Postcard to Daddy – Filmdokumentation
Der deutsche Filmemacher Michael Stock (auch durch seine Schauspielerei bekannt) wurde von seinem eigenen Vater über acht Jahre sexuell missbraucht, ohne dass es die Familie je bemerkt hat. In dieser Filmdokumentation rechnet Michael Stock mit seinem Vater ab. Vor laufender Kamera konfrontiert er seine Familie (seine Mutter und seien Schwester) mit seiner Vergangenheit – 25 Jahre danach. Die daraus entstandene Videobotschaft sendet er in Form eines Dokumentarfilms an den Vater. Michaels Mutter hat sich schon längst von ihrem Mann getrennt und lebt in Thailand. Sie und Michael unterhalten sich über die Geschehnisse und über die völlig zerstörte Familie. Mehr und mehr überkommt dem Zuschauer ein Hassgefühl über das Monster Roland Stock, Michaels Vater. Doch aufmerksame Zuschauer werden keinen Hass auf den Vater der Familienmitglieder verspüren. Dieses Drama soll nicht von Hass prägen, sondern von Hoffnung und Liebe zum Leben. Michael Stock will nicht anklagen, sondern verstehen. Hier gelingt ihm die äußerst schmale Gratwanderung zwischen Leben und Tod, zwischen Liebe und Hass und zwischen Mutter und Vater sowie Vater und Sohn. Im Jahre 1993 wollte Michael Stock eigentlich seine Kindheitserlebnisse in der Low – Budget – Produktion „Prinz in Hölleland“ mitverarbeiten, aber es wurde doch „nur“ über den sexuellen Missbrauch thematisiert. So entschloss sich Michael Stock diese Dokumentation „Postcard to Daddy“ zu realisieren. Bei der 60. Berlinale dem Internationalen Film-Festival in Berlin erhielt der Dokumentarfilm ein unerwartetes großes Medieninteresse und wurde durch den schwulen Filmpreis „Teddy – Award“ ausgezeichnet.
Michael Stock ist Regisseur, Drehbuchautor, Kameramann und Produzent in persona. Unterstützung erhielt er durch Guido Diek (Kamera), Robert Quante und Till Kostinen (Schnitt), Celia Kamlah (Ton), Ralf Eifridt (Produktionsleitung), Andrea Schaefer (Produktionsassistenz) und der Co- Produzent Hubert Schaefer. Spieldauer: ca. 90 Minuten. Diese sehr persönliche Reise in die Hölle der (männlichen) Vergangenheit erweißt sich als sehr mutig und einzigartig. Zum Schluss mein Fazit: 4 Sterne!
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