Die Herzogin
Georgiana ist überglücklich, als sie der Duke von Devonshire zur Gattin nimmt. Der hofft insbesondere auf einen männlichen Nachkommen, den ihr Georgiana aber nicht schenken kann. Die Ehe wird zur Hölle, doch die Etikette muss gewahrt bleiben. Stilvoller Kostümfilm.
Wenn die BBC Films an der Produktion eines historischen Stoffes für die große Leinwand beteiligt sind, kann man sich schon sicher sein, dass das Ergebnis ein penibel ausgestattetes und mit viel Liebe fürs Detail realisiertes Gesamtkunstwerk wird. So auch hier. Wer im Kino gerne in vergangenen Zeiten schwelgt, als gesellschaftliche Klassenunterschiede noch unüberwindbare Barrieren darstellten und das Glück junger Menschen von äußeren Zwängen gelenkt wurde, dem sei „Die Herzogin“ wärmstens empfohlen. Welche Dramen sich im England des 18. Jahrhunderts abspielen konnten, weil Liebe sich nicht um Adelstitel oder soziale Stellungen schert, wurde uns schon wiederholt in den Romanen einer Jane Austen oder denen der Geschwister Brontë vermittelt. In der gleichen Zeit spielte sich auch das persönliche Schicksal von Georgiana Spencer ab, deren erste Euphorie angesichts der Heirat mit dem wichtigsten Adeligen des Landes, dem Herzog von Devonshire, schnell verflog, als sie feststellen musste, dass in der Beziehung nicht die leiseste Spur von Liebe herrschte, sondern es dem Herzog nur um die Zeugung eines männlichen Nachkommens ging. Als Georgiana ihm diese Aufgabe nicht erfüllen konnte, suchte er sich alsbald eine Mätresse, zu allem Überfluss noch die beste Freundin seiner Herzogin. Georgiana selbst hatte sich derweil in den aufstrebenden Politiker Charles Grey verliebt, mit dem sie allerdings keine offizielle Bindung eingehen konnte – seine niedere gesellschaftliche Stellung verbot dies. Es fällt ein wenig schwer, die Relevanz der Geschichte für Zuschauer des 21. Jahrhunderts noch im Ganzen nachvollziehen zu können. In der westlichen Kultur hat man derartige Standesprobleme Gott sei Dank erfolgreich hinter sich gelassen. Doch das Schicksal Georgianas, die sich zunächst aus dem Schatten ihres langweiligen Gatten befreite und durch ihr schillerndes, mode- und selbstbewusstes Auftreten für viele Frauen in eine Vorreiterrolle aufstieg, ist auch heute noch bewegend und herzergreifend. Denn schon bald danach wurde sie zur Gefangenen im Goldenen Käfig, die ihre Tage an der Seite ihres Mannes im Schatten von dessen Mätresse verbringen musste. Erst viel später in der Geschichte wird klar, dass Georgiana nicht die einzige am Hofe ist, die unter den gesellschaftlichen Zwängen zu leiden hatte. Und damit eröffnet uns Saul Dibb mit seiner Adaption eines Buches von Amanda Foreman eine Erkenntnis, die die gesamte gesellschaftliche Situation des ausgehenden 18. Jahrhunderts in Zweifel stellt und uns vor Augen führt, um wie viel leichter wir es in dieser Hinsicht heutzutage haben. (4/6)
GB/I/F 2008 (The Duchess) Regie und Buch: Saul Dibb. Buch: Jeffrey Hatcher, Anders Thomas Jensen. Musik: Rachel Portman. Kamera: Gyula Pados. Schnitt: Masahiro Hirakubo. Produktion: Paramount Vantage, Pathé, BBC Films, Pathé Renn Productions, BIM Distribuzione, Qwerty Films, Magnolia Mae Films. Mit: Keira Knightley, Ralph Fiennes, Charlotte Rampling, Dominic Cooper, Hayley Atwell, Simon McBurney, Aidan McArdle. Kinowelt. 110 Min. Ab 26.03.2009 im Kino.
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