Bullhead
Was für ein bemerkenswertes und bedrückendes Drama in bestechender Dokumentarspielfilm-Version: verstörend und verängstigend kommt dieser düstere, dramatische und durchgeschossene Sozialkrimi über die heillosen Machenschaften der Hormon – Mafia daher. Der junge Rinderzüchter Jacky Vanmarsenille (Matthias Schoenaerts) wird von einem skrupellosen Tierarzt erpresst, in dubiose Geschäfte mit einem anderen Viehzüchter (Sam Louwyck) einzusteigen. Aber Jacky wittert, dass etwas schief läuft. Erst recht, als er De Kuypers rechte Hand kennen lernt: Diederik (Jeroen Perceval) und Jacky waren als Kinder unzertrennlich, bis ein schreckliches Ereignis ihre Freundschaft zerstörte. Das Leben des Viehzüchters gerät zusehends aus den Fugen, als das dunkle Geheimnis seiner Vergangenheit ans Tageslicht kommt, ein Polizisten-Mord geschieht und er immer tiefer in die Machenschaften der Hormon-Mafia verstrickt wird. Mit Bullhead kommt nicht nur ein erschütterndes Stück Realität als Kinowahrheit daher, sondern gleichzeitig ein perfides Porträt über die Spezies Mensch. Blendend agiert hier der selbst fixende Protagonist und die übrigen engagierten no Name-Crew, eingebetet in ein enervierendes und ergreifendes Drama um kaputte Menschen mit kaputtgemachtem Fleisch in einem kaputten, von vielen politischen Parteiern zerrissenen Belgien. es, in denen emphatisch aufspielende, armselige Figuren, die in Federico Fellinis „Faces“ einen freakigen Ehrenplatz verdient hätten, realistisch kolportieren und komprimieren.
Es ist ein Krimi über die maliziösen Machenschaften der Hormonmafia, und es ist ein Bildnis des jungen Mannes mit einer schrecklichen Vergangenheit, dem als Kind die Hoden zertrümmert wurden. Jener Grund, wieso er selbst die Hormone injiziert, um wie ein wilder Stier dampf abzulassen. Alles minutiös, stimmig und stimmungsvoll in düsteren Kadren einer gräulich getönten Einöde der Limburger Landschaft gefilmt. Die Be3schissenheit dieser filmischen Dinge basiert auf allzu ruchlos Reales. Der belgische Veterinärinspektor Karel van Noppen kam durch Zufall einem kapitalen Hormonskandal in Belgien auf die Spur. 1995 entdeckte er bei einer überraschenden Kontrolle in einem Schlachthof hormonbehandelte Rinder. Elf Tage später wurde er ermordet. Sieben Jahre fahndete und ermittelte der Staatsanwalt ermittelt. 2003 wurden die Drahtzieher der belgischen Hormonmafia rund um den Tierarzt-Mord Van Noppen zu 25 Jahren Haft verurteilt.. Viel zu spät ist in den Augen vieler Belgier auch die nationale Behörde zur Nahrungsmittelkontrolle errichtet worden. Diese nahm ebenfalls erst im Sommer 2002 ihre lange fällige Arbeit auf. 2009 hieß es, in Belgien sei die Hormonmafia wieder aktiv. Nach Berichten flämischer Tageszeitungen steht die Föderale Agentur für Nahrungsmittelsicherheit dem Phänomen nahezu machtlos gegenüber. Die Taktik sei lediglich spezifiziert und man benutze nun Substanzen, die bei der Kontrolle nicht nachzuweisen seien.
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Bullhead wurde bearbeitet von Jean Lüdeke • Permalink • Kommentar schreiben »




