Let’s Make Money – We Rob the World
Vor drei Jahren hat Erwin Wagenhofer mit seiner Dokumentation „We Feed the World – Essen global“ einen enormen Publikums- und Kritikererfolg verbuchen können, der zum erfolgreichsten Dokumentarfilm Österreichs avancierte. In seiner kritischen Betrachtung über die Absurditäten von Nahrungsmittelanbau, weltweitem Hunger auf der einen und Butter- bzw. Brotbergen auf der anderen Seite, war ihm ein komplexer und in seiner aufgeschlüsselten Vernetzung erschreckender Einblick in das tagtägliche Geschäft mit dem Essen gelungen. In seinem neuen Film hat er sich einem weiteren globalen Problem angenommen, das seinerseits mit der stets breiter werdenden Kluft zwischen einigen wenigen Superreichen und der breiten Masse der immer ärmer werdenden Bevölkerung zusammenhängt. Dem Film „Let’s Make Money“ liegt ein noch wesentlich komplexerer Ablauf zugrunde, den Wagenhofer in der Kürze der Zeit nicht vollständig ausloten kann, für dessen genauere Analyse er aber eine ganze Reihe bedenkenswerter Ideen geliefert hat.
Der ständige Ehrgeiz der ohnehin schon vermögenden Großverdiener, ihr Einkommen Jahr für Jahr weiter zu steigern, hat zu den verschiedenen Auswüchsen des Neo-Liberalismus geführt, bei dem Globalisierung und Privatisierung nur zwei der bekanntesten Komponenten darstellen. In welch absurde Höhen sich dieser mittlerweile hochgeschaukelt hat, macht der Regisseur an einigen ausgewählten Beispielen deutlich. Ahnungslose Anleger investieren ihr mühsam angespartes Geld mittels Rentenfonds in riesige Bauvorhaben an der spanischen Küste. Voller Eifer werden dort Wohnanlagen aus dem Boden gestampft, die lediglich der Wertsteigerung dienen, in die aber nie jemand einziehen wird. Die Auswirkungen auf die Natur und das Land sind verheerend. In weiteren Segmenten geht Wagenhofer dem Wirkungsmechanismus von Steuerparadiesen wie Jersey auf den Grund oder deckt mit Hilfe des ehemaligen Wirtschaftskillers John Perkins die Machenschaften der World Bank Group und der US-Regierung auf. Ein Überfluss an Informationen für einen knapp zweistündigen Film, der dadurch nicht immer leicht nachvollziehbar bleibt, aber der den Finger in eine Wunde legt, die ohne Gegensteuern schon bald zum weltweiten Wirtschaftskollaps führen könnte. Die anhaltende Bankenpleite ist dafür nur ein weiterer Vorbote. (5/6)
A 2008. Regie, Kamera und Buch: Erwin Wagenhofer. Schnitt: Paul M. Sedlacek. Produktion: Allegrofilm. Mit: Dr. Hermann Scheer, Dr. Werner Rügemer, John Christensen, Dr. Gerhard Schwarz, Dr. Mark Mobius, Mirko Kovats, John Perkins. 110 Min. Delphi ab 30.10.08.
Ähnliche Beiträge:
Let’s Make Money – We Rob the World wurde bearbeitet von Frank Brenner • Permalink • Kommentar schreiben »













