Die Stimme des Adlers – Drama
Die meisten Kinder der westlichen Länder wachsen mittlerweile in Städten auf und haben den direkten Kontakt zur Natur oder zu Tieren weitestgehend verloren. Zahme Haustiere wie Hunde, Katzen oder Meerschweinchen können wohl kaum mit einem dressierten Steinadler konkurrieren! Der schwedische Regisseur Renè Bo Hansen, der bislang eher im Dokumentarfilm reüssierte, hat mit „Die Stimme des Adlers“ einen Film realisiert, der nicht nur in der mongolischen Steppe angesiedelt ist, sondern auch an den Erfolg vergleichbarer Produktionen wie „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ oder „Die Höhle des gelben Hundes“ anknüpft. Was die beeindruckenden Tier- und Naturaufnahmen angeht, kann er mit diesen Vorbildern auch durchaus mithalten. In erzählerischer Hinsicht hingegen bleibt er zu unentschlossen und kann deswegen nicht vollends überzeugen.
Bazarbai (Bazarbai Matyei) ist der jüngste Sohn eines mongolischen Adlerjägers, der die Tradition der Familie nicht fortführen möchte. Zum Adler seines Vaters, der sich schon seit zehn Jahren im Besitz der Familie befindet, kann er keine Beziehung aufbauen. Da Bazarbais älterer Bruder in die Stadt umgezogen ist, möchte er ihn besuchen gehen und bricht zu einer langen Wanderung auf. Sein Vater schickt den Adler hinterher, damit er auf seinen Sohn aufpasst und sich die beiden miteinander anzufreunden lernen. Renè Bo Hansen hat seine überwiegend aus der Sicht des Kindes erzählte Geschichte mit mythologischen Elementen der mongolischen Nomaden angereichert. Dadurch erhält auch „Die Stimme des Adlers“ einen märchenhaften Charakter, den er allerdings nicht konsequent beibehält. Immer wieder mischen sich realistische Sequenzen in die Erzählung, die wohl eher dem dokumentarischen Hintergrund seines Regisseurs geschuldet sind. Diese Unausgegorenheit wird vor allen Dingen einem erwachsenen Publikum auffallen. Den Kindern unter den Zuschauern dürften die Sequenzen mit dem dressierten Adler indes gut gefallen und mithelfen, dass die mutigen Abenteuer des kleinen Jungen durchaus auf Anklang stoßen. (3/6)
D/S 2009 (The Eagle Hunter’s Son) Regie: Renè Bo Hansen. Buch: Stefan Karlsson. Musik: Sebastian Pille, Steffen M. Kaltschmid. Schnitt: Andre Alves, Jana Musik. Kamera: Dixie Schmiedle. Produktion: Stromberg Productions, Eden Film. Mit: Bazarbai Matyei, Serikbai Khulan, Mardan Matyei, Asilbek Badelkhan. 87 Min. Movienet ab 18.06.09.
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