Generation Kunduz der Krieg der anderen
Insistierend, und infiltrierend präsentiert sich dieser preisgekrönte Dokufilm über einen krieg, der wohl nie beendet sein wird. Denn Gewalt erzeugt Gegengewalt. Und Kunduz, der Hindukusch bleibt ein Krieg, von dem – wie viele andere auch, die Öffentlichkeit wenig erfährt. Jahrelange Schlagzeilen über einen Ort, von dem sich keiner in Deutschland ein konkretes Bild zu machen vermag. Am wenigsten über Leben, Trauer, Tragik und Träume der Menschen vor Ort selbst. Der bestechende Bilderreigen geht über diese Klischees hinaus. Dies ist der erste und bisher einzige deutsche Kino-Film, der nach dem Luftangriff vom September 2009 eine junge Bevölkerung in Kunduz ohne Begleitung durch NATO-Militär portraitiert. Dies war deshalb möglich, weil mit der Regisseur und freie ARD-Afghanistan- Korrespondent Martin Gerner ein Autor den Film verantwortet, der Land und Sprache aus vielen Begegnungen mit den Menschen und eigener Arbeit in Afghanistan seit nunmehr fast zehn Jahren kennt. Dass die Arbeit auch Gefahren barg, zeigt der Film auf undramatische Art und Weise. In epischen Bildern wird die Leidens-Geschichte von fünf jungen Männern und Frauen bebildert. Mirwais, 10 Jahre und noch ein Kind, redet über Krieg und Frieden fast wie ein Erwachsener.
Nazanin, eine Lokalreporterin, kämpft für Gleichberechtigung, obwohl sie gezwungen wird, die Burka zu tragen. Hasib, ein Student, träumt von freien und fairen Wahlen. Ghulam und Khatera drehen eine Liebesgeschichte mitten im bewaffneten Konflikt. Einblick in die Seelenlage einer jungen Generation, die zwischen Taliban und ausländischem Militär aufwächst und sich nach einem Arabischen Frühling am Hindukusch sehnt. Ein eindringliches Portrait des Alltages junger Afghanen. Unsere Stereotype geraten dabei ins Wanken. Die Situation am Hindukusch: Nach dem Sturz der Taliban-Regierung 2001 begann zunächst der Militäreinsatz OEF, („Operation andauernde Freiheit“) danach der Einsatz der Internationalen Sicherheits- und Unterstützungskräfte (ISAF) in Afghanistan. Nach Ausweitung des ISAF-Mandats auf die nördlichen Provinzen übernahm im Januar 2004 die Bundeswehr eine amerikanische Liegenschaft mitten in der Stadt, in der bis Ende Mai 2006 das Wiederaufbau-Team für die Provinz Kunduz (engl. Provincial Reconstruction Team (PRT)), unter Beteiligung verschiedener Nationen (Belgien, Niederlande, Ungarn, Rumänien, USA), stationiert war. Kunduz geriet vor allem durch einen Angriff in den Fokus massiver Kritik: Am 04.09. 2009 gegen 02:00Uhr Ortszeit wurden etwa fünfzehn Kilometer südlich von Kunduz im Norden Afghanistans zwei von Taliban entführte Tanklastwagen und die sich in nächster Nähe befindlichen Menschen bombardiert, wobei wenigstens 142 Menschen ihr Leben ließen.
Ähnliche Beiträge:
Generation Kunduz der Krieg der anderen wurde bearbeitet von Jean Lüdeke • Permalink • Kommentar schreiben »













