Der letzte Applaus – Ein Leben für den Tango
Seit dem „Buena Vista Social Club“ setzen Arthouse-Filme immer wieder auf die Kraft von Musikern, die ein Leben lang für ihre Leidenschaft gelebt haben und deren Vitalität ein kulturbegeistertes Publikum verzaubern wird. Nicht immer entstehen bei solchen dokumentarischen Betrachtungen Meisterwerke wie „Young@Heart“, aber wenn man die richtigen Protagonisten vor die Kamera lockt und sie aus ihren erfüllten Lebensgeschichten erzählen lässt, kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen.
German Kral wurde in Buenos Aires geboren und erhielt seine Ausbildung zum Filmregisseur ab 1991 in Deutschland. Trotzdem zog es ihn wieder zurück in seine argentinische Heimat, um dort auf Anregung seiner Lehrerin Doris Dörrie einen Dokumentarfilm über eine ungewöhnliche Tangobar zu drehen. 1999 nahm er das Projekt in Angriff, das sich als Langzeitstudie nun über fast zehn Jahre seines Lebens erstreckte. Jene Bar „El Chino“, die viel vom Temperament ihres namengebenden Besitzers lebte, durchlief nach dessen Tod 2001 einen Wandel, den viele der einstigen Weggefährten nicht mitvollziehen wollten. Getreu dem Motto „Tango ist keine Oper“ waren dort in Begleitung eines Gitarristen ohne Bühne und ohne Mikrofon betagte Sängerinnen und Sänger aufgetreten, die bekannte Tangos von lateinamerikanischen Stars wie Carlos Gardel ohne viel Schnickschnack zum besten gaben. Nach dem Wandel der Bar zerstreuten sich auch die Künstler in die unterschiedlichsten Richtungen, bis auf Initiative von Cristina de los Ángeles ein Revival unter anderen Vorzeichen in die Wege geleitet wurde. German Kral hat diese Entwicklung über die Jahre hinweg mit der Kamera begleitet und dabei nicht nur die herrlich sentimentalen Gesangsnummern wiederholt im Bild festgehalten. Zwischendurch kommen auch immer wieder die Künstler zu Wort, die ihr Leben, ihre Antriebskraft und ihre Liebe zum Tango thematisieren und diesen Musikstil damit für den Zuschauer transparent machen. Wer schon mit einer Vorliebe für diese Musik in den Film geht, wird sich schnell verzaubern lassen, alle anderen dürfen sich gerne von der einnehmenden Präsenz seiner talentierten Protagonisten infizieren lassen. (4/6)
D/ARG/J 2008 (El último aplauso) Regie und Buch: German Kral. Musik: Luis Borda. Schnitt: Ulrike Tortora. Kamera: Ricardo De Angelis, Sorin Dragoi. Produktion: Happinet Corporation, German Kral Filmproduktion, Monogatari Films, Indiecito, Estudio Massa. Mit: Cristina de los Ángeles, Inés Arce, Julio César Fernán, Abel Frías, Orquesta Típica Imperial, Omar Garré. 88 Min. Arsenal ab 21.05.09.
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