Du sollst nicht lieben
Die Welt, in die uns Haim Tabakman in seinem Spielfilmdebüt einführt, scheint irgendwie zeitlos zu sein. In einem fast hermetisch abgeschirmten Bereich Jerusalems gehen orthodoxe Juden ihrem streng an den Traditionen ausgerichteten Alltag nach. Man erkennt sie bereits an ihrem Äußeren, bestehend aus Bart, Schläfenlocken, Gebetsmantel und dem unvermeidbaren Hut, da der Kopf nicht unbedeckt bleiben darf. Einer von ihnen ist in „Du sollst nicht lieben“ ein Metzgersohn mit bezeichnendem Namen: Aaron Fleischman (Zohar Strauss). Nach dem Tod seines Vaters übernimmt er ohne langes Nachdenken dessen Fleischerei. Auf seinen Aushang mit der Suche nach einer Aushilfe meldet sich der junge Ezri (der hübsche israelische Shootingstar Ran Danker), ebenfalls ein orthodoxer Jude. Ezri hängt ein schlechter Ruf an, denn er ist ein Sünder, der sich mit anderen Männern einlässt. Aaron gibt nichts auf die Gerüchte und hält an seinem Angestellten fest. Der Familienvater merkt stattdessen immer deutlicher, dass er mit seinem bisherigen Leben unzufrieden ist und Ezris Gefühle für ihn auf Gegenseitigkeit beruhen. Mit dem Glauben der beiden ist Homosexualität allerdings nicht vereinbar…
Das Setting und der historische, kulturelle und religiöse Hintergrund für Haim Tabakmans Film sind durchweg ungewöhnlich, für ein hiesiges Publikum sicherlich noch um einiges exotischer als beispielsweise für Amerikaner, denen der Anblick orthodoxer Juden in Großstädten ungleich vertrauter sein dürfte. Indem sich der Debütfilmer ausschließlich in der abgeschotteten Religionsgemeinschaft bewegt, unterstreicht er die veralteten Lebensauffassungen, die hier zelebriert werden. Parallel zu der sich zaghaft entspinnenden homosexuellen Liebesgeschichte wird auch von einer „unsittlichen“ heterosexuellen Beziehung erzählt, die eine junge Frau mit einem Mann eingeht, obwohl sie schon mit einem anderen verlobt ist. Auch wenn es sicherlich interessant ist, den großen Einfluss des Rabbiners auf seine Gemeinde mal in aller Deutlichkeit vor Augen geführt zu bekommen, ist Tabakmans Herangehensweise an die Geschichte insgesamt allzu konventionell geraten. Auch angesichts seines sehr gemächlichen Erzähltempos büßt er in der Storyentwicklung recht schnell den Exotenbonus seiner Geschichte ein, was schließlich einer gepflegten Langeweile Platz macht.
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