Die Haut, in der ich wohne
Unglaublich und unheimlich war schon der Roman von Thierry Jonquet namens „Mygale“ aus dem Jahre 1984. Und Unfassbares vollbringt auch dieser einzigartige Thriller. Es geht um den Chirurgen Dr. Robert Legard (Antonio Banderas, der ein tödliches Netz soannt.Nach dem tragischen Autounfall seiner verbrannten Frau, setzt der smarte Halbgott in Weiß alle Hebel in Bewegung, mittels umstrittener „Transgenese“ eine robustere, künstliche Haut zu kreieren. Diese Epidermis hätte der freiwillig aus dem leben geschiedenen Ex das Leben retten können. Nach zwölf Jahren schlafloser Forschungsversuche ist es ihm gelungen, endlich die makellose Hülle zu erschaffen, gegen die eine humane stümperhaft ist. Was der illustre Mediziner, der die Grenzen der Ethik weit überschreitet, nur noch benötigt, ist das menschliche Versuchstier seines visionären Wirkens, weil die (unbehaarten) ) athymischen Labormäuse längst die Tests reüssierten. Bleierne Bedenken seitens der Ärztekammer sind für Ledgard völlig indiskutabel, und seine loyale Haushälterin Marilia (Marisa Paredes) unterstützt ihn mit leib und Seele bei seiner obskuren Machenschaften. Legard unterhält nämlich in seinem schmucken Anwesen eine stylisch gerichtetes Geheimlabor, in dem die verhüllte und verschreckte junge Vera (Elena Anaya) seit Urzeiten darbt.
Aber der manische Forscher denkt nicht an ihre Freilassung, zumal er alte und offene Rechnungen diabolisch begleichen will. Düster und durchgeknalllt verschreckt Almodóvar („Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“, 1988) nicht nur seine mondiale Fangemeinde mit diesem virulenten und obsessiven Trip in den humaoiden Hades und konterkariert mit seinem malignen Mosaik aus Liebe, Lust und Leidenschaft, aus Trauer, Schuld, Zorn und Sühne seinen eigene, nicht greifbaren Genremix aus Krimi, Thriller und Tragikomödie. Immer wieder wendet er in seinem typisch Almodóvar bonbonfarbig gesettetem Drama das Blatt, führt den Betrachter in die Irre und Enge, lässt einen Twist auf den nächsten folgen, um seine haarsträubende Dramaturgie bis zur letzten Filmminute zu konservieren. Was vordergründig als todbringender trip um den Missbrauch von Schönheitsoperationen gemahnt, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als durchdachter Diskurs über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der zeitgenössischen Medizin, hier eben das kontaminöse Klonen. Elegisch und ernüchternd zugleich, bleibt der Zuschauer in diesem Spannungsbogen gefangen wie die Fliege im Spinnennetz, stets im aggressiven Antagonismus zwischen ehrfürchtiger Bewunderung und elendigem Mitleid. Denn Vera wird als fragiles, formschönes Ersatzteilmonster hinter ihrer Permanentmaske exponiert. Die kathartische Strafe löst dieser extraordinäre Schocker am Ende auf, jedoch nie ohne eine gehörige Portion skurrilen und morbiden Humors.
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Die Haut, in der ich wohne wurde bearbeitet von Jean Lüdeke • Permalink • Kommentar schreiben »













