Die österreichische Methode
Die Idee verdient Respekt: Fünf ehemalige Filmhochschüler aus Köln haben sich entschlossen, ihren ersten Langspielfilm gemeinsam zu stemmen. Jeder inszeniert eine Episode des Gemeinschaftsprojekts, zu der er auch selbst das Drehbuch geschrieben hat, und das Ganze wird schließlich zu einem Kompilationsfilm verwoben. In ähnlicher Form kennt man das bereits aus der Filmgeschichte: In den 50er und 60er Jahren waren Omnibusfilme beliebt, bei denen verschiedene Regisseure Episoden zu einem gemeinsamen Thema inszenierten. Diese wurden dann aber nacheinander abgehandelt und hatten in der Regel keine Berührungspunkte. Der Ensemblefilm im Stil von Robert Altman oder später Paul Haggis hat das Konzept dann in den vergangenen Jahren verfeinert. Hier war es meist ein einzelner Regisseur, der verschiedene Geschichten erzählte und häufiger dann auch miteinander verband. Die Idee der Ex-Filmstudenten ist eine Mischung aus beidem. Die Geschichten haben inhaltlich kaum Berührungspunkte, sind von jeweils anderen Filmemachern konzipiert und finden in der Endform schließlich doch zu einer Einheit. Diese entsteht zum einen durch einen äußerst gelungenen Schnitt, der gezielt dramaturgische Höhepunkte ansteuert und dann zu anderen Episoden schneidet. Ein weiteres verbindendes Element stellt die Musikuntermalung dar, die subtil auf akustischer Ebene Brücken schlägt. Einzeln für sich genommen sind die meisten der Geschichten allerdings nicht besonders aufregend oder innovativ, vieles bleibt bis zum Schluss im Dunkeln und fängt lediglich Momentaufnahmen aus dem Leben junger Menschen am Rande des Nervenzusammenbruchs ein. Eine junge Frau wird von ihrem Ex-Freund entführt und ans Bett gefesselt, eine andere möchte sich das Leben nehmen, nachdem bei ihr ein Gehirntumor diagnostiziert wurde. Julia will die Sehnsucht nach ihren eigenen Abgründen ausleben und macht sich eines Nachts auf eine abenteuerliche Odyssee. Auch Maleen und Sascha versuchen, ihre Beziehung aufzufrischen, indem sie ein riskantes Spiel mit vergifteten Ecstasy-Pillen eingehen. Und zu guter Letzt ist da noch der Psychologe Roman, der seine Patientin Eva zum Abendessen zu sich nach Hause geladen hat, wo es zwischen ihr und seiner Ehefrau zum Eklat kommt. Die ambitioniert geschriebenen und mit talentierten Theaterschauspielern besetzten Episoden sind vielleicht nicht die erste Wahl für eine Kinoauswertung, können aber durch ihr geschickt verflochtenes Konzept ein experimentierfreudiges Publikum dennoch begeistern.
D 2007. Regie und Buch: Florian Mischa Böder, Peter Bösenberg, Gerrit Lucas, Erica von Moeller, Alexander Tavakoli. Mit: Maja Beckmann, Julie Bräuning, Susanne Buchenberger, Lilia Lehner, Cathérine Seifert, Veronika Bayer, Marita Breuer, Johann von Bülow, Arno Frisch, Carlo Ljubek. Spirit. 93 Min. Ab 20. März 2008 im Kino.
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