East/West – Sex & Politics
Dass sich in den Ländern des ehemaligen Ostblocks Ultrakonservative und Religionsfundamentalisten immer mehr in den Vordergrund spielen und in die Regierungsangelegenheiten einmischen können, ist seit einigen Jahren trauriger Fakt. Insbesondere davon betroffen sind Minderheiten und Randgruppen, die in diese radikalen Ideologien nicht hineinpassen. Allen Widerständen zum Trotz hat eine Gruppe homosexueller Aktivisten 2006 in Russland versucht, eine politische Demonstration für die Rechte gleichgeschlechtlich Liebender in Moskau durchzuführen. Dass die friedlich Demonstrierenden auf bewaffnete Gruppen Rechtsradikaler und die Hasstiraden Ultra-Orthodoxer getroffen sind, und die Polizei lieber die Opfer verhaftete als die Angreifer in Gewahrsam zu nehmen, ging seinerzeit durch die Nachrichten. Grund dafür war u.a. die Teilnahme des deutschen Bundestagsabgeordneten Volker Beck, der sich beim Moskauer Christopher Street Day eine blutige Nase einfing. Vladimir Ivanov hat die Geschehnisse jener Veranstaltung bereits im vergangenen Jahr in seinem Film Moskva. Pride `06 auf der Berlinale vorgestellt.
Nun legt Schwulendokumentarist Jochen Hick (Ich kenn’ keinen – Allein unter Heteros) mit einem weiteren Film zum Thema nach, der ein wenig redundant wird, wenn man Ivanovs Werk bereits kennt. Zwar schildert Hick nicht nur die Moskauer Vorkommnisse, sondern zeigt uns auch die Schwierigkeiten einer ähnlich problematischen Demonstration in Warschau ein Jahr später und stellt Homosexuelle vor, die in Osteuropa leben und mit den verschiedensten Restriktionen zu kämpfen haben. Dabei thematisiert er aber auch die Frage, ob es für die Schwulen und Lesben in Russland oder Polen wirklich sinnvoll ist, für ihre Rechte auf die Straße zu gehen, oder sich vielmehr mit den Gegebenheiten zu arrangieren, um offen feindseligen Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen. (4/6)
D 2008. Regie, Kamera und Buch: Jochen Hick. Musik: Stefan Kuschner, Matthias Koeninger. Schnitt: Alexander Fuchs. Produktion: Galeria Alaska Productions. Mit: Nicolai Alekseev, Evgenia Debrianskaya, Volker Beck, Peter Tatchell, Sergei Golovach. 97 Min. Galeria Alaska ab 27.11.08.
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