Der Stern des Soldaten
Der Krieg des Nikolai: Gegen seinen Willen wird der Russe Nikolai Anfang der 80er Jahre zum Militärdienst in Afghanistan zwangsverpflichtet. Der Musiker kann mit Krieg nichts anfangen und wird schon bald von den Mudschaheddin gefangen genommen. Es beginnt eine Phase der gegenseitigen Annäherung. Poetischer Antikriegsfilm.
Es ist noch gar nicht so lange her, da war der Afghanistankrieg der frühen 80er Jahre Grundlage für eine beißende Kriegssatire aus den USA, Mike Nichols’ „Der Krieg des Charlie Wilson“ mit Tom Hanks in der biografisch gefärbten Hauptrolle. Hollywood schaute mit viel Selbstironie auf das dunkle Kapitel aus der Hochphase des Kalten Krieges, als das CIA die afghanischen Widerstandskämpfer mit Waffen versorgte, um dem russischen Erzfeind eine mit Vietnam vergleichbare Niederlage zu bescheren. Auch wenn es Mike Nichols sehr überzeugend gelungen ist, die Verstrickungen zu verdeutlichen und auch die Konsequenzen der damaligen Entscheidungen, die schließlich in den Anschlägen auf das World Trade Center gipfelten, nicht auszusparen, war auch seine Sicht der Dinge wieder weitgehend auf die Amerikaner reduziert. Der Franzose Christophe de Ponfilly nimmt nun in „Der Stern des Soldaten“, der ebenfalls auf realen Ereignissen basiert, die bislang eher selten gewählte Innenperspektive ein, und veranschaulicht mit Hilfe des unfreiwilligen russischen Soldaten Nikolai, wie die kriegerischen Auseinandersetzungen bei den Sowjets und Afghanen aufgenommen wurden.
Dadurch, dass der Filmemacher die Handlungen mit einem allwissenden Off-Kommentar unterlegt, nimmt er eine Position zwischen semi-dokumentarischem Realismus und poetischem Surrealismus ein. Denn vieles des Gezeigten ist die authentische Nacherzählung tatsächlicher Ereignisse, anderes wiederum folgt einem fabulierfreudigen Märchenstil, der sicherlich nicht jedermanns Sache sein wird. Wer bei einer so ernsten und vergleichsweise selten filmisch aufbereiteten Geschichte auf uneingeschränkten Realismus pocht, wird wohl enttäuscht werden. Da es aber erklärtes Ziel des Films ist, in den Gräueln des Krieges auch poetische Momente zu erblicken, was sich bereits in der Wahl des Filmtitels manifestiert, kann man diesen Ansatz gut nachvollziehen. Schließlich handelt es sich bei zweien der Protagonisten um Künstler verschiedener Couleur, die auch zwischen den tödlichen Auseinandersetzungen ihre Talente nicht zu kurz kommen lassen und damit den Krieg überhaupt erst ertragbar machen. Für ein aufgeschlossenes Publikum bietet „Der Stern des Soldaten“ also einen ungewöhnlichen, längst überfälligen Blickwinkel auf eines der großen Verbrechen des 20. Jahrhunderts, dessen Nachwehen auch heute noch unser Leben nachhaltig beeinflussen.
D/F/AFG 2006 (L’étoile du soldat) Regie und Buch: Christophe de Ponfilly. Musik: Jean-Baptiste Loussier. Kamera: Laurent Fleutot. Schnitt: Anja Lüdcke. Produktion: Albert Films, Voltaire Production, NEF Filmproduktion, Afghanfilm, France 2 Cinéma, Euroarts. Mit: Sacha Bourdo, Patrick Chauvel, der Stimme von Hanns Zischler, Mohammad Amin, Ahmad Shah Alefsourat, Gol Goutey, Igor Naryshkin. Stardust. 105 Min. Ab 19. Juni 2008 im Kino.
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