Lulu und Jimi
Ganz klar: Hier hat sich jemand einen ausgefallenen Traum erfüllt! Oskar Roehler, Jahrgang 1959, hat einen Film gedreht, der just 1959 einsetzt und eine Zeit auferstehen lässt, die mit ihrer miefig-konservativen Wirtschaftswundermentalität längst Vergangenheit ist, mittlerweile aber auch wieder gerne kultisch verklärt wird. Erzählen wollte Roehler von der grenzenlosen Macht der Liebe, die sich gegen widrige Umstände und kontraproduktive Einflüsse von außen zu behaupten lernt. Es ist die Liebe zwischen Lulu, die aus einer angesehenen Familie stammt, die mittlerweile in Finanznöten steckt, und Jimi, einem dunkelhäutigen US-Amerikaner ohne Familie und ohne finanzielle Sicherheiten. Eine Liebe also, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt scheint, zumal eine gemischtrassige Beziehung in der Adenauer-Republik ohnehin nur Bedenken hervorrufen konnte.
„Lulu und Jimi“ ist von Anfang bis Ende ein Konzeptfilm, dem es zwar gelingt, den schrill-schrägen Charme der frühen 60er Jahre auf die Leinwand zu bannen, der aber stilistisch weit über sein Ziel hinausgeschossen ist. Ernst nehmen kann man hier nichts, weder das leidenschaftlich liebende Paar, das eher mäßig deutsch synchronisiert wurde (Jennifer Decker ist Französin, Ray Fearon Brite), noch die karikaturhaft überzeichneten Nebenfiguren oder die hoffnungslos unglaubwürdige Handlung. Ernst nehmen soll man das alles wahrscheinlich auch gar nicht, denn ernst gemeint kann es eigentlich gar nicht gewesen sein. Aber lustig ist es dann leider auch nicht. Das ungewöhnlichste Setting und die furchtbarsten Kostüme nutzen ihren Überraschungseffekt irgendwann einmal ab, und dann schippert der Konzeptfilm völlig konzeptlos seinem lauen Finale entgegen. Oskar Roehler war zwar im Kino schon für so manche Überraschung gut. Hier aber ist die größte Überraschung, dass es trotz einer herrlich schrägen Ausgangsidee eigentlich nichts Überraschendes gibt. Sehr schade.
D/F 2008. Regie und Buch: Oskar Roehler. Musik: Martin Todsharow. Schnitt: Bettina Böhler. Kamera: Wedigo von Schultzendorff. Produktion: Elzévir, EMC, NDR, BR, arte, WDR, arte France Cinéma. Mit: Jennifer Decker, Ray Fearon, Katrin Sass, Udo Kier, Bastian Pastewka, Rolf Zacher, Ulrich Thomsen. 94 Min. X Verleih ab 22. 1.09.
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