Drei Affen – Nichts hören – nichts sehen – nichts sagen
Als Politiker Servet vor einer wichtigen Wahl einen Menschen anfährt, überredet er seinen Chauffeur Eyüp, die Schuld auf sich zu nehmen. Als Ausgleich bietet er ihm eine Stange Geld, sobald Eyüp die Haftstrafe abgesessen hat. Eyüps Frau erbittet einen Vorschuss. Wortkarges Familiendrama.
Nuri Bilge Ceylan ist einer der renommiertesten Regisseure seines Landes. Mit seinen lakonischen, oftmals erschreckend banalen Alltagsschilderungen in Filmen wie „Uzak – Weit“ und „Jahreszeiten – Iklimler“ hat er auch hierzulande schon Arthouse-Fans für die Filmkunst seines Heimatlandes Türkei begeistern können. Sein jüngstes Werk „Drei Affen“ steht in der Tradition der Vorgängerfilme und wurde im vergangenen Jahr in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnet. Wer sich auf die ruhige, wortkarge und dennoch sehr prägnante Inszenierungsweise Ceylans einlassen kann, bekommt eine stimmige und anregende Diskussionsgrundlage für Fragen der Schuld und der diversen Abhängigkeiten zwischen Menschen geliefert.
Der Ausgangspunkt ist ein Unfall, der durch Übermüdung am Steuer entstanden ist. Der Politiker Servet möchte seine Chancen bei der anstehenden Wahl nicht gefährden und kann seinen treuen Chauffeur überreden, die ganze Schuld auf sich zu nehmen und an seiner Statt ins Gefängnis zu wandern. Währenddessen bekommt Ismail, der Sohn des Chauffeurs Eyüp, Probleme. Um an einen begehrten Job zu kommen, benötigt er ein Auto. Er kann seine Mutter überreden, bei Servet einen Vorschuss für die übernommene Schuld seines Vaters geltend zu machen. Dabei kommt Servet Hacer näher, der eine Affäre mit der Frau seines Chauffeurs beginnt. Zwischen nur vier Personen spielt sich Nuri Bilge Ceylans Film ab, doch die Abhängigkeiten und Verstrickungen sind vielfältiger Natur. Wie bei den Titel gebenden drei Affen kommt es zu allerhand Geheimnissen, Unausgesprochenem und bewusst Ignoriertem. Dadurch schaukelt sich die Situation gemächlich, aber beständig in die Höhe und eskaliert schließlich, als Eyüp aus seiner neunmonatigen Haft entlassen wird. Wie aus seinen früheren Filmen schon bekannt, verharrt Ceylan häufig in statischen Einstellungen, die den Betrachter zum Beobachten einladen und ihn nach und nach entscheidende Details entdecken lassen. Die stimmungsvoll kadrierten Bilder sind dabei stets mit Sinn und Verstand ausgewählt, und haben neben ihrer visuellen Stärke auch oftmals die Funktion symbolische Mehrwerte und tiefer gehende Bedeutungen zu transportieren. Als gleichfalls unausgesprochene zusätzliche Komponente schwebt über den Personen der frühzeitige Tod von Ismails jüngerem Bruder, der in Traumsequenzen die Befindlichkeiten der Beteiligten nachhaltig zu verändern scheint. Eine ausgeklügelte filmische Betrachtung zum menschlichen Miteinander und den vielfältigen Problemen der Kommunikation, der etliche Denkansätze liefert. (4/6)
TRK/F/I 2008 (Üç maymun) Regie und Buch: Nuri Bilge Ceylan. Buch: Ebru Ceylan, Ercan Kesal. Kamera: Gökhan Tiryaki. Schnitt: Ayhan Ergürsel, Bora Göksingöl, Nuri Bilge Ceylan. Produktion: Zeynofilm, Pyramide Productions. Mit: Yavuz Bingöl, Hatice Aslan, Ahmet Rifat Sungar, Ercan Kesal, Cafer Köse, Gürkan Aydin. Arsenal. 109 Min. Ab 19.03.2009 im Kino.
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