Drifter – Dokumentation
Vor mehr als 25 Jahren sorgte Uli Edels („Der Baader-Meinhof-Komplex“) erster großer Kinofilm „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ für Furore. Er schilderte darin den harten Alltag einiger Berliner Straßenkinder, deren bemitleidenswerte Existenz zwischen Drogensucht und Prostitution in seinem Spielfilm ernsthaft ausgeleuchtet wurde. An der Situation am Berliner Dreh- und Angelpunkt „Bahnhof Zoo“ hat sich nach all den Jahren und auch nach der Wende nichts geändert. Noch immer setzen sich im Umfeld des Verkehrsknotenpunktes junge Leute ihren Schuss oder suchen nach Freiern, um sich ihre Drogensucht zu finanzieren. Sebastian Heidinger hat sich für seinen Abschlussfilm an der Film- und Fernsehakademie Berlin auf Tuchfühlung mit einigen dieser Jugendlichen begeben und ihren Alltag in „Drifter“ festgehalten.
Aileen ist gerade mal 16 Jahre alt und nach einem abgebrochenen Entzug seit vier Monaten wieder auf Heroin. Angel, 23, weigert sich, sie beim Anschaffengehen zu begleiten, weil er nicht in den Verdacht der Zuhälterei geraten will. Er selbst finanziert sich seine Drogensucht auch durch Prostitution, genau wie der 25jährige Daniel, der in Aileen verliebt ist. Die Kamera begleitet die drei Protagonisten bei ihren täglichen Verrichtungen, bei Arztbesuchen, beim Saubermachen oder beim pedantischen Einrichten eines improvisierten Schlafplatzes. Das alles geschieht ohne jegliche Off-Kommentare und auch ohne direkte Interviews mit den Beteiligten. Das Gezeigte muss für sich selbst sprechen. Und auch wenn dabei einige in ihrer Poesie geradezu absurde Einstellungen gelingen, auch wenn sich aus den dokumentarischen Bildern im Laufe der Zeit doch eine Dramaturgie und eine Geschichte herausschält, hätte man es sich als Zuschauer gewünscht, etwas mehr Substanz, etwas mehr Hintergrund geliefert zu bekommen. (3/6)
D 2007. Regie: Sebastian Heidinger. Kamera: Henner Besuch. Schnitt: Alexander Fuchs. Produktion: boekamp und freunde, dffb. Mit: Aileen F., Angel S., Daniel W., Frau Dr. Regling, Ricardo J., Bodo H.. Salzgeber. 81 Min. Ab 11. Juni 2009 im Kino.
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