Gegenüber
Man mag es nie glauben: Maskuliner Machismos minimalisiert sich bis zur Erbärmlichkeit, wenn Männer in die Mache ihrer Frauen geraten. Gemeint sind nicht etwa jene, die sich willentlich in Demut vor Dominanz gezielte Rundschläge mit der neunschwänzigen Katze auf den eingeölten Hintern verpassen lassen, sondern die netten Weichwollis von nebenan und gegenüber. Kein nudelholzschwingender Hausdrachen mit keifender Standpauke, sondern brachiale Streitigkeiten mit harten Schlägen, blauen Flecken und vor allem seelischen Blessuren tragen die Geprügelten davon. Immerhin seien nach Ansicht von Experten hierzulande bis zu 50% des „schwachen“ Geschlechtes gewalttätig.
Schwächeln heißt es auch für den besonnenen Polizist Georg (Matthias Brandt). Von allen geschätzt, freundlich, hilfsbereit und lieb; zu lieb, wenn man es allen nur recht macht. Auch sein Kollege Michael (Wotan Wilke Möhring) ahnt nichts von den Höllenqualen, die Georg bei seiner Frau Anne (Victoria Trauttmannsdorff), einer Lehrerin durchleidet, denn nach außen bleibt die Blendfassade bewahrt. Die handfesten Konversationen eskalieren, Annes kompensierender Kampf um Anerkennung, der Frust wegen ihrer Problemkinder Marie (Anna Brass) und Lukas( Pablo Ben-Yakov) zentrieren diese Szenen einer züchtigen Ehe. Die lotet der 28jäh-rige Regisseur Jan Bonny in seinem in Cannes bejubelten Debütwerk episch intensiv aus.
Weniger löblich, eher voyeuristisch mitleidend, erlebt der Zuschauer indes Georgs Ertragen, zumal das dokumentarisch verbrämte Ensemble-Drama dies bis zur Unerträglichkeit überspitzt. Da bleibt nur noch die Frage: Wann schlägt der endlich zurück? Kaum, in jeder dritten deutschen Partnerschaft kommt es zu physischer Gewalt, wobei Männer ihre Opferbereitschaft selten outen…
Gegenüber wurde bearbeitet von Jean Lüdeke • Permalink • Kommentar schreiben »












