die seltenen Tiere heran, um bislang nie Gesehenes in bewegende Bilder zu bannen. Möwen segeln über bizarre Eisberge, Beluga-Wale zerpflügen das Meer, Eisbärenjunge purzeln ins Naß, eine Walrossmama hält ihr Neugeborenes fast zart in den Flossen. Dafür tauchten die Naturfilmer in minus 1,8 Grad kaltem Wasser unter der Eisdecke, trotzten Blizzards, hatten wochenlang kein festes Zuhause. Die Tiere hingegen werden voraussichtlich 2040 überhaupt kein Zuhause mehr haben….
Ähnliche Beiträge:
Bärige Bilder aus klirrender Kälte – Königreich Arktis wurde bearbeitet von Jean Lüdeke • Permalink • Kommentar schreiben »













