Die Reise des chinesischen Trommlers
Einen berühmten Namen zu tragen dürfte insbesondere in der Filmbranche Fluch und Segen zugleich sein. Immer wieder wird marketingtechnisch darauf zurückgegriffen, wenn Söhne oder Töchter in die Fußstapfen ihrer bekannten Eltern treten. Aber die Sprösslinge müssen dann auch immer versuchen, sich aus den übergroßen Schatten der vorangegangenen Generation zu lösen. Ein letztes trauriges Beispiel der Unmöglichkeit dieses Unterfangens stellt Guillaume Depardieu dar, Gérards Sohn, der das Rüpelimage des Vaters in potenzierter Form imitierte und daran indirekt zu Grunde ging. Wollen wir hoffen, dass Jaycee Chan es leichter haben wird, im selben Metier zu reüssieren wie sein ikonenhafter Vater Jackie Chan. Jaycee ist in Hongkong trotz seiner gerade mal 26 Lebensjahre bereits seit Längerem in der Filmbranche aktiv, nun kommt mit „Die Reise des chinesischen Trommlers“ erstmals eine seiner Arbeiten auch hierzulande in die Kinos. Jaycee Chan spielt den Mafiasohn Sid, der sich seit jeher an seinem strengen Vater gerieben hat und nun sein Leben aufs Spiel setzt, indem er sich mit der Geliebten eines anderen Mafiabosses einlässt. Um der tödlichen Rache zu entgehen, flieht Sid in ein taiwanesisches Refugium, in dem eine Gruppe Zen-Mönche ihm das Trommeln und Nicht-Trommeln beibringt.
Kenneth Bis Film ist eine eigenartige Mischung aus Selbstfindungstripp, Mafiastreifen und Zen-Lehre, der zwischen den Genres pendelt und dabei die unterschiedlichsten Stimmungen bedient. Die Unausgewogenheit wird dem Film mehr und mehr zum Verhängnis, da er sich dabei zwischen sämtliche Stühle setzt und die meisten Zuschauer enttäuscht zurücklassen dürfte. Zudem ist der Film assoziativ geradezu überladen, was ihn für ein westliches Publikum ohne allzu große Erfahrungen mit den kulturellen Gepflogenheiten der Asiaten vor zusätzliche Probleme stellen wird. Was bleibt, ist ein zumindest teilweise gelungener Coming-of-Age-Film mit einer durchaus nachhaltigen Darstellerleistung des Chan-Sohns. (3/6)
HGKG/TAIW/D 2007 (Zhan. gu) Regie, Schnitt und Buch: Kenneth Bi. Musik: Andre Matthias. Schnitt: Isabel Meier. Kamera: Sam Koa. Produktion: Kenbiroli Films, Twenty Twenty Vision, Emperor Motion Pictures. Mit: Jaycee Chan, Tony Leung Ka Fai, Angelica Lee, Roy Cheung, Josie Ho, Kenneth Tsang, Hei-Yi Cheng. 118 Min. Neue Visionen ab 1. 1.09.
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