House of Boys – AIDS als mediales Thema
Es dauerte ein paar Jahre, bevor man sich Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre im Kino mit einer Epidemie auseinanderzusetzen begann, die in den frühen 80er Jahren ihren Ursprung hatte. AIDS wurde zum medialen Thema, dessen man sich auch in fiktiver Form annahm, teils autobiografisch geprägt („Wilde Nächte“ von Cyril Collard), teils auf hollywoodtypische Weise für ein Massenpublikum aufbereitet („Longtime Companion“ von Norman René), teils mit hohem künstlerischen Anspruch neue Wege beschreitend („Blue“ von Derek Jarman). In den letzten Jahren ist die nach wie vor tödlich verlaufende Krankheit größtenteils aus dem Alltag verdrängt. Die flächendeckende Panik, die vor rund zwanzig Jahren noch für täglich neue Schlagzeilen sorgte, ist mittlerweile einer aktiven Verdrängung gewichen. Denn nach wie vor infizieren sich jährlich mehr als 2 Millionen Menschen neu mit AIDS, ebenso viele erliegen Jahr für Jahr der Immunschwächekrankheit.
Jean-Claude Schlim hat sich in seinem Debüt als Regisseur auf eine Zeitreise zurück in die frühen 80er Jahre begeben, als die Welt noch in Ordnung schien. Frank (Sonnyboy Layke Anderson) will dem Mief seiner luxemburgischen Heimat entfliehen, in der er sich nach seinem Coming Out eingeengt vorkommt. Es verschlägt ihn nach Amsterdam, wo er nach einer weiteren Enttäuschung im „House of Boys“ unterkommt, einem schwulen Kabarett, in dem hübsche Jungen Stripteasetanzen. Schon schnell verliebt er sich in seinen Zimmergenossen Jake (athletische Schönheit: Benn Northover), der aber eine Freundin hat und seinen Arsch nur für Geld anderen Männern hinhält. Man genießt die ausgelassene Stimmung im schrillen Club, bis die Schwulenseuche AIDS ihre dräuenden Schatten über die Idylle wirft. Dieser Bruch in der Handlung zerteilt Schlims Film auch in zwei verschiedene Paar Schuhe. Die erste Hälfte ist bunt und überzogen-schräg, wenn Dragshows nachgestellt und in den Stripeinlagen jede Menge heißer nackter Haut präsentiert wird. Udo Kier darf als Barchefin „Madame“ sämtliche Register ziehen, wobei er, genau wie das Drumherum, allzu sehr zum Stereotyp verkommt. In der zweiten Hälfte schließlich brechen die dramatischen Ereignisse über die Protagonisten herein, die die Stimmung des Films nachhaltig verändern, aber auch ungleich besser funktionieren. Wenngleich man Ähnliches schon in den eingangs erwähnten, 20 Jahre alten Filmen gesehen hat, macht es dennoch Sinn, die nach wie vor aktuelle Problematik einem nachgewachsenen Publikum nahe zu bringen und den Finger mal wieder auf eine längst nicht verheilte Wunde zu legen. Auf der DVD liegt der Film in der deutschen und englischen Sprachfassung in Dolby Digital 5.1 vor, die deutsche Fassung gibt es zusätzlich auch in DD 2.0-Ton. Extras sind leider gar keine vorhanden.
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