Der Gott des Gemetzels
Erfolgs- und Skandalregisseur Roman Polanski („Frantic“, „Der Pianist) rekrutierte für diese hochkarätige, bissige Ensemble-Komödie keine geringeren A-Garde-Stars wie die Foster („Angeklagt“), „das Schweigen der Lämmer“), Kate Winslet („Der Vorleser“) Christoph Waltz („Inglorious Basterds“) und John C. Reilly („Cicago“). Für die brillante Kameraarbeit dieser verbalen Schlamm-Schlacht zeichnet Pawel Edelman Verantwortung. Unverantwortlichkeit heißt auch das Thema der intelligenten Komödie, bei der aus einem harmlosen Bubenstreit ein profundes Sitten- und Ehebild des emphatisch aufspielenden Quartetts entworfen wird. Aber wie: Zwei elfjährige Buben hakeln und prügeln sich auf einem Spielplatz, einem der beiden verliert dabei zwei Zähne. Die Eltern des vermeintlichen Schlägers, Penelope( Jodie Foster) und Michael (John C. Reilly) haben die Eltern des Stockschlägers, Nancy (Kate Winslet) und Alan (Christoph Waltz) in die Wohnung invitiert, um den unangenehmen Zwischenfall wie erwachsene und vor allem vernünftige Menschen zu erörtern, zu erklären und zu schlichten. Doch weit gefehlt. Was jedoch im Laufe der Zeit als gepflegte Konversation über Zivilisation, Gewalt und Verantwortlichkeit beginnt, entwickelt sich schon bald zur zynischen Verbalschlacht voller Irritationen, Widersprüche und hanebüchener Vorurteile. Die Situation eskaliert immer heftiger. Vier Städter geraten aus der Fassung und liegen sich in den Haaren. Zwei gegen zwei, eine gegen alle, jede8r) gegen jede(n).
Brachial und kongenial werden dabei ethische Grenzen überschritten, provoziert und schließlich glasklar, dass sie alle hinter ihrer zivilisierten Maske und höflichen Fassade der Gott des Gemetzels geoutet wird. Auf dem Schlachtfeld dieser Tragikomödie versinken nicht nur seltene Kunstbücher in Erbrochenem und ein lebenswichtiges Handy in der Blumenvase… Die Adaption des berühmten gleichnamigen Theaterstücks von Yasmina Reza strotzt vor Intelligenz und morbider Wut-Witzigkeit. Rezas Ensemble-Drama wurde von Kritik und Publikum hoch bejubelt. Es lief vor ausverkauften Theater-Häusern in Paris, London sowie am Broadway und wurde mit mehreren Olivier Awards und Tonys ausgezeichnet. Kaum hatte Roman Polanski das Stück gesichtet, war die Idee zur Verfilmung geboren. Der Schauplatz wurde dabei von Paris nach Brooklyn verlegt, als das Stück 2009 am Broadway aufgeführt wurde. Daher siedelte Polanski die Filmversion ebenfalls in New York. Und das meisterlich, die bildlicher Erzählung wurde in Echtzeit beizubehalten, ohne Unterbrechungen oder eines Schauplatzwechsels. Und das ist schon die große Kunst an sich, weil zu keiner Sekunde lähmende Langeweile aufkommt. Im September 2011 feierte dieser Meisterstückchen Kino auf den Internationalen Filmfestspiele in Venedig seine Weltpremiere.
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