Löwenkäfig – Drama
Als Julia aufgrund des vermeintlichen Mordes an ihrem Geliebten in ein argentinisches Frauengefängnis eingewiesen wird, ist sie schwanger. Tomás kommt hinter Gittern zur Welt. Julias Mutter bemüht sich darum, ihren Enkel in Freiheit aufwachsen zu lassen, was Julia zu verhindern versucht. Ungewöhnliches Gefängnisdrama.
Wer bei einem Frauengefängnisfilm direkt an die erfolgreiche RTL-Serie „Hinter Gittern“ denkt, ist bei diesem argentinischen Arthouse-Film von Pablo Trapero („Familia Rodante – Argentinisch reisen“) wahrlich falsch gewickelt. Der von Walter Salles („Central Station“) koproduzierte Film „Löwenkäfig“ erzählt von einem Knastalltag, wie er uns bislang eher selten begegnet sein dürfte. Was genau in Julias Wohnung zu Beginn des Films vorgefallen ist, werden wir nicht erfahren. Alles ist voller Blut, Julias Freund tot, dessen Liebhaber schwer verletzt. Julia selbst kann sich an nichts erinnern und findet sich kurz darauf hinter Gittern wieder. Der Gefängnistrakt, in den sie eingeliefert wird, ist hochschwangeren Frauen und jungen Müttern vorbehalten. Deswegen liegen über den Flur zwischen den Zellen verteilt allerlei Kinderspielsachen herum, an den vergitterten Türen üben kleine Hosenscheißer ihre ersten Gehversuche. Julia begibt sich bald unter die schützende Hand Martas, die sich das mit einigen Zärtlichkeiten revanchieren lässt. In diesen Szenen kommt der Film den üblichen Frauengefängnisstreifen wohl noch am nächsten. Doch die Freundschaft zu Marta wird Julia später dringend benötigen, wenn ihre eigene Mutter Sofia versuchen wird, ihr den im Gefängnis geborenen Tomás wegzunehmen.
Pablo Trapero hat in seinem fast schon dokumentarisch anmutenden Filmdrama wahrlich eine Facette des Gefängnisalltags beleuchtet, die bislang medial eher weniger in Erscheinung getreten ist. Er geht unspektakulär und zurückhaltend an seinen Stoff heran, was „Löwenkäfig“ stellenweise etwas schwerfällig erscheinen lässt. Aber gerade mit seinen unaufgeregten Schilderungen vom Windelwechseln, Stillen und Erziehen unter ungewöhnlichen Umständen führt er sein Publikum behutsam an die von Martina Gusman mit viel Einfühlungsvermögen gespielte Figur der Julia mit all ihren Probleme, Widersprüchen und Stimmungen heran. Der Film konzentriert sich ausnahmslos auf sie, ihre Sicht der Dinge und ihr Verhalten, schafft es aber dennoch, andere Standpunkte und Ansichten deutlich zu machen. Mag „Löwenkäfig“ in seiner Handlungsentwicklung und der Mentalität seiner Charaktere vielleicht auch recht stark durch sein lateinamerikanisches Setting und die Impulsivität der dortigen Bevölkerung geprägt sein, kann man sich dennoch gut in das Seelenleben und die Probleme der Protagonistin einfinden und einen interessanten und ungewöhnlichen Kinoabend erleben. (4/6)
ARG/CVR/BRA 2008 (Leonera) Regie, Schnitt und Buch: Pablo Trapero. Buch: Alejandro Fadel, Martin Mauregui, Santiago Mitre. Kamera: Guillermo Nieto. Schnitt: Ezequiel Brovinsky. Produktion: Matanza Cine, Patagonik Film Group, Cineclick Asia, VideoFilmes. Mit: Martina Gusman, Elli Medeiros, Rodrigo Santoro, Laura GarcÃa, Leonardo Sauma, Tomás Plotinsky, Clara Sajnovetzky, Roberto Maciel. 113 Min. MFA+ ab 4. 6.09.
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