Amphetamin – Drama
In Hongkong treffen zwei junge Männer aufeinander, die beide einsam und auf der Suche nach Liebe sind. Kafka (Byron Pang) hat gerade mit seiner Freundin Schluss gemacht, schlägt sich mehr schlecht als recht im Schwimmbad als Trainer durchs Leben. Daniel (Thomas Price) hingegen ist ein äußerst erfolgreicher schwuler Finanzmanager. Er ist sofort von Kafkas melancholischer Art fasziniert und beginnt, den athletischen Überlebenskünstler zu umgarnen. Der heterosexuelle Mann lässt sich auf die Avancen des gut aussehenden Geschäftsmannes ein, kann zwar die Liebe erwidern, scheut aber den körperlichen Kontakt. Die chinesischen Schriftzeichen, die das Wort Amphetamin beschreiben, lassen sich sinngemäß auch als „ist es nicht sein Schicksal?“ übersetzen. In Scuds dritter Regiearbeit sind freilich beide Sinnbedeutungen zutreffend. Kafka ist nämlich amphetaminabhängig, was die ohnehin schwierige Beziehung zu seinem neuen Liebhaber Daniel weiter verkompliziert. In seiner unendlichen Zuneigung versucht Daniel, Kafka aus seiner Abhängigkeit zu befreien und ihn stattdessen mit der Droge Liebe zu infizieren – eine schicksalhafte Begegnung.
Scud arbeitete lange in einem von ihm verhassten IT-Job, bis er sich vor einigen Jahren als Autodidakt in der Filmindustrie versuchte. Die von ihm gegründete Produktionsfirma Artwalker entwickelte sich zu einem der wichtigsten Independent-Labels in Hongkong. Mit „Amphetamin“ hat Scud nun stark autobiografisch geprägte Erlebnisse auf sehr kunstvolle Weise zu verarbeiten versucht. Gemeinsame Szenen seiner beiden Protagonisten hat er in bestechend schönen Bildkompositionen eingefangen, viele der Filmbilder sind in ihrem Arrangement, ihrer Farbgebung und Ausleuchtung dermaßen schön, dass man sie sich gerahmt an die Wand hängen möchte. Die athletisch-muskulösen Körper seiner beiden gut aussehenden Protagonisten hat er dabei immer ins beste Licht gerückt. Die Verschachtelung mehrerer Zeit- und Erzählebenen hinkt zwar mitunter ein wenig, aber insgesamt ist dieses kunstvoll ausgearbeitete Liebesdrama ein ästhetisches und emotionales Erlebnis mit langer Nachwirkung.
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