Anonyma – Eine Frau in Berlin – Eingekesselt
1959 veröffentlichte eine Frau anonym ihr Tagebuch von den letzten Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs, als Berlin von den Russen eingenommen wurde und die Frauen erbarmungslos von den Besatzern ausgenutzt und vergewaltigt wurden. „Eine Frau in Berlin“ wurde zum Skandal und die Autorin selbst untersagte zu Lebzeiten eine Neuauflage ihres Berichtes und die Enthüllung ihrer Identität. Dieser spannende authentische Hintergrund hätte die Vorlage für einen ebenso spannenden Kinofilm liefern können, aber seltsamerweise lässt einen die Geschichte größtenteils kalt. An den Darstellern liegt es nicht, denn mit Nina Hoss als Tagebuchschreiberin, die ihren einzigen Ausweg darin sieht, sich einem ranghohen Russen anzudienen und sich damit die streunenden russischen Soldaten vom Leib zu halten, ist der Film stark besetzt. Auch die Nebenrollen warten mit großen Namen auf, die Ausstattung stimmt und trotz der Überlänge entsteht keine Langeweile. Aber eben leider auch keine wirkliche Empathie zu den Figuren. Dabei sollte man meinen, dass man sich mit dem heutigen Wissen viel leichter in die verzweifelten Frauen hineinversetzen kann, und das, was man in den späten 50er Jahren noch als Unehrenhaftigkeit abstempelte, wesentlich besser nachvollziehen kann. Trotz all dem mag der Funke nicht so richtig überspringen und man verlässt den Kinosaal mit einem seltsamen Gefühl, das man nicht so recht deuten kann. Vielleicht liegt es ja auch einfach daran, dass man mittlerweile schon zu viel über diese Zeit gesehen hat und man hier nicht wirklich etwas Neues erfährt.
D/PL 2008. Regie und Buch: Max Färberböck. Buch: Catharina Schuchmann. Musik: Zbigniew Preisner. Schnitt: Ewa J. Lind. Kamera: Benedict Neuenfels (AAC/BVK). Produktion: Günter Rohrbach, Constantin Film, ZDF, Tempus. Mit: Nina Hoss, Evgeny Sidikhin, Irm Hermann, Rüdiger Vogler, Ulrike Krumbiegel, Rolf Kanies, Jördis Triebel. Constantin. 131 Min. Ab 23. Oktober 2008 im Kino.
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