Edge of Love – Was von der Liebe bleibt – Drama
Während der deutschen Luftangriffe auf England begegnet Vera Phillips ihrer Jugendliebe, dem walisischen Dichter Dylan Thomas, wieder. Dieser ist mittlerweile mit Caitlin verheiratet, doch noch immer von Vera fasziniert. Die erhält alsbald im Soldaten William einen Verehrer. Biografisches Liebesdrama.
Wenn man das Leben eines bekannten Schriftstellers bebildern möchte, stößt man als Filmemacher sehr schnell an seine Grenzen. Was könnte es für das Kinopublikum Langweiligeres geben, als bei einem kreativen Prozess dabei zu sein, der nicht viel mehr hervorbringt, als kunstvoll arrangierte Worte? Das Visuelle, was Kino eigentlich ausmacht, muss da fast zwangsläufig auf der Strecke bleiben. Deswegen sollte das Leben des Schriftstellers besser auch spannend und interessant sein, damit man daraus doch noch etwas Brauchbares zimmern kann. Vor einem halben Jahr war dies Diane Kurys mit „Bonjour Sagan“ ganz respektabel geglückt, John Maybury tut sich hier mit dem Leben des Dichters Dylan Thomas ein wenig schwerer. Dabei hat der britische Regisseur vor rund zehn Jahren mit einem ganz herausragenden Biopic bereits bewiesen, dass er durchaus in der Lage ist, das Leben eines Künstlers für die Leinwand aufzubereiten. In „Love is the Devil“ widmete er sich dem Schaffen und Lieben des Malers Francis Bacon, der als bildender Künstler offensichtlich schon viel mehr hergab als der Schreiber Thomas.
Zu Beginn findet aber John Maybury auch hier einige ganz gelungene Einstellungen und Szenen, mit denen er den kreativen Prozess des Schreibens optisch erfahrbar machen kann. Wir erleben Dylan Thomas bei spontanen Kreativeinfällen, erhaschen einen Eindruck über die Bedeutung seiner Kunst innerhalb seiner Ehe und puzzeln uns zusammen, wie die äußeren Umstände und das Gefühlschaos sich auf seine Werke übertrug. Doch genau diese Ménage-à -Quattre, die sich schon bald zwischen ihm, seiner Ehefrau, seiner einstigen Jugendliebe und deren neuem Verehrer zu entspinnen beginnt, bestimmt fortan den gesamten Handlungsverlauf und macht deswegen Platz für eine ziemlich gewöhnliche Beziehungstragödie. Das ist schade, weil damit das Besondere der Geschichte mehr und mehr verloren geht und sich schrittweise gepflegte Langeweile breit macht. Immerhin schimmert doch auch beständig John Mayburys Anspruch durch, sein Biopic anders anzulegen als vergleichbare Werke. Deswegen setzt er einige effektvolle Überblendungen ein, arbeitet mit ebenso überzeugenden Parallelmontagen oder platziert an den geeigneten Stellen Originaltexte von Dylan Thomas als Kommentare zum Gezeigten aus dem Off. Wenngleich es Maybury nicht gelingen mag, den Schriftsteller Dylan Thomas für sein Publikum greifbar zu machen, so kann er diesem doch zumindest einen Eindruck von dessen Persönlichkeit vermitteln und ihn mitnehmen in eine Zeit, in der persönliche Empfindungen hinter den äußeren Umständen zurückstehen mussten (3/6)
GB 2007 (The Edge of Love) Regie: John Maybury. Buch: Sharman MacDonald. Musik: Angelo Badalamenti. Kamera: Jonathan Freeman. Schnitt: Emma E. Hickox. Produktion: BBC Films, Capitol Films, Prescience Film Fund, Rainy Day Films, Sarah Radclyffe Productions Limited, Wales Creative IP Fund. Mit: Keira Knightley, Sienna Miller, Matthew Rhys, Cillian Murphy, Simon Armstrong, Ben Bett, Geoffrey Beevers. Koch Media. 110 Min. Ab 23.07.2009 im Kino.
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