Ein Augenblick Freiheit – Drama
In einem Hotel in Ankara treffen sich die unterschiedlichsten Flüchtlinge: zwei junge Männer mit zwei Kindern aus dem Iran, eine dreiköpfige Familie aus dem Iran, ein kurdischer und ein iranischer Flüchtling. Allesamt warten sie auf ihr Visum in die Freiheit. Facettenreiches Flüchtlingsdrama.
Geschichten wie die drei, die Arash T. Riahi in seinem Spielfilmdebüt „Ein Augenblick Freiheit“ schildert, ereignen sich tagtäglich an den unterschiedlichsten Orten dieser Welt. Menschen werden in ihrem Heimatland unterdrückt oder verfolgt und machen sich auf den gefahrvollen Weg in eine mögliche bessere Zukunft. „Lieber verliere ich mein Leben, als meine Würde und Integrität“, wird einer von ihnen im Laufe des Films einmal sagen. Und dieser stille Hilfeschrei kann durchaus als Leitmotiv für einen Film gelten, dem es auf überzeugende Weise gelingt, eine ganze Reihe unterschiedlicher Aspekte dieser globalen Problematik aufzugreifen und auf bewegende, humorvolle und seriöse Weise in Bilder zu packen. Geschichten, die auf wahren Begebenheiten beruhen und teilweise aus der Biografie des Filmmachers selbst stammen.
Wie auch Arash T. Riahi sind die meisten der Hauptfiguren Flüchtlinge aus dem Iran, einem Land, das gerade wieder aufgrund seiner Restriktionen und Bevormundungen die Schlagzeilen der Weltpolitik bestimmt. Hassan ist mit seiner Frau Lale und dem kleinen Sohn Kian geflohen, weil er politisch unterdrückt wird. Auch in der Türkei will er für die Rechte anderer eintreten und vernachlässigt dabei seine eigene Situation und die Ansprüche seiner Familie. Azy und Arman, ein kleines Geschwisterpaar, ist mit ihrem jungen Onkel und einem Freund der Familie auf der Flucht, denn die Eltern der beiden leben schon in Österreich. Manu ist ein exzentrischer Kurde, der sich unterwegs mit dem Iraner Abbas anfreundet und schließlich mit ihm ein Hotelzimmer in einer Absteige teilt. Der Besitzer ist ein geldgieriger Türke, der keine Gelegenheit auslässt, um nicht noch mehr Profit aus dem Elend der anderen zu schlagen. Die Geschichten dieser drei Gruppen stecken voller Dramatik, auf den beschwerlichen Wegen bis nach Ankara wird so manche Träne vergossen. Und selbst dort hat man es noch nicht geschafft, weil sich der iranische Geheimdienst in der Maske der türkischen Polizei auf die Suche nach illegalen Flüchtlingen macht. Trotzdem versteht es Riahi, die Ereignisse immer wieder aufzulockern und mit viel Herz und Verstand zu erzählen. Das Ergebnis ist fast schon ein wenig zu musterbildlich, weil die unterschiedlichsten Motive für die Flucht thematisiert werden, weil selbst der Ausgang der Geschichten sämtliche Möglichkeiten zu beleuchten scheint. Aber dadurch gelingt es „Ein Augenblick Freiheit“ auch, die komplexen Strukturen hinter diesem immer dringlicher werdenden Problem anschaulich zu machen und sein Publikum auf mitreißende Weise dafür zu sensibilisieren. (5/6)
A/F 2008. Regie und Buch: Arash T. Riahi. Musik: Karuan Marouf. Kamera: Michi Riebl. Schnitt: Karina Ressler. Produktion: Les Films du Losange, Pi Film, Wega Film. Mit: Navíd Akhavan, Pourya Mahyari, Elika Bozorgi, Sina Saba, Payam Madjlessi, Behi Djanati Ataï, Kamran Rad, Fares Fares. Film Kino Text. (O.m.U.) 110 Min. Ab 13.08.2009 im Kino.
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