Der Weiße mit dem Schwarzbrot
Mann mit Vergangenheit: Christof Wackernagel dürfte vielen noch als ehemaliges RAF-Mitglied ein Begriff sein. Seit einigen Jahren lebt der Schauspieler und Autor nun in Mali, wo er sich in vielfältigen Projekten für die Verbesserung der Lebenssituation der Menschen vor Ort einsetzt. Aufschlussreiche Dokumentation.
Als Schauspieler schaffte der 1951 geborene Wackernagel schon 1968 den großen Durchbruch, als er in Johannes Schaafs Tätowierung die Hauptrolle übernahm. In den Folgejahren sammelte er in erster Linie Drogenerfahrungen und schloss sich 1977 der Rote-Armee-Fraktion an. Schon kurze Zeit später kam es in den Niederlanden zu einem Schusswechsel mit der Polizei, der ihm wegen versuchten Mordes eine lebenslange Haftstrafe einbrachte. Zehn Jahre musste Wackernagel davon absitzen, eine Zeit, die ihn stärker machte und ihn zunächst intellektuell, dann psychisch von den Ideologien der Linksextremen absagen ließ. Auch darüber plaudert das quirlige Allroundtalent in Jonas Groschs Dokumentation. Mit seiner Vergangenheit hat Wackernagel abgeschlossen, nicht zuletzt, weil er in Deutschland immer wieder auf seine ehemalige RAF-Mitgliedschaft reduziert wurde.
In Mali, einem der ärmsten Länder Afrikas, hat er mittlerweile eine neue Heimat gefunden. Vor Ort versuchte er, eine Kulturkarawane zu initiieren, die für den kulturellen Austausch zwischen den verschiedenen Nationen sorgen und dabei kriegerische Auseinandersetzungen beizulegen helfen sollte. Auch unternahm er einen Versuch, in Bamako eine Vollkornbäckerei zu etablieren. Trotz mancherlei Rückschlägen hat Wackernagel seinen Tatendrang nicht eingebüßt, hat für die Kinder des Dorfes ein Plastiktütenspiel erfunden, bei dem es darum geht, sich gegenseitig in punkto Geschwindigkeit beim Mülleinsammeln zu übertreffen. Auch kulturell bleibt der Schauspieler umtriebig, musiziert mit seinem Freund Madou in Bars und auf der Straße, malt und schreibt an Kurzgeschichten und an einem Roman. Jonas Grosch gelingt es dabei ein ums andere Mal, Christof Wackernagel Vergangenes und Aktuelles Revue passieren zu lassen, und den Aktivisten mit seinen Gefühlen nicht hinterm Berg halten zu lassen. Auf diese Weise ist dem jungen Filmemacher das eindrucksvolle Porträt eines engagierten Menschen geglückt, das sowohl die extreme Seite einer unrühmlichen Vergangenheit spürbar werden lässt, als auch die liebevolle Hingabe für eine gerechtere und lebenswertere Welt, die Wackernagel heutzutage umtreibt.
D 2007. Regie und Buch: Jonas Grosch. Musik: Madou Coulibaly. Kamera: Miriam Troescher. Schnitt: Antje Lass. Produktion: Doni Doni Film, MMM Film. Mit: Christof Wackernagel, Madou Coulibaly, Assa. mmm. (O.m.U.) 73 Min. Ab 12. Juni 2008 im Kino.
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